Eifrige Betriebsamkeit herrscht in der „Ölbude im Tal“ auf dem Zühnehof der Familie Karrer, Gemeinde Deggenhausertal. Mirco Kopp und Max Karrer, die Betreiber der Ölbude, etikettieren Ölflaschen und verpacken sie zur Auslieferung an Kunden. „Wir betreiben die Ölmühle im Nebenerwerb und arbeiten abends, in der Nacht und an den Wochenenden“, berichtet Mirco Kopp. Die Arbeit werde nicht weniger, wie beide erzählen.

Nachfrage bei Speiseöl um rund 200 Prozent gestiegen

Seit Ausbruch des Ukraine-Krieges sei die Nachfrage nach Speiseöl von der Ölbude in allen Sorten um rund 200 Prozent gestiegen. Nachdem – auch vonseiten der Politik – eine Knappheit bei Speiseöl, insbesondere Sonnenblumenöl, prognostiziert wurde, habe es im Einzelhandel einen Run auf das Öl gegeben, sodass die entsprechenden Regale meist leer seien. „Ich bin mir ziemlich sicher, dass es die aktuelle Knappheit nicht gegeben hätte, wenn nicht aufgrund der Prognose das Öl gehamstert worden wäre“, meint Kopp.

Genügend Ölvorräte aus regionalem Anbau

Und wie ist die Situation in der Ölbude? „Wir haben ausreichende Ölvorräte in allen Ölsorten, die wir herstellen, also sowohl bei Lein-, Raps- und Sonnenblumenöl und können bisher uneingeschränkt den Bedarf bei uns decken“, sagt Max Karrer. Kopp ergänzt: „Unser Grundstoff, die Ölsaat, stammt ausschließlich aus Eigenanbau, deshalb haben wir keine Probleme, denn wir sind nicht auf andere angewiesen. Und wir haben noch genug Ölsaaten am Lager.“

Mit einem eigens gebauten Hilfsgerät versieht Mirco Kopp die Ölflaschen mit Etiketten.
Mit einem eigens gebauten Hilfsgerät versieht Mirco Kopp die Ölflaschen mit Etiketten. | Bild: Wolf-Dieter Guip

Sicherlich sei die Nachfrage gestiegen, aber jeder Kunde könne versorgt werden; auch mit Sonnenblumenöl. Am rund um die Uhr geöffneten Hofladen „Regiomat“ müsse täglich Sonnenblumenöl aufgefüllt werden. Auch Kunden wie der D-Tal-Markt, Rewe in Baienfurt und diverse Hofläden, bei denen Wert auf regionale Produkte gelegt wird, würden beliefert.

Flaschen zum Abfüllen werden knapp

Das einzige Problem sei die Beschaffung der Flaschen, in denen Kopp und Karrer das Öl abfüllen. Und wie ist die Preisgestaltung? „Eine Halbliterflasche Sonnenblumenöl kostet bei uns sieben Euro. Sicherlich könnten wir aufschlagen, aber wir wollen nicht teurer werden, denn der Aufwand ist gleich geblieben, weil wir selbst anbauen und wir wollen die Regionalität stärken“, betont Mirco Kopp, der den Unterschied zwischen industrieller Speiseölherstellung und der Erzeugung in der Ölbude erklärt.

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Bei der industriellen Herstellung werden gewöhnlich die Kerne geschreddert, mit Wasser und Säure vermischt und dann gedünstet, damit das Wasser wieder verdampft. Anschließend werde der entstandene Brei gepresst. So gingen Geschmack und Inhaltsstoffe verloren, erklärt Kopp. In der Ölbude werden die Kerne kalt gepresst, da komme nichts dazu. Das sei reine Natur mit vollem Geschmack. Und natürlich sei die Ölausbeute bei der kalten Pressung weitaus geringer.

Die ersten Pflänzchen treiben schon auf dem Sonnenblumenfeld und werden im Spätjahr geerntet. Max Karrer (links) und Mirco Kopp haben ...
Die ersten Pflänzchen treiben schon auf dem Sonnenblumenfeld und werden im Spätjahr geerntet. Max Karrer (links) und Mirco Kopp haben von einem auf 3,5 Hektar Anbaufläche erweitert. | Bild: Wolf-Dieter Guip

Und wie sieht die Zukunft der Ölbude aus? „Aufgrund der aktuellen Situation und um der gesteigerten Nachfrage gerecht zu werden, haben wir die Anbaufläche für Sonnenblumenöl von zuvor einem Hektar auf 3,5 Hektar ausgeweitet und freuen uns, wenn uns die neu gewonnen Kunden treu bleiben“, sagt Max Karrer.

Auf steigende Nachfrage eingestellt

Beide rechnen auf jeden Fall mit einer weiter ansteigenden Nachfrage, die sie befriedigen wollen. Und Kopp betont ausdrücklich, wie wichtig es sei, auf regionale Produkte zu setzen, nicht nur im Bereich Öl. Im vergangenen Jahr hätten sie rund 2500 Flaschen verkauft und rechnen damit, dass es in diesem Jahr gut das Doppelte wird. Die Aussaat für Sonnenblumen sei bereits erfolgt. „Dafür haben wir uns eine Rübensämaschine gekauft und entsprechend umgebaut“, sagt Karrer.

Max Karrer (links) und Mirco Kopp stehen beim Herzstück ihrer Ölbude, bei der Ölpresse.
Max Karrer (links) und Mirco Kopp stehen beim Herzstück ihrer Ölbude, bei der Ölpresse. | Bild: Wolf-Dieter Guip

Derzeit gebe es konkrete Überlegungen, ein Lager anzubauen. Auch in die Rationalisierung soll investiert werden. So habe man bereits eine Einrichtung konstruiert und gebaut, um rund um die Uhr pressen zu können. Die „Ölbude im Tal“ ist auf Expansionskurs.