Eine lange Warteschlange erwartete die Frickinger Bürger, die zum Neujahrsempfang ihrer Gemeinde. Bürgermeister Jürgen Stukle ließ sich diesmal nicht nehmen, mit Ehefrau Claudia jeden Bürger am Eingang der Graf-Burchard-Halle persönlich zu begrüßen. Bei rund 300 Besuchern reichten die Stühle knapp aus. Mit dem Marsch "Musik, Musik", gespielt von der Musikkapelle Frickingen unter der Leitung ihres Dirigenten Herbert Mayer, begann der offizielle Teil des Abends.

In seiner Begrüßung warf Stukle einen Blick auf die Krisen in der Welt. "Die Welt wartet nicht auf Deutschland", zitierte er Bundeskanzlerin Angela Merkel. "Europa als Friedens- und Wirtschaftsprojekt muss neu definiert werden", war seine Forderung an die Bundespolitik. "Das Tempo scheint zu schnell zu sein. Das löst Ängste aus. Wo bleiben Anstand, Respekt und Achtung? Es sind schwierige Zeiten. Ich blicke zuversichtlich und optimistisch in die Zukunft", sagte Stukle. Seine Neujahrsansprache wurde von Bildpräsentationen über die Bauprojekte sowie das Geschehen in den Vereinen und in der Gemeinde im vergangenen Jahr begleitet. Stukle hob die außerordentliche Finanzlage hervor, die große Investitionen in beachtliche Baumaßnahmen ohne Schuldenaufbau ermögliche. Am Ende dankte er allen Menschen, die sich in der Gemeinde einbringen.

Die Redner (von links): Johann Thum vom DRK-Ortsverein Salemertal, Bürgermeister Jürgen Stukle, der Fricker Gemeindeammann Daniel Suter und Gemeinderat Albert Mayer.
Die Redner (von links): Johann Thum vom DRK-Ortsverein Salemertal, Bürgermeister Jürgen Stukle, der Fricker Gemeindeammann Daniel Suter und Gemeinderat Albert Mayer. | Bild: Mardiros Tavit

Daniel Suter, Gemeindeamann der schweizerischen Partnergemeinde Frick, hatte bei seinem kurzen humorvollen Grußwort die Lacher auf seiner Seite. Erst blickte er in die Sterne. "Das anstehende Venus-Jahr hat alle Eigenschaften für ein weiteres Jahr gedeihlicher Zusammenarbeit." Dann berechnete er im feinsten Schwyzerdütsch die sportliche Konstellation der anstehenden Fußball-Weltmeisterschaft in Russland. "Wenn Deutschland Gruppenerster wird, und die Schweiz in der Brasilien-Gruppe Zweiter, treffen beide im Achtelfinale aufeinander. Wäre es nicht schön, wenn wir nach dem Spiel sagen könnten: Hier hat der neue gegen den alten Weltmeister gespielt." Bürgermeister konterte diese übermütige Steilvorlage mit dem bekannten Zitat von Fußballlegende Gary Lineker: "Fußball ist ein Spiel, bei dem 22 Männer einem Ball hinterher jagen und am Ende gewinnen die Deutschen."

Für ein ernstes und wichtiges Anliegen stand Johann Thum vom Ortsverein Salemertal des Deutschen Roten Kreuzes am Rednerpult. "Blut und seine Bestandteile kann nicht künstlich hergestellt werden. Dank und Anerkennung für die Blutspender. Dieser selbstlose Dienst am Nächsten ist nicht selbstverständlich." Unter den vielen Geehrten stach Josef Schäfer mit 125 Blutspenden besonders hervor. Da die Zahl der Blutspender seit Jahren stetig abnimmt, sei eine Erstspenderaktion gestartet worden. Ausdrücklich bedankte er sich beim Musikverein, der diese Aktion unterstütze.

Mit der angenehmeren Aufgabe der Verteilung der Geldspenden, die die Gemeinde erhielt, ging es für Bürgermeister Stukle weiter. Insgesamt 1150 Euro wurden von Josef Baader, Josef Kessler, Harald Hügle und der Sparkasse Salem-Heiligenberg gespendet. Das Geld geht je zur Hälfte an den Waldorf- und den katholischen Kindergarten. Beide Einrichtungen wollen mit der Spende Spielgeräte anschaffen.

Im Rahmen des Neujahrsempfangs wurden die Blutspender geehrt (von links): Bürgermeister Jürgen Stukle, Martin Vogler (für 25-maliges Spenden), Burkhard Sippl-Barth (25), Michael Beer (10), Edith Kretzer (50), Johannes Reichle (10), Marianne Lattner (50), Florian Möhrle (25), Josef Schäfer (125), Stefan Schwenzig (25), Johann Thum vom DRK-Ortsverein Salemertal.
Im Rahmen des Neujahrsempfangs wurden die Blutspender geehrt (von links): Bürgermeister Jürgen Stukle, Martin Vogler (für 25-maliges Spenden), Burkhard Sippl-Barth (25), Michael Beer (10), Edith Kretzer (50), Johannes Reichle (10), Marianne Lattner (50), Florian Möhrle (25), Josef Schäfer (125), Stefan Schwenzig (25), Johann Thum vom DRK-Ortsverein Salemertal. | Bild: Mardiros Tavit

Den Abschluss des Neujahrsempfangs gestaltete wieder Lokalhistoriker und Gemeinderat Albert Mayer mit seinem etwas anderen Jahresrückblick. In schönster alemannischer Mundart ließ er das vergangene Jahr gereimt Revue passieren. Von der Bundestagswahl über die gescheiterte Jamaika-Koalition, von der Ankunft der Landshut-Maschine am Flughafen Friedrichshafen über die Wolf-Sichtung in Leustetten, von der Volksbank-Filialschließung über die Breitbandverlegung bis hin zu den Unannehmlichkeiten der Baustellen-Umleitungen sezierte er humorvoll die Geschehnisse in der Welt und in Frickingen.

"Wir haben ein überragendes Gemeinschaftsgefühl"

Bürgermeister Jürgen Stukle blickte in seiner Neujahresansprache zurück in Jahr 2017 und gab einen Ausblick auf das anstehende Jahr. Hier einige Auszüge aus seiner Rede. 

  • "Unsere Gemeinde zeichnet sich in allen Bereichen durch eine dynamische Entwicklung aus. Dass sie allen diesen Prozess so lebendig, interessiert und engagiert mitgestalten, dafür danke ich ihnen recht herzlich."
  • "Basis für diese erfolgreiche Arbeit ist eine gute Finanzausstattung; im Sog der derzeit positiven wirtschaftlichen Rahmenbedingungen werden wir das Jahr 2017 mit einem Rekordüberschuss abschließen."
  • "Dank des außergewöhnlichen ehrenamtlichen Einsatzes und aktiven Engagements unseres Helferkreises Asyl, in guter Zusammenarbeit mit den Verantwortlichen der Diakonie Überlingen sind die 52 Hilfesuchenden längst angekommen, in der Nachbarschaft, in der Gemeinde."
  • "Vor dem Hintergrund der digitalen Veränderungen wird insbesondere deutlich, welch unglaublich zukunftsorientierter Infrastrukturbaustein das laufende Erschließungsprojekt 'Gas und Glas' für unsere Gemeinde ist."
  • "Die Sozialstation Bodenseekreis startet in Frickingen ein Pilotprojekt 'Ambulant vor Stationär – Älter werden in den eigenen vier Wänden bis zum Lebensende'. (...) Es soll eine Art kleine Sozialstation vor Ort entstehen."
  • "Bemerkenswert für unsere Gemeinde ist die Qualität der Nahversorgung. Die erneute Erweiterung unseres Edeka-Frischemarktes Hiller konnten wir auf den Weg bringen. Bedauerlich ist die Schließung der Volksbank-Filiale, wie auch das sehr enge Zeitfenster der Post. Ob wir eine Apothekenfiliale bekommen, ist ergebnisoffen."
  • "Was uns in Frickingen auszeichnet ist ein überragendes Gemeinschaftsgefühl im Miteinander der einzelnen Ortsteile, genauso wie der verantwortungsvolle Umgang mit unserer wunderschönen Kulturlandschaft, sowie den hochwertigen landwirtschaftlichen Flächen für unsere Sonderkulturen. Diese gute Ausgangsposition gilt es zu bewahren."