Vom Ein-Mann-Betrieb zum Weltmarktführer. Das ist dem familiengeführten Unternehmen Moog Brückenzugangstechnik mit Sitz im Gewerbegebiet Untersiggingen gelungen, das seit 40 Jahren am Markt aktiv ist. Wegen der Pandemie ist ein Festakt nicht möglich gewesen. Doch hat man sich entschlossen, die Firmenjubilare in kleinstem Rahmen zu ehren: Helmut Zeise, Mitarbeiter der ersten Stunde; für 25-jährige Firmentreue sind Michael Gaugel, Christian Zdzuj und Hiltrud Müller geehrt worden.

Im 40. Bestehensjahr zählt das Unternehmen Moog Brückenzugangstechnik 53 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Davon sind 31 Kräfte in der Fertigung und vier Auszubildende.
Im 40. Bestehensjahr zählt das Unternehmen Moog Brückenzugangstechnik 53 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Davon sind 31 Kräfte in der Fertigung und vier Auszubildende. | Bild: Wolf-Dieter Guip

Schwerer Unternehmensbeginn

Rita Moog, Witwe des 2006 verstorbenen Firmengründers Alfons Moog, berichtet von den Anfängen: „Es war schon recht schwer. Drei Kinder, ein Mann mit vielen Ideen, der alles selbst konstruiert hat und kein Geld. Es ging nur durch das Vertrauen unserer Bank.“ Es habe sich jedoch schnell herumgesprochen, dass ihr Mann ein kreativer Tüftler und sehr innovativ war – so seien Kunden auf das junge Unternehmen zugekommen. „Alfons war immer draußen vor Ort, das war wichtig für die Weiterentwicklungen und oft waren ich und die Kinder dabei. Wir waren in ganz Europa unterwegs und haben viele Brücken gesehen – das war auch gut für die Familie“, erinnert sich Rita Moog.

Das Team der Firma Moog vor dem Verwaltungsgebäude im Jahr 1986; in der Mitte mit Lederjacke Unternehmensgründer Alfons Moog.
Das Team der Firma Moog vor dem Verwaltungsgebäude im Jahr 1986; in der Mitte mit Lederjacke Unternehmensgründer Alfons Moog. | Bild: Moog GmbH

Maschine für Forstindustrie gebaut

Wie sich das Unternehmen entwickelt hat? Der in Untersiggingen in einer Landwirtsfamilie geborene Alfons Moog hat auf dem eigenen Hof seine Affinität und sein Geschick für die Technik entwickelt. Nach Ausbildung zum Werkzeugmacher und Studium als Maschinenbautechniker entwickelte und baute er bereits 1979 einen Knickforstschlepper für die Forstindustrie in einer kleinen Garage in Untersiggingen. Im Januar 1980 gründete er die Alfons Moog Forstmaschinenbau GmbH. Bald darauf wurde der Firmensitz in eine einfache, aber deutlich größere Scheune verlagert. Einen Monat nach Firmengründung ist Helmut Zeise als erster Mitarbeiter eingestellt worden, der noch immer zur Belegschaft zählt.

Auftritt mit Neuheit in Abendschau

Anfangs konzentrierte sich die Firma auf den Forstmaschinenbau. Aufgrund sinkender Nachfrage suchte Alfons Moog einen alternativen Geschäftszweig und wurde eher durch Zufall mit der Modifizierung von Hocharbeitsbühnen beauftragt. Zudem bekam Moog eine Anfrage der Stadt Ingolstadt, die Probleme mit der Sanierung der Konrad-Adenauer-Brücke hatte. Wie könnte eine Brückensanierung stattfinden, ohne den Verkehr und die Fußgänger auf den Gehwegen zu behindern? Es folgte der erste Auftrag zur Herstellung eines Brückenuntersichtgeräts.

Im Jahr 1982 erfolgte die Auslieferung des ersten Brückenuntersichtgeräts zur Sanierung der Konrad-Adenauer-Brücke in Ingolstadt.
Im Jahr 1982 erfolgte die Auslieferung des ersten Brückenuntersichtgeräts zur Sanierung der Konrad-Adenauer-Brücke in Ingolstadt. | Bild: Moog GmbH

Nach erfolgreicher Patentierung stellte Alfons Moog das Modell in der Abendschau des Südwestfunks vor. Das innovative Brückenuntersichtgerät in Ingolstadt machte indes schnell Werbung: Die Deutsche Bundesbahn sowie die deutschen Autobahnämter wurden auf Moog aufmerksam und erhielten eine Gerätevorführung. Die nächsten Aufträge folgten und der Grundstein für den heutigen Weltmarktführer als Hersteller von Brückenzugangstechnik war gelegt.

Boom wegen Autobahnbrücken

Die Branche begann zu boomen: In den 1980er Jahren mussten viele marode Autobahnbrücken in Deutschland sowie in Europa saniert werden. Alfons Moogs Brückenuntersichtgerät machte das ganz ohne Beeinträchtigung des Straßenverkehrs möglich – eine Sensation. Moog erhielt schon nach kurzer Zeit erste Aufträge aus dem europäischen Ausland. 1983 folgte der Umzug in die erste Fertigungshalle im Gewerbegebiet Untersiggingen. Alfons Moog stellte schnell fest, dass jedes architektonische Bauwerk ganz eigene Anforderungen hatte. Eine einzige Geräteversion für Sanierungen oder für Inspektionen reichte also bald nicht mehr aus. So begann er mit der Entwicklung neuer Maschinentypen.

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Spezialkran für Bregenzer Festspiele

Parallel zur hohen Nachfrage auf dem deutschen und europäischen Markt weitete sich das Einzugsgebiet der Aufträge über die Kontinentalgrenzen hinaus aus und 1985 sind erste Maschinen in die USA und die Türkei ausgeliefert worden. Es folgten Australien, Japan und Südkorea. Um auf dem wachsenden US-Markt bestehen zu können und vor Ort als Servicedienstleister präsent zu sein, entschied sich Alfons Moog 1991 dazu, eine Vertriebs- und Produktionsstätte inklusive Testbrücke in Bedford/Virginia zu eröffnen – die Moog USA Inc. Moog verzeichnete bereits 1992 einen Exportanteil von 80 Prozent. Ein interessantes Detail: Moog wurde mit der Entwicklung und Herstellung eines Spezialkrans für die Bregenzer Festspiele 1993/1994 am heimischen Bodensee beauftragt.

Jubilare im Jubiläumsjahr der Firma Moog (oben, von links): Helmut Zeise, erster Mitarbeiter und damit seit 40 Jahren der Firma treu, Michael Gaugel (25 Jahre) mit den Prokuristen Klaus Waibel und Markus Rief. Unten (von links): Hiltrud Müller (25 Jahre) und Christian Zdzuj (25 Jahre) mit den Geschäftsführerinnen Rita und Christine Moog.
Jubilare im Jubiläumsjahr der Firma Moog (oben, von links): Helmut Zeise, erster Mitarbeiter und damit seit 40 Jahren der Firma treu, Michael Gaugel (25 Jahre) mit den Prokuristen Klaus Waibel und Markus Rief. Unten (von links): Hiltrud Müller (25 Jahre) und Christian Zdzuj (25 Jahre) mit den Geschäftsführerinnen Rita und Christine Moog. | Bild: Wolf-Dieter Guip

1996 wurde für den asiatischen Markt eine Tochterfirma, die Moog Asia Limited mit Sitz in Hong Kong, gegründet. Am 16. August 2006 kam Alfons Moog im Alter von 54 Jahren bei einem tragischen Unfall in Grenoble/Frankreich ums Leben. Ein harter Schicksalsschlag für Ehefrau Rita und die drei Töchter. Rita Moog war von Anfang an in der Firma tätig und übernahm unmittelbar die Geschäftsleitung. Tochter Christine stieg in das Familienunternehmen ein und leitete den Vertrieb. „Meine Tochter Christine hat mit 26 Jahren die technische Leitung und den internationalen Verkauf mit großer Verantwortung übernommen. Sie überzeugte als junge Frau mit ihrem sicheren Auftreten und Fachkenntnissen die teils schwierigen Kunden. Die Zukunft des Betriebs ist in ihren Händen gesichert, sodass es an der Zeit wird, mich zurückzuziehen“, sagt Rita Moog. Im Februar 2010 stieg Christine Moog in die Geschäftsführung ein und leitet das Unternehmen seither gemeinsam mit ihrer Mutter.

Exportquote bei 65 bis 95 Prozent

Das Familienunternehmen ist mit voller Produktionsauslastung in das Jubiläumsjahr 2020 gestartet. Auch wenn die Pandemie das Firmenjubiläum überschattet und eine gebührende Feier unmöglich macht, ist es von der Krise bisher nahezu verschont geblieben. Die besondere Marktstellung erlaubt es, jährlich 65 bis 95 Prozent der Maschinen in die ganze Welt zu exportieren und den Umsatz stetig zu steigern – derzeit auf rund 8 Millionen Euro pro Jahr.

Anfangs konzentrierte sich die Firma Moog auf den Fortsmaschinenbau. Im Bild ein Knickforstschlepper aus den ersten Jahren.
Anfangs konzentrierte sich die Firma Moog auf den Fortsmaschinenbau. Im Bild ein Knickforstschlepper aus den ersten Jahren. | Bild: Moog GmbH

Und wie sieht die Zukunft aus? Christine Moog stellt fest, dass das Unternehmen gut ausgelastet ist und die Aufträge kommen: „Meine Herausforderung ist auf den Personalbereich gerichtet. Wie halte ich die jungen Mitarbeiter? Wie gewinne ich neue junge Mitarbeiter? Und wie ersetze ich Schlüsselmitarbeiter, die irgendwann in Ruhestand gehen?“ Denn das Produkt des Unternehmens könne nicht durch Computer ersetzt werden – auch wenn heutzutage versucht werde, Bauwerke mit Drohnen zu erkunden. Beton müsse händisch untersucht werden. Das Unternehmen solle familiär bleiben, was auch bei den Kunden gut ankomme. Die Größe der Firma, bei der die Einzelanfertigung und das Handwerk dominieren, biete kurze Wege und Flexibilität: „Die Ziele, die wir haben, setzen wir auch um“, sagt Christine Moog.