Zeit miteinander verbringen, vorlesen, die Welt neu entdecken – durch die Augen der Kinder und mit der Erfahrung der Großeltern. Viele junge Familien haben jedoch keine Großeltern, die in der näheren Umgebung leben. Die Mobilität der heutigen Zeit hat die Familienstrukturen verändert. Auch die Großeltern von Salome (7), Malina (6) und Elisa (3) wohnen nicht in der Nähe und können nicht "mal eben so" vorbei schauen. "Meinem Mann und mir ist die Begegnung zwischen den Generationen aber sehr wichtig", sagt Hannah Monkos, die Mutter der drei Mädchen. "Sowohl die jüngere als auch die ältere Generation profitieren von dem gegenseitigen Austausch. Es ist ein Geschenk für beide Seiten. Allein, dass ein älterer Mensch die Erfahrungen, die er in seinem Lebensrucksack gesammelt hat, mit den Kindern teilt, ist enorm kostbar. Senioren verfügen über eine ganz andere Geduld und Gelassenheit als Eltern, die beruflich eingespannt sind."

So kam es, dass Familie Monkos sich für das Wahlgroßelternprojekt interessierte, das die damalige Leiterin des Familientreffs Frickingen, Hildegard Sasse, 2013 zusammen mit dem Verein "Miteinander" in der Gemeinde initiierte. Ziel des Projekts ist eine langfristige Beziehung zwischen Familien und Wahlgroßeltern. Mit allen Facetten, in denen Kinder ihre eigenen Großeltern erfahren, können auch Wahlgroßeltern mit ihnen aktiv sein. Auch wenn Wahlgroßeltern und Wahlenkel keine leiblichen Verwandten ersetzen, so können doch echte Bindungen entstehen. Wie die gemeinsame Zeit aussieht, wird von beiden Seiten ganz nach Bedarf vereinbart.

Familientreff koordiniert das Projekt

Koordinatorin des Projekts in Frickingen ist Kirsten Greffenius vom Familientreff, bei ihr laufen alle Fäden zusammen. Damit Wahlgroßeltern und Familien möglichst gut zusammenpassen, schaut sie danach, ob die Bedürfnisse und Strukturen der Familien und die Vorstellungen der Wahlgroßeltern korrespondieren. Die Chemie muss stimmen. So wie bei Familie Monkos und Ursula Wulf. Die pensionierte Gymnasiallehrerin war eine der Ersten in Frickingen, die sich für die Aufgabe der Wahloma interessierte. "Ich habe das Angebot beim Verein Miteinander – Bürger-Selbsthilfe Frickingen gelesen und spontan entschieden, mich anzumelden. Frau Greffenius hat mich dann mit Familie Monkos bekannt gemacht", erinnert sich Wulf. Bei den Monkos ist sie geblieben. Vier Jahre nun schon. "Selbst wenn ich irgendwann einmal eigene Enkel habe, kann ich mir nicht vorstellen, die Nachmittage mit Salome, Malina und Elisa aufzugeben", sagt Wulf, während sie mit Malina und Salome gemeinsam an einem Bild malt. "Ich habe mich von Anfang an auf die Kinder eingelassen. Salome war damals drei, Malina noch keine zwei Jahre alt. Wir haben uns langsam aneinander gewöhnt. Die beiden haben sehr viele Rollenspiele gemacht, im Sommer waren wir im Garten in der Sandkiste und irgendwann sind wir dann auch mal etwas weiter weg auf den Spielplatz gegangen." 2014 kam Nesthäkchen Elisa auf die Welt. Sie kennt die Wahloma von Geburt an, vielleicht ist sie deswegen auch die Anhänglichste der drei Schwestern, nur zu gern klettert sie auf den Schoß von Ursula Wulf. "Solche Momente sind unglaublich schön und kaum in Worte zu fassen", sagt Ursula Wulf strahlend.

Die drei Schwestern sind sich jedenfalls einig: "Ursel ist toll. Wir freuen uns immer, wenn sie kommt. Sie macht ganz viel Quatsch mit uns, wir basteln zusammen, malen und spielen Quartett. Wir waren mit ihr auch schon auf der Reutemühle und am Affenberg. Vor Weihnachten haben wir ein Lebkuchenhaus mit Gummibärchen und bunten Perlen beklebt."

"Ursel entlastet mich"

"Ursel ist für unsere Familie ein großes Glück", sagt Hannah Monkos. "Sie entlastet mich, verbringt schöne und fröhliche Stunden mit meinen Kindern und hat vor allem eines: viel Zeit. Auch wir beide sind uns inzwischen sehr nahe und vertraut. Außerdem wurde mir durch unsere Wahloma der Wiedereinstieg in den Beruf erleichtert." Monkos ist Sonderpädagogin. In ihrer Elternzeit engagierte sie sich in der Krabbelgruppe des örtlichen Familientreffs. Als Hildegard Sasse Ende vergangenen Jahres in den Ruhestand ging, übernahm Monkos die Leitung des Familientreffs. Auch hier spielte die Wahloma eine wichtige Rolle – war sie es doch, die während des Vorstellungsgesprächs auf die drei Mädels aufpasste.

Monkos kümmert sich gemeinsam mit Greffenius um das Projekt Wahlgroßeltern, von dem sie aus eigener Erfahrung restlos überzeugt ist. "Als Mutter von drei Kindern ist mir bewusst, wie wichtig und entlastend es ist, ein tragfähiges Netzwerk zu haben. Dafür möchte unser Familientreff Räume schaffen und jungen Familien die Möglichkeit zum Austausch, zur Begegnung und zur gegenseitigen Unterstützung geben. Im Wahlgroßeltern-Projekt geht es darum, Zeit zu schenken, sich aufeinander einzulassen und voneinander in der Begegnung zu profitieren", berichtet Monkos. "Man bekommt nicht einfach irgendeine Familie zugeteilt. Wer beispielsweise nicht wickeln möchte, kann sich auch ältere Kinder wünschen." Es gibt unterschiedliche Modelle: bei den einen kommen die Wahlgroßeltern ins Haus, in anderen Familien gehen die Kinder zur Wahloma oder zum Wahlopa. "Das Projekt heißt zwar Wahlgroßeltern, aber auch jüngere Menschen dürfen sich von der Idee, Zeit zu schenken, angesprochen fühlen", sagt Monkos. Zweimal im Jahr veranstaltet der Familientreff einen Tag der Wahlgroßelternpflege. Vor Weihnachten waren alle Wahlgroßeltern zum gemeinsamen Kaffeetrinken eingeladen. Auch gab es einen Spielevormittag, bei dem es Anregungen für Fingerspiele und eine Vorstellung verschiedener Gesellschaftsspiele gab. Ein Ausflug ins Schulmuseum stand bereits ebenso auf dem Programm wie eine gemeinsame Bootsfahrt.

Kooperation mit Landkreis und Gemeinde

Der Familientreff arbeitet in Kooperation mit dem Landkreis und der Gemeinde. "In unserer Gemeinde herrscht eine sehr familienfreundliche Grundstimmung", sagt Monkos. "Hinzu kommt, dass unser Bürgermeister Jürgen Stukle offen für neue Ideen und Impulse ist. Zurzeit gibt es in Frickingen einige Familien, die sich eine Wahl-Oma oder einen Wahl-Opa wünschen. Wir vom Familientreff würden uns sehr freuen, wenn sich noch ein paar mehr ältere Menschen von der Idee unseres Projekts angesprochen fühlen und sich bei uns melden."

 

Projekt Wahlgroßeltern

Wahlgroßeltern bringen beiden Seiten Freude und Nutzen: Die Familien profitieren von der Zuwendung und der Lebenserfahrung der Älteren, die Wahlgroßeltern haben die Möglichkeit, Zeit zu schenken, die Welt durch die Augen der Kinder zu sehen und die Familien zu unterstützen. Das Ziel ist eine langfristige Beziehung. Wie die gemeinsame Zeit aussieht, entscheiden die Wahlgroßeltern und die Familien in persönlicher Absprache. In Frickingen gibt es zurzeit sechs Wahlomas und -opas. Die erste Begegnung ist sehr wichtig. Diese kann – muss aber nicht – im häuslichen Umfeld der Familie stattfinden, da es für die Kinder eine vertraute Umgebung ist. Ob Wahlgroßeltern, Eltern und Kinder miteinander können, zeigt sich meist schon beim ersten Treffen. Hannah Monkos und Kirsten Greffenius vom Familientreff begleiten die Kontaktaufnahme. Sie sind auch die Ansprechpartnerinnen, wenn Wahlgroßeltern und Familie merken, dass es vielleicht doch nicht so gut passt. Wahlgroßeltern bekommen eine finanzielle Wertschätzung in Höhe eines kleinen Taschengeldes. Wer Interesse am Projekt Wahlgroßeltern hat, kann sich bei Hannah Monkos, Telefon 0 75 54/9 89 88 33, Kirsten Greffenius, Telefon 075  54/1 70 98 17, oder bei Helga Bockelmann vom Verein Miteinander Bürger-Selbsthilfe, Telefon 0 75 54/98 30 50 melden. (mkl)