Es ist nun ein gutes Jahr her, dass sich Aaron Thiekötter zu einem Schritt entschieden hat, der sein Leben gewaltig veränderte: „Es war definitiv der richtige Schritt“, sagt er. „Was ich allein im vergangenen Jahr durch den Sport herumgekommen bin, ist super.“ Daher würde er alles noch einmal so machen. Im August 2017 wechselte der heute 19-Jährige zu Bayer 04 Leverkusen, um unter Profibedingungen zu trainieren. Bei Bayer absolviert er parallel eine Ausbildung zum Kaufmann für Büromanagement.

Arbeit von 8 bis 15 Uhr, dann zwei Stunden Sport

Er zog nach Nordrhein-Westfalen, um sich einen Traum zu erfüllen, von dem er vor gut zwei Jahren noch gar nichts wusste. Heute arbeitet Aaron Thiekötter täglich von 8 bis 15 Uhr und geht danach zwei Stunden trainieren. Am Wochenende sind Wettkämpfe oder andere Termine. Dass ein solcher Tagesablauf seinen Alltag beherrschen wird, hatte er selbst kaum für möglich gehalten, denn erst im Herbst 2016 war sein sportliches Talent in einem Camp vom Bundesverband für Menschen mit Arm- oder Beinamputation entdeckt worden.

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Die Entscheidung, vor einem Jahr nach Leverkusen zu wechseln, sei nicht einfach, sagt Aaron Thiekötter. für ihn war das ein großer Schritt, denn er verließ nicht nur seine Heimat, sondern startete quasi von null auf hundert in Sachen Sport. Bis dahin spielte Sport eine eher untergeordnete Rolle in seinem Leben. Im Alter von drei Jahren hatte er einen Unfall, bei dem er seinen rechten Unterschenkel inklusive Knie verlor. Durch eine Prothese mit Gelenk fand er aber den Weg zurück in den Alltag – und schließlich sogar zum Spitzensport.

Bronzemedaille bei der Junioren-WM

Die ersten Erfolge hat er bereits erreicht. Vor wenigen Wochen war er bei der Junioren-Weltmeisterschaft für U-23-Athleten im irischen Athleton. Da der ehrgeizige 19-Jährige im Perspektivkader von Bayer 04 Leverkusen ist, erhielt er eine Wildcard und startete über 100 und 200 Meter sowie im Weitsprung. „Ich war überrascht, dass das Training in Leverkusen so schnell bei mir anschlägt und ich schon mithalten kann“, erzählt Aaron Thiekötter. Über 100 Meter gewann er die Bronzemdedaille.

Bestweite im Weitsprung von 3,30 auf 4,70 Meter verbessert

Eine Woche lang war er mit der deutschen Delegation in Athleton. „Wir hatten eine unglaublich intensive Betreuung“, berichtet er. „Drei Trainer und zwei Physiotherapeuten kümmerten sich um uns. Das war einfach klasse.“ Nach einer zweitägigen Eingewöhnung ging es los. Gleich zum Auftakt sprintete er über 100 Meter auf Platz drei. Als zweite Disziplin stand der Weitsprung auf dem Programm, bei dem er 4,70 Meter schaffte. „Ich war zufrieden, da meine Bestweite vor einem Jahr bei ungefähr 3,30 Meter lag“, sagt Aaron Thiekötter schmunzelnd. Über 200 Meter sei ihm aber die Kraft ausgegangen.

"Habe gesehen, dass ich mithalten kann"

Diese Erfahrung in Irland ist für den Altheimer Bestätigung und Motivation zugleich. Auf der einen Seite habe er gesehen, dass er mithalten könne, und auf der anderen Seite sei er seinem ganz großen Ziel ein kleines Stück nähergekommen: die Paralympics 2020 in Tokio. Er glaubt, dass er dazu bei Bayer 04 Leverkusen bestens aufgehoben ist, denn dort ist die deutsche Hochburg in der Para-Leichtathletik. Er trainiert mit den Weltrekordlern über 100, 200 und 400 Meter. „Ich kann in Leverkusen tatsächlich von den Besten lernen“, sagt Aaron Thiekötter. „Der Verein ist sogar weltweit die Top-Adresse.“

An Ausdauer und Kraft zugelegt

Durch das intensive Training seit einem Jahr habe sich seine Statur verändert, sagt der 19-Jährige, auch wenn man das auf den ersten Blick gar nicht so sieht. „Vor allem in Sachen Muskulatur hat sich einiges getan“, berichtet er und fügt lachend hinzu: „Das führt natürlich nicht unbedingt dazu, dass man leichter wird, aber in punkto Kraft geht einiges.“ Außerdem arbeite er sehr viel im Bereich Ausdauer und Kraftausdauer.

Terminkalender mit Training, Wettkämpfen und Trainingslagern voll

In Leverkusen hat sich Aaron Thiekötter bereits eingelebt, wie er sagt. Durch den vollgepackten Terminkalender mit Training, Wettkämpfen und Trainingslagern schaffe er es nur noch vier oder fünf Mal im Jahr nach Altheim zu seinen Eltern. „Der Wechsel war nicht einfach, ich hatte aber einen optimalen Start“, schildert der 19-Jährige seine Situation vor gut einem Jahr. „Dadurch, dass ich bei Bayer einen Ausbildungsplatz bekommen habe und gleichzeitig viel im Training war, habe ich natürlich sofort viele Leute kennengelernt.“ Von daher habe er sehr schnell Fuß fassen können, auch wenn ihm seine Heimat immer noch ein bisschen fehle und er sehr gern am Bodensee sei.