Die Trauergemeinde versammelt sich in der Kapelle. Plötzlich kommt aus dem Sarg ein Klopfen und die Stimme des Verstorbenen sagt laut und deutlich: „Es ist dunkel hier unten, lasst mich hier raus.“

Grenze des Geschmacks in diesem Fall überschritten

Lustig? So geschehen im Oktober in Irland auf Wunsch eines Verstorbenen. „Nicht lustig“, sagt Christian Allweier aus Frickingen. Für den Bestatter-Meister ist hier eine Grenze überschritten, diesem letzten Willen hätte er nicht entsprochen. Das Video dieser makabren Bestattung ging via Internet um die Welt, der verstorbene Großvater habe damit ein Lachen bei den Trauernden auslösen wollen, erklärte seine Enkelin.

Luftballons auf dem Friedhof, Heavy-Metal aus dem Lautsprecher

In den vergangenen 20 Jahren wurde aus dem „klassischen Totengräber“ eine Art „Event-Manager“ für Beerdigungen, erzählt Allweier, „aber bitte sehr doch mit einem Gespür für den Anlass“, betont er. Die Zahl der Abschiede am offenen Sarg hätten sich seit 2008, Allweier befand sich damals noch in der Ausbildung, um rund 70 Prozent erhöht. Luftballons auf dem Friedhof bei der Beerdigung steigen zu lassen, mit letzten Worten der Hinterbliebenen, wäre heute keine Seltenheit. Der Trend gehe hin zur Individualität, dies zeige sich auch in der Auswahl der Musikstücke, keineswegs nur Klassik, sondern Titel wie „Hells Bells“ (Höllenglocken) von der Rockband AC/DC hat Allweier auf Wunsch der Angehörigen auch schon gespielt, einen Narrenmarsch gab es auf einem Friedhof im Umland. Die Hitliste der Trauermusik führe „Somewhere over the Rainbow“ an.

Familienbetrieb mit 138-jähriger Tradition

„Unser Portfolio hat sich komplett verändert. Ich versuche immer auf die individuellen Wünsche einzugehen, aber manchmal muss ich auch beratend regulieren, wenn Ideen allzu bizarr sind oder die Dekoration in der Aussegnungshalle fast die Urne erschlägt“, sagt der Bestatter-Meister. Allweier, in einem Familienbetrieb mit einer 138-jährigen Bestattungs-Tradition, spricht von seinem Großvater, der den Sarg abholte und auf den Friedhof brachte. Heute lege er den Schwerpunkt auf die Trauerberatung und komme dem Wunsch nach Individualität auf dem letzten Weg so gut wie möglich nach.

Grabbeigaben vom Campinggaskocher bis zum Feuerzeug

Särge unterschieden sich früher meist durch die Qualität der Hölzer, die Farbe Weiß war Kindersärgen vorbehalten. Heute sind Särge vom Klassiker bis zum „Used-Look“, also stark verwittert, auch vollbedruckt und knallbunt zu haben. Kürzlich auf einer Bestattung in Überlingen zu sehen waren letzte Grüße der Hinterbliebenen auf den Sarg gemalt und geschrieben. Längst gelte auch nicht mehr das strenge Kleider-Gebot, bunte fröhliche Farben seien heute genauso in Ordnung wie schwarz, weiß Allweier. Sargbeigaben umfassten außer Stofftieren, Zippo-Feuerzeugen, Uhren oder Schmuck auch schon mal einen Campinggaskocher. Dieser hätte sich zum Sprengsatz entwickeln und den Ofen im Krematorium stark beschädigen können, da er sich mit samt der Gaskartusche im Sarg befand. Ein Mitarbeiter des Krematoriums entfernte die Kartusche, und verhinderte so eine Explosion, erzählt Allweier.

Bei aller Individualität: Eine Beerdigung hat würde- und liebevoll zu sein

Von einem Mega-Trend bei den Bestattungsformen spricht Allweier bei den Waldbestattungen. Diese nämen einen immer größeren Raum ein.

Die Frage, ob er sich selbst schon einmal Gedanken über seine eigene Bestattung gemacht habe, bejaht der Dreißigjährige, allerdings noch nicht sehr konkret, gibt er zu. Der Kern einer Bestattung sollte bei aller Individualität würde- und liebevoll sein, die Ausgestaltung dem Verstorbenen, aber auch den Hinterbliebenen entsprechen, meint der Bestatter-Meister.

Allerheiligen

Bei Allerheiligen handelt es sich um ein christliches Fest. Es wird am 1. November gefeiert und verschafft in Deutschland den Bundesländern Bayern, Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland einen arbeitsfreien Tag. Gewidmet ist der Tag, wie sein Name schon sagt, allen Heiligen. Für Diskussionen sorgt Allerheiligen oft dadurch, dass er gesetzlich als „stiller Feiertag“ gilt, an dem keine lauten Veranstaltungen stattfinden dürfen. Das gilt übrigens auch für Nicht-Christen. Auch, wer nicht gläubig ist, muss sich also an die Regel halten und zum Beispiel auf Tanzveranstaltungen verzichten. Einen Tag nach Allerheiligen, am 2. November, wird dann Allerseelen gefeiert. Dieser stellt alle Verstorbenen in den Mittelpunkt. Traditionell schmücken die Gläubigen zu diesem Anlass die Gräber ihrer Angehörigen – oft schon einen Tag zuvor, an Allerheiligen – und beten für sie. (lam)