Einwände vom Landesamt für Denkmalpflege zu dem geplanten Bauvorhaben an der Kirchstraße 20 sind zum einen der Grund für den im Januar gefassten Aufstellungsbeschluss für den vorhabenbezogenen Bebauungsplan Kirchstraße 20. Zum anderen kam deswegen das Regierungspräsidium (RP) Stuttgart ins Spiel, bei dem die Obere Denkmalbehörde angesiedelt ist.

Es geht um den Umgebungsschutz

Das Landesamt für Denkmalpflege im RP vermerkt in seiner Stellungnahme "erhebliche Bedenken". Die betreffen den "Umgebungsschutz" der beiden Kulturdenkmäler, der Kirche St. Martin und der Hofanlage (Kirchstraße 19) in unmittelbarer Nähe. Sie würden in ihrer Wirkung als Denkmal durch das intensive Bauvorhaben mit zwei Mehrfamilienhäusern, einer Gewerbeeinheit plus Arztpraxis nicht ausreichend geschützt, so der Einwand. Vor allem der geplante Flachdachbau entspricht laut RP nicht dem Charakter der dörflichen Ortsstruktur.

Ingenieur will Planungskurs halten

Der planende Ingenieur und das Ratsgremium sehen das anders. Das Umfeld der Kirchstraße weise bereits einige mehrgeschossige Wohn- und Geschäftsgebäude auf. "Außerdem handelt es sich um eine verträgliche Nachverdichtung im Innenbereich", unterstrich Planer Helmut Hornstein. Schließlich sei das Gelände vorher schon bebaut gewesen. Der Ingenieur riet dazu, den Planungskurs zu halten.

Hornstein: Keinerlei Anzeichen für archäologische Funde

Weitere Vorbehalte der Stuttgarter Behörde beschäftigen sich mit archäologischen Fragen. Hornstein betonte, Bauherr und Architekt hätten sich, was die Belange der Archäologie angehe,"exakt" an die Baugenehmigung gehalten. Bei den Aushub- und Erdarbeiten habe es keinerlei Anzeichen für archäologische Funde gegeben.

Auch Artenschutz ist Thema

In einer Stellungnahme vom Landratsamt ging es um im Kirchturm heimische Fledermäuse der Gattung Mausohren. Was die vom Landratsamt vorgeschlagenen artenschutzrechtlichen Ersatzmaßnahmen für die streng geschützte Fledermausart angeht, konnte Hornstein von einem Gutachten berichten. Eine Fachgutachterin habe geprüft, ob die schon abgerissenen Gebäude von den Tieren als Quartiere genutzt wurden. Bei dem früheren Wohnhaus sei das "zweifelsfrei nicht der Fall" gewesen. Bei der Scheune bestünde die theoretische Möglichkeit.

Nistkästen an Gebäude oder außerhalb des Plangebiets

Daher sollten Ersatzmaßnahmen entwickelt und in den Bebauungsplan übernommen werden. Die Nistkästen können aus Gutachteransicht am neu entstehenden Gebäude oder außerhalb des Plangebiets liegen. Gemeinderat Uwe Maier (CDU) regte an, auch die Nistkästen am Aubach im Zusammenhang mit der neuen Sportstätte zu prüfen. Hornstein antwortete, es handle sich dort um ein wertvolles Jagdgebiet der Fledermäuse. Die Sportler hätten daher die Auflage erhalten, Flutlicht nur bis 22 Uhr einzuschalten.

Entwurf wird öffentlich ausgelegt

Den vom Landratsamt vorgeschlagenen Maßnahmen folgte der Ratsbeschluss. Außerdem wurde entschieden, den Entwurf öffentlich auszulegen.