Sport gehört bei den Camphill-Schulgemeinschaften zum Alltag: Doch nicht nur dort halten sich die Jugendlichen in Bewegung, sie beweisen sich auch bei den Special Olympics, dem weltweit größten Sportevent für Menschen mit geistiger und mehrfacher Behinderung. "Für mich war es ganz wichtig, die Kraft zu spüren, dass ich etwas geschafft habe", erzählt der 18-jährige Benjamin über seine Teilnahme an den diesjährigen nationalen Spielen in Kiel. Seine zwei Jahre jüngere Schwester Clara erinnert sich an das Entzünden des olympischen Feuers bei der Eröffnungsfeier mit rund 14 000 Gästen. Dass sie während der Wettkämpfe viele nette Leute kennengelernt hat und sogar eine Gruppe früherer Judokollegen getroffen hat, fand sie sehr schön. Der Sonnenschein bei den Ausflügen an den Ostseestrand ist ihr ebenfalls im Gedächtnis geblieben. "Die Sonne hat uns Hoffnung gegeben, dass wir es schaffen", sagt das Mädchen. Und ihr Bruder erzählt von dem kalten Ostseewasser, in dem er gerne geschwommen ist.

Nach dem entscheidenden Wettkampf ist Benjamin sehr stolz, eine Goldmedaille erzielt zu haben.
Nach dem entscheidenden Wettkampf ist Benjamin sehr stolz, eine Goldmedaille erzielt zu haben. | Bild: Privat

Ein Jahr Vorbereitung

Begeisterung ist zu spüren, wenn die Geschwister von ihren Erlebnissen rund um den einwöchigen Aufenthalt in der Landeshauptstadt von Schleswig-Holstein erzählen. Zusammen mit vier weiteren Schülern der Camphill-Schulgemeinschaften sowie mit ihrem Sportlehrer Ulrich Feigl und Physiotherapeut Mirek Breyer haben sie an den Special Olympics teilgenommen – und das sehr erfolgreich: Im Tischtennis gab es eine Goldmedaille in der Gruppe. Die fünf Schwimmer unter ihnen starteten jeweils in zwei Distanzen im Freistil und in der Staffel. Zwei Gold-, sieben Silber- und drei Bronzemedaillen konnten sie mit nach Hause bringen. Bis es soweit war, haben sie ein Jahr lang hart trainiert und sich in Wettkämpfen in Friedrichshafen und Albstadt qualifizieren müssen. "Das war kein leicht zu erreichendes Ziel", sagt ihr Sportlehrer Ulrich Feigl. Bis zur endgültigen Entscheidung über die Teilnahme verging ein weiteres halbes Jahr.

Das könnte Sie auch interessieren

Alle unterstützen sich gegenseitig

Stolz halten Clara und Benjamin ihre Medaillen hoch. Aber nicht nur das Gewinnen ist den Jugendlichen in positiver Erinnerung geblieben. Das Gemeinschaftsgefühl, das sie erfahren konnten, ist ihnen ebenso wichtig. "Alle haben sich gegenseitig die Daumen gedrückt", erzählt Benjamin. Sein Lehrer Ulrich Feigl betont, wie wichtig es für die Schüler ist, sich gegenseitig wahrzunehmen und zu stützen.

Das könnte Sie auch interessieren

Sportler freuen sich über Wertschätzung

Eine Woche haben sie fern der Heimat in einem Jugenddorf am Ostseestrand gelebt, sich selbst verpflegt und in der wettkampffreien Zeit Ausflüge gemacht. Dabei sind sie laut Feigl als Team zusammengewachsen. Hinzu komme die Wertschätzung vonseiten des Ministerpräsidenten von Schleswig Holstein Daniel Günther und dem Kieler Oberbürgermeister Ulf Kämpfer. Beide hätten zum Ausdruck gebracht, dass es eine Ehre für die Region und die Stadt sei, die Spiele veranstalten zu dürfen. Bundespräsidentengattin Elke Büdenbender war die Schirmherrin der Veranstaltung und gab den offiziellen Startschuss in der Sparkassen Arena. Nach der Abschlussveranstaltung feierten die Jugendlichen ihren Erfolg bei einem gemeinsamen Pizzaessen mit ihren beiden Betreuern.

Unvergessliche Erlebnisse haben die sechs Schüler der Camphill Schulgemeinschaften und ihr Sportlehrer Ulrich Feigl aus Kiel mitgebracht.
Unvergessliche Erlebnisse haben die sechs Schüler der Camphill Schulgemeinschaften und ihr Sportlehrer Ulrich Feigl aus Kiel mitgebracht. | Bild: Privat

Sportlehrer Feigl spornt die Schüler auch nach den Wettkämpfen weiter an

Seit ihrer Rückkehr nach Hause nehmen die Schüler wieder am Sportangebot der Schulgemeinschaften teil. Auch im Schwimmen und beim Tischtennis wird wöchentlich hart trainiert. Dass Feigl sie motiviert hat, bei dem olympischen Wettbewerb mitzumachen und sie auch darüber hinaus weiter anspornt, gefällt den jungen Leuten. "Er feuert uns an und gibt uns Tipps, wie wir durchkommen können", sagt Benjamin. Und Clara erzählt, Feigl gebe ihnen manchmal Zettel mit, auf denen stehe: "Gute Laune mitbringen." Dieser Ansporn habe ihnen in Kiel sehr geholfen, sind sich die Geschwister sicher.