„Als Cartoonzeichner kann ich die Welt nach meinen eigenen Vorstellungen formen“, sagt Peter Gaymann, als er in dem einführenden Gespräch mit Hans Sailer von den Kulturfreunden in Eriskirch erklärt, warum seine berühmten Hühner ein Schwein zum Partner haben und eben keinen Hahn. Gaymann setzt die Tiere in seinen Zeichnungen bewusst in der klassischen Tradition des Humors und der Komödie ein: Wer über die Merkwürdigkeiten der Anderen lachen kann, lacht damit eigentlich über sich selbst. Und so transportieren die Hühner, Schweine und Katzen die ganze, oft tragische Komik der menschlichen Existenz. Da wird aus Gaymanns Sicht doch sofort klar, dass das große, faule Schwein super zum kleinen, zickigen Hühnchen passt: Sie sind seiner Ansicht nach das Traumpaar, bei dem es mal kracht und mal gemütlich zugeht. So etwa in der zweiten Zeichnung, die Gaymann während des Gesprächs mit Hans Sailer mit dickem, schwarzem Stift auf ein Flipchart macht. Hier liegt das Traumpaar am Strand von Italien, im Hintergrund sind ein Vulkan und ein Kreuzfahrtschiff zu sehen. Hühnchen ist es schon zu langweilig, während Schwein sich von der Anderthalbtausend-Kilometer-Fahrt, am Stück und ohne große Pausen, erholen muss. Das Huhn fragt: „Was heißt eigentlich Spaghetti auf Italienisch?“. Antwort des Schweins: „Ich glaub’ Nudelo.“

Peter Gaymann, der Ende der 80er Jahre fünf Jahre lang mit seiner Familie in Rom wohnte, lebt davon, Menschen zu beobachten. Ihr Verhalten ist Stoff für alle Themenbereiche, wie „Wein“, „Huhn“, „Italien“ und die „Paar-Probleme“, die er seit 25 Jahren alle zwei Wochen in der Frauenzeitschrift „Brigitte“ veröffentlicht. Und so konnte er natürlich in Italien seine Landsleute als Touristen beobachten. Während des Zeichnens erklärt der Künstler, der mit „P. Gay“ signiert, wie wichtig Details zur Darstellung der jeweiligen Situation seiner Hauptfiguren im Blatt sind und wie er vorab genau planen muss, welche Figur was und wann spricht. Denn wenn das Huhn zuerst spricht, steht oder liegt es links, die Antwort kommt von rechts. Die Cartoons entstehen zunächst mit dem Bleistift. In einem zweiten Schritt werden sie als Reinzeichnung in Tusche und Aquarell ausgeführt.

Eine andere Zeichnung, die während der Vernissage entsteht, zeigt die Herkunft seiner Hühner, die das Publikum so geliebt hat, dass Gaymann aufpassen musste, lebenslänglich nicht nur das Federvieh zeichnen zu müssen. Er zeichnet eine Arbeit aus den 80er Jahren, als das Huhn noch mehr nach Bauernhof als nach Yogastunde aussah: Ein weinendes Hühnchen steht neben einem gebratenen Gockel und sagt: „Alfons, sag doch was!“. Hier also der frühe Abschied vom Hahn, den ja dann das Schwein ersetzte.

Die beiden Arbeiten wurden an den Meistbietenden im großen Publikum verkauft. Der Erlös davon, wie auch der Erlös eines Drittels vom Eintritt zur Ausstellung, werden einem Kinderhospiz gespendet. Peter Gaymann engagiert sich seit Jahren als Botschafter für den Bundesverband der deutschen Kinderhospize. Gleichzeitig erarbeitete er auf Anregung eines Altersforschers den Kalender „Demensch“, der sich mit „menschenfreundlichem Humor“ mit dem Thema Demenz auseinandersetzt. Denn Peter Gaymann hat in dieser Arbeit festgestellt, dass „Lachen und leben wollen bis zum Schluss“ für jeden Menschen wichtig ist.

Am Ende signierte Gaymann seine Bücher, die sein breites Spektrum vom Kochbuch bis zum Reisebuch zeigen – ganz ohne Witz und Komik.

Bis 3. September im Bürgerhaus „Alte Schule“ in Eriskirch. Geöffnet freitags 19 bis 21 Uhr, samstags 16 bis 18 Uhr, sonntags 10 bis 12 und 17 bis 19 Uhr. Eintritt für Erwachsene 3 Euro.