Das Jahr 2020 hatte im Deggenhausertal zunächst unspektakulär begonnen, doch Mitte März kam der erste Corona-Lockdown und seit Anfang November der zweite. Die Bilanz 2020 zur Entwicklung der Gemeinde in diesem ungewöhnlichen Jahr steht daher auch im „Tal“ im Zeichen der Pandemie.

Denn mit dem Lockdown im März mussten Einrichtungen wie die Kindergärten, die Schule, das Hallenbad, die Spielplätze und vieles mehr geschlossen werden. Das Vereinsleben wurde komplett eingestellt und die sozialen Kontakte stark eingeschränkt. Die oft kurzfristigen Verordnungen stellten die Gemeindeverwaltung vor Herausforderungen, die eine langfristige Planung unmöglich machten.

Bürgermeister: „Vorbildlich mit Einschränkungen umgegangen“

Bürgermeister Fabian Meschenmoser zeigt sich erfreut über den Umgang mit den Situationen in den verschiedenen Einrichtungen: „Dank engagierter und motivierter Betreuungskräfte, die versucht haben, immer Lösungen zu finden, wie beispielsweise Einrichtung eines YouTube-Channels, wurde im Kindergartenbereich vorbildlich mit den Einschränkungen umgegangen.“ Es wurden Notbetreuungsgruppen für Kinder sogenannter systemrelevanter Eltern eingerichtet und die Gemeinde Deggenhausertal habe den erweiterten Regelbetrieb als erste Gemeinde im Bodenseekreis bereits eine Woche früher gestartet.

Freuen sich, wenn der Schwimmbetrieb im Aquatal endlich wieder losgehen kann (von links): Giacoma Perotti, Torsten Kortum, Holger Klink und Thorsten Tummer vom Team des Betreibers Uwe Hamann.
Freuen sich, wenn der Schwimmbetrieb im Aquatal endlich wieder losgehen kann (von links): Giacoma Perotti, Torsten Kortum, Holger Klink und Thorsten Tummer vom Team des Betreibers Uwe Hamann. | Bild: Wolf-Dieter Guip

Die Kleinkindbetreuung generell, so der Bürgermeister, sei derzeit nicht komplett belegt, es gebe also noch freie Kapazitäten. Die Kindergärten seien voll belegt; eine vierte Gruppe in Untersiggingen sei derzeit eine Kleingruppe, die aufgefüllt werden könnte. Da im kommenden Jahr viele Kinder in die Grundschule kommen, ergeben sich daraus freie Plätze in den Kindergärten.

Tablet-Computer für die Grundschule

Auch in der Grundschule sei die Corona-Situation gut gemeistert worden, wie von Seiten der Eltern signalisiert worden sei, sagt Meschenmoser. Im Zusammenhang mit Homeschooling gewinne die Digitalisierung an Bedeutung. An der Schule wurde ein Medienentwicklungsplan erarbeitet, der voraussichtlich Anfang 2021 abgeschlossen werden kann. Aktuell werden im Rahmen eines Sofortausstattungsprogramms Tablets für die Grundschule angeschafft. Entsprechend der Planung sollen dann Mittel aus dem Digitalpakt der Bundesregierung abgerufen werden.

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Die finanzielle Entwicklung sei positiver als zunächst erwartet verlaufen. Zu Beginn des Jahres 2020 war in der Haushaltsplanung von einem negativen Ergebnis in Höhe von rund 300 000 Euro im Ergebnishaushalt ausgegangen worden. Der Kämmerer war seinerzeit davon ausgegangen, dass man den Ergebnishaushalt noch ausgleichen könne.

An der Erschließung direkt und indirekt Beteiligte geben das erweiterte Gewerbegebiet in Deggenhausen frei (von links): Planer Helmut Hornstein, Bauleiter Allgaier, Stefan Kempf und Bürgermeister Fabian Meschenmoser sowie Gemeinderäte und Gäste.
An der Erschließung direkt und indirekt Beteiligte geben das erweiterte Gewerbegebiet in Deggenhausen frei (von links): Planer Helmut Hornstein, Bauleiter Allgaier, Stefan Kempf und Bürgermeister Fabian Meschenmoser sowie Gemeinderäte und Gäste. | Bild: Wolf-Dieter Guip

„Der Ergebnishaushalt wird für das Jahr 2020 voraussichtlich ausgeglichen, wenn nicht sogar positiv abschließen“, sagt Meschenmoser heute und ergänzt: „Das erscheint schizophren, da eigentlich von einem schwierigen Jahr ausgegangen worden ist.“ Jedoch führten gute Gewerbesteuerergebnisse und Ausgleichszahlungen zu einem deutlichen Plus. Allerdings würden die Folgejahre schwieriger, weil 2020 ein gutes Ergebnis erzielt wurde.

Rund 1,2 Millionen Euro für neue Gewerbeflächen

Trotz Corona seien beachtliche Investitionen getätigt worden: die Erweiterung des Gewerbegebiets „Ziegelei IV“ in Deggenhausen. Zu Kosten von etwa 1,2 Millionen Euro sind dort zusätzliche Gewerbeflächen von rund 20 000 Quadratmetern entstanden. Die Umstellung der Straßenbeleuchtung auf LED-Technik konnte abgeschlossen werden. In der Alfons-Schmidmeister-Halle wurden die WC-Anlagen erneuert und in der Halle LED-Beleuchtung installiert. 2021 soll noch eine neue Bühne angeschafft werden, später eine neue Bestuhlung. Im Rathaus wurde eine Server- und EDV-Umstellung vorgenommen und es erfolgte ein Relaunch der Homepage der Gemeinde – die Freischaltung einer „Bürger-App“ sei laut Meschenmoser zudem geplant.

Die marode Brücke Eschle über die Deggenhauser Aach bei Untersiggingen soll durch einen Ersatzneubau für die Zukunft sicherer und tragfähiger gemacht werden.
Die marode Brücke Eschle über die Deggenhauser Aach bei Untersiggingen soll durch einen Ersatzneubau für die Zukunft sicherer und tragfähiger gemacht werden. | Bild: Wolf-Dieter Guip

Beteiligung am Stadtwerk am See

Weil verschiedene Vorhaben wie beispielsweise der Neubau der Brücke Eschle und der Abbau des Römerwehrs verschoben worden sind, betrugen die liquiden Mittel der Gemeinde zum Jahresende rund 2,6 Millionen statt 1,8 Millionen Euro. Ein wesentlicher Punkt ist noch die Beteiligung der Gemeinde Deggenhausertal am Stadtwerk am See mit einer Summe in Höhe von 600 000 Euro. Zwischen der Gemeinde und dem Stadtwerk am See bestehen seit vielen Jahren wirtschaftliche Beziehungen. Bürgermeister Fabian Meschenmoser erklärt: „Mit der Beteiligung rückt das Stadtwerk am See mit der ganzen Breite von Produkten und Dienstleistungen näher an die Gemeinde.“

Bürgermeister Fabian Meschenmoser (von links) freut sich, mit Rainer Kollmus, Sandra Scheider und Simon Günter engagierte Mitarbeiter fürs Rathaus gefunden zu haben.
Bürgermeister Fabian Meschenmoser (von links) freut sich, mit Rainer Kollmus, Sandra Scheider und Simon Günter engagierte Mitarbeiter fürs Rathaus gefunden zu haben. | Bild: Wolf-Dieter Guip

Ein deutlicher Personalwechsel hatte sich 2020 im Rathaus ergeben, Mitarbeiterinnen sehen Mutterfreuden entgegen, andere gingen in den Ruhestand. „Es sind durchweg erfreuliche Gründe, aber für uns als Rathaus ist es natürlich auch spannend, wer nachfolgt beziehungsweise nachkommt“, sagt Meschenmoser dazu. Nachdem die bisherige Leiterin des Ordnungsamts, Sabrina Schorer, im Mutterschutz weilt, ist seit 1. Oktober der 27-jährige Simon Günter als Amtsleiter ihr Nachfolger. Seit 1. September ist Rainer Kollmus Nachfolger von Kämmerer Josef Schweizer. Im Vorzimmer des Bürgermeisters arbeitet seit 14. September Sandra Scheider, die neue Assistenz. Auch sie hat schon zuvor Verwaltungsluft geschnuppert.