Frickingen – Wie eng in einer Gemeinde Rückblick und Ausblick miteinander verflochten sind, das wird im Gespräch deutlich, das der SÜDKURIER mit dem Frickinger Bürgermeister Jürgen Stukle über die 2018 anstehenden Aufgaben und Projekte führte. So beteiligte sich die Gemeinde im vergangenen Jahr erfolgreich am Wettbewerb Holz-Pro-Klima – und daraus resultiert nun eine Einladung nach Bonn: Bürgermeister Jürgen Stukle hält bei der elften Klimaschutzkonferenz des Deutschen Städte- und Gemeindebundes am 6. Februar einen Vortrag über "Frickingen – eine Gemeinde auf dem Holzweg".

Zur Auszeichnung und der daraus entstandenen Aufmerksamkeit für seine Gemeinde sagt Stukle: "Das ist eine Auszeichnung für alle Bürger unserer gesamten Gemeinde, und darüber freue ich mich sehr." Ebenfalls basierend auf einem Wettbewerb im vergangenen Jahr, nimmt die Gemeinde wenige Tage später, am 19. Februar, nach erfolgreicher Zertifizierung die offizielle Urkunde für den European Energy Award entgegen. Zur Verleihung dieses europäischen Gütezertifikats für die Nachhaltigkeit der Energie- und Klimaschutzpolitik von Kommunen kommen die Vertreter des European-Energy-Award-Vereins in die Gemeinde.

Vor 30 Jahren baute die Gemeinde die Graf-Burchard-Halle aus Holz. Bis auf kleinere Sanierungsmaßnahmen sei der Bau heute noch genauso gut wie in den 1980er Jahren, freut sich Stukle. "Andere Gemeinden reißen indes jetzt ihre alten Hallen ab." Der Bürgermeister macht deutlich, dass seine Gemeinde weiterhin so konsequent auf dem einmal eingeschlagenen Weg weitergehen will.

Derzeit steckt die Gemeinde mitten in der Entwurfsplanung für eine städtebauliche Neukonzeption des Grundschulareals, auf dem sich derzeit drei Gebäude aus verschiedenen Epochen befinden. Eine erste Vorstudie ist bereits in Auftrag gegeben und wird in Kürze dem Gemeinderat zur Entscheidung vorgelegt. Das Gesamtkonzept sieht Grundschule, Kleinkindbetreuung, Familienzentrum und Einbindung der Vereine wie Musik- und Narrenverein vor. Eine insgesamt 4500 Quadratmeter große Erweiterungsfläche biete ausreichend Platz für neue Ideen, sagt Bürgermeister Stukle. Diese jetzige Obstwiese reicht vom Grundschulkomplex bis an das benachbarte Camphill-Areal. Bürgermeister Stukle bezeichnet das neue Schulprojekt als größte Maßnahme in naher Zukunft neben der Weiterführung des zweiten Bauabschnitts des Hochwasserschutz-Konzeptes der Gemeinde.

Auf einem Areal von insgesamt 4500 Quadratmetern, jetzt noch eine Obstwiese, möchte Frickingen sein Gesamtkonzept "Schule" realisieren. Geprüft wird auch die vorhandene Bausubstanz. Sanierung, Abriss, Teilabriss oder Neubau: Das soll die Prüfung ergeben.
Auf einem Areal von insgesamt 4500 Quadratmetern, jetzt noch eine Obstwiese, möchte Frickingen sein Gesamtkonzept "Schule" realisieren. Geprüft wird auch die vorhandene Bausubstanz. Sanierung, Abriss, Teilabriss oder Neubau: Das soll die Prüfung ergeben. | Bild: Stef Manzini

Nach intensiven Vorgesprächen mit dem Vorsitzenden der Sozialstation, Wolfgang Jauch, wird die Gemeinde Frickingen in diesem Jahr zum Pilotprojekt für eine Art kleinere Sozialstation vor Ort. Sie soll in enger Zusammenarbeit mit dem Verein Bürgerselbsthilfe realisiert werden. Gemeinsam denken Verein und Gemeinde darüber nach, für die Sozialstation ein Haus mit elf Kurzzeitpflegebetten zu bauen, es soll innerorts in Frickingen entstehen. Wie Stukle sagt, sei man dazu bereits in Gesprächen zum Grunderwerb. Wo genau der Bau geplant ist, wollte er aber mit Verweis auf die laufenden Verhandlungen noch nicht sagen. Ziel sei es, so der Bürgermeister, dieses Neubauprojekt in etwa eineinhalb Jahren realisiert zu haben. Auch soll eine Krankenschwester der Sozialstation vor Ort und somit beratend zur Kurzzeitpflege und Nachbetreuung ansprechbar sein.

In die Freude des Frickinger Kulturbeirats über das funkelnagelneue Programmheft mischte sich auch der Stolz über das schnelle Umsetzen dessen, was man sich im Februar bei der Gründung auf die Fahnen geschrieben hatte. Die 14 Mitglieder des Beirats, verstärkt durch Bürgermeister Jürgen Stukle und Birgit Bergmüller, zuständig für Tourismus und Kultur in der Gemeinde, präsentierten Mitte März das mit 10 000 Stück neu aufgelegte Programmheft in Apfelgrün.
In die Freude des Frickinger Kulturbeirats über das funkelnagelneue Programmheft mischte sich auch der Stolz über das schnelle Umsetzen dessen, was man sich im Februar bei der Gründung auf die Fahnen geschrieben hatte. Die 14 Mitglieder des Beirats, verstärkt durch Bürgermeister Jürgen Stukle und Birgit Bergmüller, zuständig für Tourismus und Kultur in der Gemeinde, präsentierten Mitte März das mit 10 000 Stück neu aufgelegte Programmheft in Apfelgrün. | Bild: Stef Manzini

So könne man laut Stukle dem demografischen Wandel ein "glücklich und zufrieden in Frickingen" hinzuzufügen. "Ich freue mich, dass die Verantwortlichen der Sozialstation Bodensee in die gleiche Richtung denken und somit ein 'ambulant vor stationär' möglich wird", erklärt der Bürgermeister.

In Frickingen gebe es unwahrscheinlich viele Bürger, die sich auch außerhalb des regen Vereinslebens engagieren, wie beispielsweise beim Frickinger Herbst, im Kulturbeirat oder im Helferkreis Asyl, lobt der Bürgermeister. "Für eine lebendige, lebenswerte und gut funktionierende Gemeinde brauchen wir genau dieses Netzwerk und das haben wir bei uns", freut sich Jürgen Stukle. Die kulturelle Entwicklung in Frickingen nennt er als eine weitere wichtige Aufgabe im neuen Jahr. Auch hier ist eine Querverbindung ins alte Jahr gut möglich. Die 2017 sehr erfolgreiche Ausstellung "Biene als Bestäuber-Allroundtalent im Obstbau" führt nun zu einem weiteren Projekt 2018. Frickingen möchte Blumenwiesen etablieren, um damit den Bienen und anderen Insekten Nahrung und damit Lebensraum zugänglich zu machen. "Wir haben uns dazu intensiv von Fachleuten beraten lassen, denn es geht ja nicht darum, einfach nur blühende Wiesen anzulegen, gewusst wie ist hierzu wichtig."

Im Juni wurde bekannt, dass Frickingen den mit 10 000 Euro dotierten Sieg im Kommunalwettbewerb des Landes Holz-Pro-Klima erhält. Landwirtschafts- und Forstminister Peter Hauk begründete den Landessieg für Frickingen damit, sie setze "seit 30 Jahren konsequent auf eine verantwortungsvolle Holzverwendung". Den Anfang machte im Jahr 2000 das Rathaus. Bild: Archiv
Im Juni wurde bekannt, dass Frickingen den mit 10 000 Euro dotierten Sieg im Kommunalwettbewerb des Landes Holz-Pro-Klima erhält. Landwirtschafts- und Forstminister Peter Hauk begründete den Landessieg für Frickingen damit, sie setze "seit 30 Jahren konsequent auf eine verantwortungsvolle Holzverwendung". Den Anfang machte im Jahr 2000 das Rathaus. Bild: Archiv | Bild: Eva-Maria Bast

Stolz sei man als Gemeinde auf das erste Jahr "Frickinger Kultur mit Biss", berichtet Stukle. "In vielen abwechslungsreichen Veranstaltungen haben wir wieder ein kulturelles Ausrufezeichen gesetzt und unseren Erholungsort entsprechend positiv verändert", attestiert der Bürgermeister. "Wir haben im Jahr 2017 für Frickingen viel bewegt und auch die Weichen für 2018 richtig gestellt. Mein herzlicher Dank gilt allen, die unsere dynamische Gemeinde so interessiert und engagiert begleiten. Ich freue mich auf ein 2018, in dem wir die eingeschlagenen Wege erfolgreich und gemeinsam weitergehen", schließt ein gut gelaunter Bürgermeister seinen Ausblick auf das laufende Jahr.

Und auch beim Bauhof (2009) setzte die Gemeinde konsequent auf den Einsatz von Holz. Bild: Archiv
Und auch beim Bauhof (2009) setzte die Gemeinde konsequent auf den Einsatz von Holz. Bild: Archiv | Bild: Eva-Maria Bast

 

Wichtige Ereignisse 2017 und 2018

Im Rück- und Ausblick hebt Bürgermeister Jürgen Stukle aus seiner persönlichen Sicht folgende Ereignisse besonders hervor:

2017

  • "Die erfolgreichen Bemühungen im Bereich Klimaschutz sichern unsere Zukunft nachhaltig", schaut Bürgermeister Stukle zurück. "Der erste Platz im kommunalen Wettbewerb 'Holz Pro Klima', die erfolgreiche Zertifizierung im European Energy Award, die Bürgerbeteiligung im Energieteam, das Energieleitbild und der Aufbau des Quartierskonzeptes in Zusammenarbeit mit der Energieagentur sind als Beispiele dazu zu nennen."
    Mitte Juni 2017: Frickingen ist Landessieger im kommunalen Wettbewerb Holz-Pro-Klima. Die Freude in der Gemeinde über die Anerkennung des seit über 30 Jahren konsequent beschrittenen Wegs der Nachhaltigkeit ist groß. Nachdem die Auszeichnung bekannt gegeben wurde, freuten sich im Frickinger Wald Rickenwiesen gemeinsam (von links): Architekt Manfred Fescher aus Illmensee, Gemeinderat Gottfried Grundier, Bürgermeister Jürgen Stukle und Gemeinderat und Revierförster Walter Städele.
    Mitte Juni 2017: Frickingen ist Landessieger im kommunalen Wettbewerb Holz-Pro-Klima. Die Freude in der Gemeinde über die Anerkennung des seit über 30 Jahren konsequent beschrittenen Wegs der Nachhaltigkeit ist groß. Nachdem die Auszeichnung bekannt gegeben wurde, freuten sich im Frickinger Wald Rickenwiesen gemeinsam (von links): Architekt Manfred Fescher aus Illmensee, Gemeinderat Gottfried Grundier, Bürgermeister Jürgen Stukle und Gemeinderat und Revierförster Walter Städele. | Bild: Stef Manzini
  • Der erste Bauabschnitt des Hochwasserschutzkonzepts wurde abgeschlossen, 2018 geht es mit dem zweiten Abschnitt weiter.
  • Die vielen kulturellen Veranstaltungen hätten das "Wir-Gefühl" und die Lebensqualität in der Gemeinde verstärkt, sagt Stukle und betont: "Das neue Programmheft 'Kultur mit Biss' macht uns besonders stolz."
  • Die Attraktivität der Gemeinde zeichne sich durch das Bildungs- und Betreuungsangebot, die DSL-Infrastruktur, Mobilität und eine gute Nahversorgung aus, resümiert der Bürgermeister weiter. Die Jubiläumswoche "Frickinger Herbst" und die Jubiläen "20 Jahre Familientreff" und "10 Jahre Bürgerselbsthilfe" habe die Gemeinde 2017 feierlich begehen können.
  • Durch Verdopplung der Gewerbesteuer-Einnahmen, eine deutlich höhere Ausschüttung der Einkommenssteuer-Einnahmen und konsequent sparsames Haushalten kann die Gemeinde laut Stukle das Jahr 2017 mit einem Rekordüberschuss im laufenden Wirtschaftsbetrieb abschließen.

2018

  • In Ausblick auf das laufende Jahr stellt der Bürgermeister diese Projekte heraus: "Der Hochwasserschutz in Frickingen, die Sanierung unserer Straßen, die Übergabe eines neuen Löschfahrzeugs und der Erwerb beziehungsweise die Erschließung von künftigen Gewerbe- und Mischbauflächen in allen drei Ortsteilen werden uns in diesem Jahr begleiten." Weiter nennt er die Umrüstung der Straßen- und Innenraumbeleuchtung auf LED und die Sanierung sowie Erweiterung des Kinderspielplatzes.
  • Auf die Entwurfsplanung für das neue Grundschulareal, für das 4500 Quadratmeter Fläche zur Verfügung stehen, geht Stukle besonders ein. "Dieses Projekt wird dem Gemeinderat zur Entscheidung vorgelegt werden. Mein Dank gilt in diesem Zusammenhang auch den Mitgliedern im Schulausschuss, aus Eltern, Rektor, Lehrern und Gemeinderäten."
  • Das Pilotprojekt zur Einrichtung der sogenannten kleinen Sozialstation mit einer Krankenschwester vor Ort und dem geplanten Kurzzeit-Pflegeheim mit elf Betten soll dazu dienen, dass die Menschen in Frickingen "glücklich und zufrieden älter werden".
  • An den "beeindruckenden Bildern vom Sommerfest mit den Asylbewerbern, Flüchtlingen und dem Helferkreis" zeige sich das respektvolle Miteinander, in dem die Menschen in Frickingen die Ankömmlinge bei sich aufgenommen hätten. Stukle: "Ich danke allen für ihre vorbildliche Unterstützung und wünsche uns diese auch in diesem Jahr." (sma)