Sie habe einer alten Dame sogar schon einmal deren Biografie geschrieben, erinnert sich Hannelore Amann aus Altheim. Zusammen mit 26 Helfern des Vereins Miteinander – Bürger-Selbsthilfe Frickingen kümmert sich die rüstige Seniorin um hilfsbedürftige Menschen in den Gemeinde Frickingen und Heiligenberg. Insgesamt über 250 Menschen, vom Kind mit Down-Syndrom bis zum Demenzkranken Senior, werden von "Miteinander" unterstützt und davon seit Juni 2017 auch 58 Menschen in Heiligenberg.

In rund 1290 Einsatzstunden alleine im ersten Halbjahr leistet "Miteinander" unter anderem Hilfe im Haushalt, bei Einkäufen, bei Arztbesuchen und vor allem auch in der Entlastung pflegender Angehöriger. Da der Verein vom Landratsamt Bodenseekreis anerkannt ist, können Leistungsempänger ihren Pflegegrad anrechnen lassen.

Erika Lanz, Ansprechpartnerin, Einsatzleiterin und zuständig für die Verwaltung, freut sich: "Das wir in Heiligenberg aus dem Stand heraus so viel Resonanz erhalten haben ist natürlich großartig und spricht für das Prinzip unserer Bürger-Selbsthilfe."

Vier Helferinnen berichten über ihre Motivation und ihre Erfahrung im Verein "Miteinander":

Der Verein

  • Der Verein „Miteinander – Bürger-Selbsthilfe Frickingen“ hat 250 Mitglieder und 26 ehrenamtliche Helfer. 2016 leisteten sie 2167 Einsatzstunden und betreuten 48 Kunden. Der Mitgliedsbeitrag beträgt 18 Euro pro Jahr. Helfer sind jederzeit willkommen. Kontakt: Rathaus Frickingen, Telefon 0 75 54/98 30 50. E-Mail: info@miteinander-frickingen.de
  • Die Leistungen: hauswirtschaftliche Unterstützung, Begleitung zum Arzt, Begleitung zum Einkaufen, Übernahme der Einkäufe, Betreuung, Entlastung von pflegenden Angehörigen, Ausliefern von warmen Mahlzeiten (nur in der Gemeinde Frickingen).
  • Blasmusikspektakel am Samstag, 21. Oktober, ab 19 Uhr in der Graf-Burchard-Halle in Frickingen. Die Benistobler, Jack Russels Halsbänd und das Mühlbach-Quintett spielen zum Fest auf für zehn Jahre "Miteinander Bürger-Selbsthilfe-Frickingen". Der Eintritt ist frei, der Verein freut sich über Spenden.
Informationen im Internet:www.miteinander-frickingen.de

 

Elfriede Riegger aus Heiligenberg hat der Verein "imponiert". Die 83-jährige hat sich beim Start im Juni dieses Jahres spontan zur Mithilfe entschlossen. „Da wirst du Mitglied, vielleicht kannst du ja selber mal Hilfe brauchen“, habe sie sich gesagt. Sie selbst wohne zwar sehr einsam, sei aber durch ihr Auto doch mobil und auch einsatzbereit, erklärt die rüstige Seniorin.

Elfriede Riegger betreut eine demente alte Dame, deren Tochter diese nicht alleine lassen möchte. „Ihre ständigen Wiederholungen beim Erzählen stören mich nicht“, so Riegger. Für sie zähle am meisten, dass sie so noch gebraucht würde. Eigene Handicaps, wie zum Beispiel ihre Gehschwäche, würden ja berücksichtigt, weiß die Helferin. „Ich würde jedem empfehlen das auszuprobieren, für mich selbst ist mein Einsatz eine ganz große Befriedigung."

Elfriede Riegger
Elfriede Riegger

Hannelore Amann empfindet keine Belastung bei ihrer Tätigkeit für „Miteinander“. Ganz im Gegenteil wäre es doch so, dass sie jetzt helfe und dann auch bei Bedarf Hilfe erhalte, erklärt die 71-jährige Damenschneiderin, die seit über zehn Jahren im Verein aktiv ist. „Am Anfang war ich ja noch berufstätig und machte nur Urlaubsvertretungen“, so Amann. "Einer demenzkranken Seniorin, die in der Vergangenheit lebte, schrieb ich ihre Biografie als Hinterlassenschaft für ihre Kinder“, erinnert sie sich. Allerdings habe sich bis heute diese Biografie nicht auffinden lassen, fügt sie schmunzelnd hinzu. Es gelinge ihr gut, die Erlebnisse bei den Einsätzen dann aber auch vor ihrer Haustüre zu lassen, damit diese sie nicht belasten. In Haus und Garten habe sie ihre Aufgaben und erhalte so den nötigen Abstand, erklärt Amann.

Hannelore Amann
Hannelore Amann

Veronika Glückler empfindet große Dankbarkeit, wenn sie an die Unterstützung bei der Pflege ihrer eigenen Mutter denkt, erzählt die 53-jährige Hausfrau aus Bruckfelden. Der Verein habe ihr damals geholfen, ihre Mutter die letzten Monate zu begleiten und sie selbst dabei wesentlich entlastet. Die Helferin sei selbst Diabetikerin gewesen, konnte den Blutzucker nachmessen und kannte alle wesentlichen Kniffe, das habe ihr viel Sicherheit gegeben. Auch habe sich eine tiefe Freundschaft zwischen Mutter und Tochter und der Helferin Elisabeth Löhle aus Altheim gebildet, berichtet Veronika Glückler. Heute betreut die Hausfrau aus Bruckfelden ein 13-jähriges Mädchen mit Down-Syndrom und sagt: „Ich hätte niemals gedacht das mich diese Tätigkeit so bereichert und mir viele schöne persönliche Erlebnisse schenkt“.

Veronika Glückler
Veronika Glückler

Helga Bockelmann, einer ehemaligen Sekretärin aus Leustetten, bereitet die Tätigkeit Spaß und große Freude. Die rüstige Seniorin ist 82 Jahre alt und war zunächst in der Verwaltung des Vereins tätig. Einer älteren Dame konnte nicht geholfen werden, weil niemand frei war und das war der Startschuss zum einspringen. "Das war die demenzkranke Schwiegermutter von unserer Frau Lanz und wir hatten viel Freude miteinander. Frau Lanz sagte damals, ihr könnt machen, was ihr wollt, aber bevor ihr einen Flug bucht, sagt mir Bescheid", lacht Helga Bockelmann. Es ginge nicht so sehr darum, den Zustand der Demenzkranken zu verändern, sondern um die Entlastung der Angehörigen, das habe sie erkannt. Ihr bereiten diese Einsätze seit zehn Jahren große Freude. Es käme darauf an, den ersten Schritt zu wagen.

Helga Bockelmann
Helga Bockelmann