Zuhause sind sie eigentlich in der ganzen Welt – in Afrika wie in Indonesien oder Indien. Vor fast 90 Jahren haben die Steyler Missionsschwestern aber auch eine Heimat in Süddeutschland gefunden. Sie haben das St.-Theresien-Heim in Eriskirch-Moos über Jahrzehnte geleitet und zu einem Erholungs- und Bildungshaus gemacht, in dem sich stressgeplagte Manager genauso wohlfühlten wie Familien mit Kindern, junge Leute, Senioren, Menschen mit und ohne Behinderung.

Weil es an Nachwuchs mangelt, heißt es jetzt für die vier in Moos noch verbliebenen Schwestern Abschied nehmen, um in andere Steyler-Standorte wie Laupheim, Oberdischingen oder Steyl zurückzukehren. Bereits vor fünf Jahren war die Trägerschaft des Hauses auf die St.-Elisabeth-Stiftung übergegangen. Zum feierlichen Abschiedsgottesdienst am Sonntag, 1. Oktober um 14.30 Uhr werden auch ehemalige Mitschwestern und Gäste erwartet.

"Wir sind grundsätzlich nicht abgeneigt, eine Niederlassung Ihrer Kongregation in unserer Diözese zu genehmigen", schreibt im März 1928 der damalige Rottenburger Bischof Johannes Baptista Sproll auf Anfrage der Steyler Generalleitung. Der geeignete Ort war in Moos in einem heruntergewirtschafteten Gut, das 65 Morgen umfasste und für 74 000 Mark erworben wurde, schnell gefunden. Der Anfang war indes "mit dem Kreuz gesegnet", wie die Chronistin schreibt. Der Empfang im Januar 1929 durch die Vorbesitzer war äußerst unfreundlich, hinzu kam die Unsicherheit, ob die Schwestern in Moos bleiben dürfen, da für die Errichtung eines Noviziats noch ein anderes Angebot im Raum stand. Am 27. März 1929 konnte schließlich die erste Messe gefeiert werden.

Die noch verbliebenen Schwestern haben aus ihrer Zeit in Moos viel zu erzählen. "Moos hat einfach Charme. Ich fühlte mich immer heimelig wie in einem Nest", sagt die 73-jährige Schwester Charlotte Irmler. Eine Einschätzung, die von ihren Mitschwestern gern bestätigt wird. "Dieser Ort ist für mich ein Stück Heimat geworden. Ich fühle mich hier verwurzelt", ergänzt die 79-jährige Schwester Anna Christa Kaiser. Schon mehrmals war sie in Moos in unterschiedlichen Leitungsfunktionen tätig, davor und dazwischen auch in der Schweiz, in Spanien, Argentinien und anderen Steyler-Standorten. "Das Haus wird sich verändern", meint sie mit einem weinenden Auge.

Die heute 76-jährige Schwester Gertrud Bucher war ursprünglich als Schneiderin gekommen. Das war vor 39 Jahren. Seit 2002 war sie für Sakristei und Kapelle verantwortlich. Jetzt führt ihr Weg nach Oberdischingen. Mit 82 Jahren ist Schwester Almeta Deppler die Älteste in der Runde. Sie weiß noch von Zeiten, in denen bis zu 26 Schwestern im Theresienheim tätig waren. "Ich habe mir hier einen grünen Daumen angeeignet", meint sie schmunzelnd. Sie erzählt davon, dass sie als Allround-Kraft in Haus und Garten eingesetzt war und sie sich schon aufgrund ihrer Naturverbundenheit in der landschaftlichen Idylle rund um Moos wohlgefühlt habe.

"Alles hat seine Zeit." In dieser Einschätzung sind sich die Schwestern einig. "Es geht weiter, aber anders", ergänzt Schwester Almeta Deppler. "Ich werde mir Moos im Herzen bewahren", sagt sie. Und vielleicht gibt es ja ein Wiedersehen. "Ich könnte mir vorstellen, im Urlaub hierher zurückzukehren", meint Schwester Gertrud Bucher.

Steyler Mission

Die Steyler Missionsschwestern sind benannt nach dem niederländischen Ort Steyl, in dem Arnold Janssen 1875 das erste deutsche Missionshaus gründete. Wegen des Kulturkampfes in Deutschland musste die Gründung im Ausland erfolgen.

Arnold Janssen, der im Oktober 2003 von Papst Johannes II. seliggesprochen wurde, gilt als Bahnbrecher der modernen Missionsbewegung in Europa. Heute zählt die Steyler Ordensfamilie, die sich den Schwerpunkt Mission auf die Fahnen geschrieben hat, etwa 3000 Missionsschwestern, knapp 400 Anbetungsschwestern und rund 6000 Missionare aus 68 verschiedenen Nationen mit Niederlassungen rund um den Globus. Die Kommunitäten sind stark international geprägt und sind vor allem in Übersee. (ght)