Da stehen sie, Löwe und Löwin, inmitten zahlreicher Schnitzwerke der Holzschnitzergruppe der Seniorenbegegnungsstätte in Langenargen. Gefasst in matte Erdtöne, sind sie so ausgeführt, dass die langsame und kraftvolle Bewegung durch die heiße Sonne Afrikas ganz spürbar wird. Und das, obwohl gleich dahinter Nachtwächter und Mönch an das Mittelalter erinnern wollen. Von Siegfried Peilers gelungenem Löwenpaar können sie den Betrachter nur schwer in eine andere Zeit führen.

In Peilers Arbeitsgruppe macht jeder das, was ihm gefällt und kann verschiedene Schnitztechniken ausprobieren. Während der Eröffnung der Ausstellung „Senioren kreativ“ führte der Vorsitzende des Kreisseniorenrats Karl-Heinz Vogt am vergangenen Samstag ein Gespräch mit Rolf Löwenbrück, der die Schnitzgruppe in Langenargen leitet. Auch er war mit kleineren Holzfiguren in der Ausstellung vertreten und hat die Technik erst nach seinem Ruhestand erlernt. Ausführlich berichtete er von den Möglichkeiten und der Freude, die die Arbeit mit Holz ihm und seiner Gruppe bringt.

Die Ausstellung in Eriskirch zeigte eine sehr große Bandbreite an Objekten und Techniken – von Grafik und Malerei über Objekte aus Holz und textilem Material bis zu Schmuck und Automodellen. Im Bereich Malerei sprangen besonders die großformatigen Wachskreidearbeiten von Adam Hornung ins Auge. Der gelernte Industriedesigner malte und zeichnete auch schon in seiner aktiven Zeit. Im Ruhestand fand er den Weg zum Aquarell und den gezeigten Wachskreidearbeiten, die stark farbig und ganz poetisch „Pan“, „Frauen im Café“ oder „Seerosen“ zeigen.

Auch er wurde während der Eröffnung darüber befragt, wie er zur Malerei kam. Dabei zeigte sich, dass die Senioren, so wie Adam Hornung, dann doch gar nicht so viel Zeit zur künstlerischen Arbeit haben, wenn die Kinder und die Enkel in der Nähe sind und unterstützt werden wollen. Auch der Seniorenratsvorsitzende Karl-Heinz Vogt lächelte vielsagend, als er seine fünf Enkel erwähnte. „Unruhestand“ ist für ihn, wie für viele Teilnehmer der Ausstellung, wohl der treffendere Begriff für die Zeit nach dem Eintritt in die Rente.

Besonders die kreativen Beschäftigungen können so auch in die konkrete Hilfe und Anwendung hinein reichen. Irene Haupts „Nesteldecken“ etwa, mit denen Demenzkranke ihre Unruhe durch Tasten und Fühlen an einer bunten Decke, die aus Stoff, Pelz oder Spitzen besteht, ausleben können. Daneben zeigte sie sehr fein gearbeitete Quilts, wie etwa das Nähstück einer einfachen Stadtsilhouette bei Nacht auf schwarzem Grund mit leuchtenden Himmelsstreifen gleich einem ganzen Sternenschnuppenregen. Neben Aquarellen mit Blumenmotiven oder Vogelportraits in Acryl wurden auch bunte Mandalas gezeigt, die als Meditation entstanden sind.

Im Bodenseekreis finden sich zahlreiche Kurse und Gruppen für Senioren, um gemeinsam mit Anderen kreativ zu sein. Ulrich Müllerschön, Leiter des Sozialamtes des Bodenseekreises, das auch den Kreisseniorenrat betreut und fördert, freute sich über die Ausstellung. „Nicht die Mühsal des Alters sollte immer in den Vordergrund gestellt werden. Die Erfahrungen älterer Menschen und deren Kreativität sollten viel, viel mehr Beachtung finden“, sagte er.

Die Ausstellung „Senioren kreativ“ findet alle zwei Jahre an verschiedenen Orten im Bodenseekreis statt. In Eriskirch war sie nur am vergangenen Wochenende zu sehen.