Den Hals nach unten gebogen, zeigt der lange rote Schnabel der Seeschwalbe nach hinten zu ihrem Schwanz. Die Wassertropfen vervollständigen den perfekten Bogen, den diese akrobatische Körperhaltung des eleganten weißen Vogels beschreibt. Im Flug hat er ein Insekt von der Wasseroberfläche gepickt, sein Spiegelbild und das der umgebenden Vegetation machen das Foto zum Gemälde eines Impressionisten. 3500 Fotos habe er in einer Stunde geschossen, erklärt Axel Kottal den Entstehungsprozess. Mit einem 600- Millimeter-Objektiv habe er an einem Fluss auf der griechischen Insel Lesbos gestanden und versucht, die vorbeifliegenden Schwalben im Sucher zu behalten. "Die Ausschussquote war hoch", gibt er zu. Das Ergebnis wurde von der Fotogruppe Kreativ als eines von 46 Fotos für die Herbstausstellung in der Alten Schule in Eriskirch ausgewählt und mit vielen anderen spektakulären Aufnahmen anlässlich des zehnjährigen Bestehens des Vereins im Format 90 mal 60 Zentimeter auf Acryl gedruckt. Ein Bildträger, der dem Motiv die dritte Dimension verleiht.

Die hellen Ausstellungsräume der Alten Schule in Eriskirch bilden einen schönen Rahmen für die Herbstausstellung der Fotogruppe Kreativ.
Die hellen Ausstellungsräume der Alten Schule in Eriskirch bilden einen schönen Rahmen für die Herbstausstellung der Fotogruppe Kreativ. | Bild: Anette Bengelsdorf

Wie nahe Lust und Frust beim Naturfotografen beieinanderliegen können, vermittelt ein Gedicht, vorgetragen im Rahmen der unkonventionellen und frischen Vernissage am Sonntagvormittag: "Er sprach, jetzt hab' ich dich, Rehlein auf dem Felde. Drückt ab und wundert sich, beginnt wie wild zu schnaufen – Akku leer und Rehlein ist davongelaufen".

So lauert ein Fotograf schon mal stundenlang in Eiseskälte dem Eisvogel auf, jetzt ist jedes Häkchen seiner Federn zu erkennen. Ein Bär, offenbar im Winterschlaf gestört und mit Schneeklumpen im Zottelpelz, brüllt schlecht gelaunt den Fotografen und, auf Acryl gebannt, den Betrachter an. Für solche Fotos braucht es Jagdinstinkt, den die A-Cappella-Gruppe "Die Gaier" in ihrem komödiantischen Lied "Ich ess gern Hirschfleisch" besingt. Mit schrägem Hintersinn versucht die fünfköpfige Truppe, statt langatmiger Reden eine Brücke zwischen Musik und Foto-grafie zu schlagen und textet fröhlichen Blödsinn über Anna Leica vom oberschwäbischen Hinterland.

Etwas misstrauisch schaut die junge Himba-Frau in die Kamera. Ihre Lippen sind sinnlich, den Körper und die Haare hat sie mit einer Mischung aus Butterfett, Ocker und Harz bestrichen, das beinahe monochrome Foto legt den Fokus auf die Schönheit der Frau. Viele Fotos sind auf Reisen entstanden. Weite Landschaften, ein alter Baum in einem Meer von Mohnblumen, eine Lagune in Chile besticht in türkis, schwarz, weiß, blau. "Es ist ein Anliegen eines jeden unserer Fotografen, keine Effekthascherei mit übertriebenen Farben zu betreiben", sagt der erste Vorsitzende des Vereins, Olaf Grabbe. Es ist die Authentizität der Fotos, das unverfälschte Abbild des Motivs, das den Betrachter für sich gewinnt. Und nicht alle sind das Produkt großer Geduld: Das Foto zweier Füße in Sportschuhen, reflektiert von einer Wasserpfütze, sei dem Zufall geschuldet, erzählt Nils Maunig. Der 18jährige Schüler gehört zur Jugendgruppe des Vereins und fotografiert nicht gern gestellte Szenen.

"Ich sah am Bahnhof in Ravensburg die Wasserpfütze und wollte das rostige Geländer dahinter fotografieren", sagt er. Als sein Kumpel ins Bild lief, drückte er ab. Qualitativ, so Grabbe, seien die Fotos der Jugend nicht von denen der Erwachsenen zu unterscheiden, weshalb man sie nicht separat gehängt hat. Nils Maunig muss sich nicht verstecken und sein Berufswunsch steht auch schon fest: Er wird Mediengestalter Ton und Bild.

Die Ausstellung in der Alten Schule in Eriskirch ist noch bis zum 5. November zu sehen. Geöffnet ist sie samstags von 14 bis 17 Uhr, sonntags und am Mittwoch, 1. November, von 10 bis 12 und von 14 bis 17 Uhr.