Ist es ein Hörspiel? Oder vertontes Bilderbuch? Vielleicht ein Hörbuch? Angela Körner-Armbruster hatte etwas Besonderes zum Après-midi des Linzgau-Literatur-Vereins (Lilive) in das Alte Schulhaus in Leustetten mitgebracht. Mit ihrem Schoß- und Tischtheater nahm sie die knapp zwei Dutzend Besucher auf eine traum- und märchenhafte orientalische Reise mit.

Das könnte Sie auch interessieren

„Eigentlich ist die Vorführung auf zehn Leute ausgelegt, die dann ganz nah bei mir sitzen“, leitete die Erzählerin ihre Märchenstunde ein. Tatsächlich hatte sie ganz am Anfang ihrer Vorführungen das Märchen live erzählt und ihr Mann Lutz Armbruster hatte dazu die Musik gespielt. „Bis die Besucher anfragten, ob sie die Geschichte mitnehmen können.“ Die Aufnahme auf CD hatte auch den Vorteil, dass sie allein auf Reisen gehen konnte, falls ihr Mann verhindert war. So kommen jetzt Text und Musik vom Abspielgerät. Körner-Armbruster ist Vorführende und teilweise Kulisse in einem.

Parabel auf das Erwachsenwerden

„Apfel, Kuss und Mandelstern“ hatte sie ihr orientalisches Märchen fern der Gegenwart genannt. Prinzessin Apfelblüte begibt sich darin auf die Suche nach ihrem verschwundenen Vater. Der Beginn der Reise fällt mit ihrer Volljährigkeit zusammen. Mit ihrem Weggefährten Samir durchschreitet sie wundersame Welten und begegnet fabelhaften Wesen. Fliegende Teppiche, tanzende Säulen, Drachenvögel und Sandteufel treffen auf die Wagemutigen. Die Geschichte könnte auch eine Parabel auf das Erwachsenwerden sein.

Einheit aus Text und Musik

Text und Musik bildeten eine Einheit. Mit ruhiger Stimme trug die Autorin ihren Text vor. Die Musik baute sich zur Tonkulisse auf. Körner-Armbruster zeigte nacheinander die oft skizzenhaften Bilder auf ihrem Schoßtheater.

Zeit und Raum, sich auf Stimmung der Reise einzulassen

Sie ließ den Anwesenden genug Zeit und Raum, ihre eigenen Bilder vor dem geistigen Auge weiterzuentwickeln, sich auf die Stimmung der märchenhaften Reise einzulassen und sich von den entstandenen Gefühlen einnehmen zu lassen. Das analoge Geschichtenerzählen wirkte wie eine Gegenwelt zu einer schnellen und reizüberfluteten Digitalwelt. Das Publikum dankte mit langem Schlussapplaus.