Mehrfaches Eingreifen bei einem starken Unwetter mit Unfällen durch umgestürzte Bäume und Überflutung hat die Frickinger Feuerwehr am Samstag simuliert. Zusammen mit Kollegen aus Salem und Heiligenberg sowie dem Deutschen Roten Kreuz (DRK) Salemer Tal rückten sie in vier Stunden 35 Mal aus. Der 16-köpfige, interkommunale Führungsstab um Frickingens Kommandanten Josef Kessler hatte alle Hände voll zu tun, die 40 Einsatzkräfte nebst Fahrzeugen zu koordinieren. Im Ernstfall wären 150 Leute gebraucht worden. Vor allem zu intensiven Übungs-, aber auch zur Werbungszwecken diente das Großaufgebot.

Einsatzleiter Josef Kessler (links) informierte interessierte Bürger über Planung und Vorgehen des 16-köpfigen, interkommunalen Führungsstabs.
Einsatzleiter Josef Kessler (links) informierte interessierte Bürger über Planung und Vorgehen des 16-köpfigen, interkommunalen Führungsstabs. | Bild: Martina Wolters

Im oberen Stock des Feuerwehrhauses war die Anspannung spürbar. Immer mehr der in der Funkzentrale vermeintlich eingegangenen Meldungen aus der Bevölkerung mussten rasch abgearbeitet und entsprechende Ausrückbefehle gegeben werden. "Für die Einsatzkoordination ist es nötig, eine Prioritätenliste zu erstellen", erläuterte der Organisationsleiter der Führungsgruppe, Jürgen Nell aus Salem. Ganz oben auf der Liste stand das Ausrücken zu einem Verkehrsunfall mit einer verletzten Person. Es wurde angenommen, dass ein Baum durch einen schweren Sturm entwurzelt und auf ein vorbeifahrendes Auto gestürzt war. Aufgabe der Frickinger Freiwilligen war es, den vermeintlich Eingeklemmten zu befreien. Bevor sie sich mit Spreizer und Schere ans Werk machen konnten, sorgten sie für eine Sicherung der Unfallstelle an der Kreisstraße.

Frickinger Retter setzen Spreizer und Schere ein, um eine vermeintlich eingeklemmte Person aus ihrem Auto zu befreien.
Frickinger Retter setzen Spreizer und Schere ein, um eine vermeintlich eingeklemmte Person aus ihrem Auto zu befreien. | Bild: Martina Wolters

Ein neunköpfiges Kollegenteam kümmerte sich derweil um einen scheinbar umgefallenen Container an der Golpenweilerstraße. Das Equipment des neu angeschafften Löschfahrzeugs ermöglichte es, den umgekippten Riesentank schnell und einfach per Drucklufttechnik anzuheben. Das benutzte Hochdruck-Hebekissen könne ohne Weiteres ein Auto oder umgestürzte Baumstümpfe bewegen, erklärte Gruppenführer Andreas Abt. Bis zu zehn Tonnen ließen sich mit den unscheinbar aussehenden Gummimatten anheben, wenn sie mit Druckluft gefüllt werden.

Die Einsatzkräfte setzten ein Druckluftkissen zum Heben eines umgekippten Tanks ein.
Die Einsatzkräfte setzten ein Druckluftkissen zum Heben eines umgekippten Tanks ein. | Bild: Martina Wolters

Ein anderes Szenario bot sich den neun Heiligenberger Rettungskräften. Geführt von Abteilungsleiter Johannes Leppert kämpften sie gegen ein Überlaufen des Dorfbaches, das aufgrund des Starkregens angenommen wurde. Sandsäcke wurden angebracht und Keller gesichtet. Währenddessen ging eine Abteilung der Weildorfer Wehr unter Leitung von Klaus Moser daran, den Ortskern vor dem eindringenden Wasser zu schützen. Mithilfe einer Tragkraftspritze simulierten sie das Abpumpen von Wasser aus überfluteten Kellerräumen, indem sie die örtlichen Dorfbrunnen leer pumpten. Die Feuerwehrfrauen und -männer arbeiteten ruhig und strukturiert, obwohl sie ihre Aufgabenstellungen erst am Einsatzort erhielten.

Bevor die Rettungskräfte am Bestimmungsort ankamen, wussten sie wie im realen Einsatz nicht, was sie erwartet.
Bevor die Rettungskräfte am Bestimmungsort ankamen, wussten sie wie im realen Einsatz nicht, was sie erwartet. | Bild: Martina Wolters

Angesichts der heftigen Unwetter vor zwei Jahren in Frickingen oder derzeit in Südtirol und Italien sei es wichtig, solche Großübungen möglichst realitätsnah durchzuspielen, begründete Salems Kommandant Jochen Fuchs das vom Führungsstab vorgegebene Übungskonzept. "Wir kochen alle eine große Suppe zusammen", brachten Lukas und Florian Strasser vom DRK das gute Miteinander auf den Punkt. Nur dadurch, dass viel miteinander trainiert werde, könne es im Ernstfall richtig gut laufen. "Vor dem Hintergrund immer extremerer Wetterereignisse war es sehr beruhigend, zu sehen, wie gut und fachlich qualifiziert die interkommunale Zusammenarbeit zwischen den Feuerwehren funktioniert", betonte Frickingens Bürgermeister Jürgen Stukle. Er hatte die verschiedenen Übungsszenarien mit Spannung verfolgt. Einsatzleiter Josef Kessler zeigte sich sehr zufrieden mit der realistischen Großübung inklusive verzögerter Kommunikation zwischen Einsatzkräften und Führungsgruppe.

Wer wird im Notfall alarmiert?

Seit mehr als zehn Jahren arbeiten die Feuerwehren aus Frickingen, Salem und Heiligenberg im Notfall zusammen. Das DRK Salemertal wird ebenfalls gemeinsam über den interkommunalen Führungsstab mitalarmiert. Die DRK-Ortsgruppe verfügt für Frickingen und Salem über acht Rettungsfahrzeuge. In der Schnellen Einsatzgruppe (SEG) stehen laut Florian Strasser 40 Kräfte zur Verfügung, im Bereitschaftsdienst 25. Sie kommen zum Betreuungseinsatz bei verletzten Personen, aber auch zur Organisation von Verpflegung für die Rettungskräfte bei mehrstündigen Noteinsätzen.

Die Freiwillige Feuerwehr Salem unter dem Kommando von Jochen Fuchs ist mit 120 Aktiven und 24 Jugendlichen personell gut aufgestellt. Die Heiligenberger Wehr um Gesamtkommandant Werner Waibel umfasst 60 Aktive und 10 Jugendfeuerwehrler in drei Abteilungen. In Frickingen stehen Feuerwehrkommandant Josef Kessler trotz mehrfacher Werbemaßnahmen zur Mitgliedergewinnung derzeit nur 50 aktive Feuerwehrleute zur Verfügung. Eine Großschadensübung kommt Kessler da gerade recht:" Jedes Feuerwehrfahrzeug in der Öffentlichkeit ist für mich ein Werbeträger." (mw)