„Die exponierte Lage auf dem höchsten Berg nördlich des Bodensees, dem Höchsten, hat dafür gesorgt, dass das Schutzhäuschen nun komplett durchgefault war. Wir hätten nun beide Schutzhäuser komplett neu bauen und erneut massiv investieren müssen. Deshalb haben wir uns nun entschlossen, den Höchsten-Stoppomat endgültig zu schließen“, erklärt der Vorsitzende des Freundeskreises Uphill Friedrichshafen, Roland Hecht, Betreiber des Stoppomats.

Große Freude bei Radlern am Ziel: Bei Grand Opening dem Saisonstart für die Radler am Höchsten war stets beste Stimmung garantiert – egal was das Wetter zu bieten hatte, wie hier am 1. Januar 2019.
Große Freude bei Radlern am Ziel: Bei Grand Opening dem Saisonstart für die Radler am Höchsten war stets beste Stimmung garantiert – egal was das Wetter zu bieten hatte, wie hier am 1. Januar 2019. | Bild: Wolf-Dieter Guip

Die marode gewordene Konstruktion der Häuschen habe dafür gesorgt, dass sie nicht mehr standsicher und somit verkehrssicher gewesen seien. „Nach 15 Jahren ehrenamtlicher Betreuung der Anlage möchten wir das Ende selber bestimmen“, ergänzt Hecht, der gleichsam betont, dass das sommerliche Rennen „Triple-S/Höchsten“ sowie die Saisoneröffnung „Grand Opening“ am 1. Januar erhalten bleiben.

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Der Betrieb der Anlage sei schon ein erheblicher Aufwand gewesen; angefangen bei der Pflege der Häuschen über die Wartung der technischen Anlage der Stempeleinrichtungen bis hin zum regelmäßigen Rasenmähen. Dazu kam die Ausstattung mit Stempelkarten, die dann auch wieder abgeholt und in die Datenbank eingepflegt werden mussten. Im vergangenen Frühjahr wurde in Anbetracht der Corona-Situation entschieden, den Stoppomat nicht zu öffnen. Dies zumal dort normalerweise Kugelschreiber und Kartenausgabe gemeinschaftlich genutzt werden. Auch und gerade dem Supportteam wollte man nicht die üblicherweise nassgeschwitzten Stempelkarten zumuten. Eine zuverlässige Desinfektion der Sportstätte für die zahlreichen Nutzer hätte sich kaum gewährleisten lassen.

Weiteste Anreise bei Great Opening am 1. Januar 2019: Aus Knittlingen bei Pforzheim sind Natascha und Tobias Gerlach mit Sohn Samuel (im Anhänger) zum Grand Opening ins Deggenhausertal gekommen.
Weiteste Anreise bei Great Opening am 1. Januar 2019: Aus Knittlingen bei Pforzheim sind Natascha und Tobias Gerlach mit Sohn Samuel (im Anhänger) zum Grand Opening ins Deggenhausertal gekommen. | Bild: Wolf-Dieter Guip

Später hatte man die Anlage wieder geöffnet, allerdings mussten die Radler dann ihre Stechkarten fotografieren und zum Einpflegen in die Datenbank einschicken, was auch recht aufwendig war, erzählt Roland Hecht. Zur Frage, ob eine Digitalisierung des Stoppomats nicht eine Lösung sein könnte, entgegnet er: „Wir haben das vor acht Jahren mal über eine App probiert, das wurde aber nicht angenommen. Die Leute wollten lieber die einfachen Stempelkarten haben. Und eine Pflege der App wäre sehr teuer geworden.“

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In diesem Zusammenhang weist Hecht auf die App „Strava“ hin, ein internationales Soziales Netzwerk zum internetbasierten Tracking sportlicher Aktivitäten wie Radfahren. Hier könne man individuelle Strecken im Detail eingeben, die Daten auswerten und auf Grundlage dieser Daten seine eigenen Leistungen auf der Strecke mit denen anderer Mitglieder des Netzwerks vergleichen. Der Idee, die maroden Stoppomat-Häuschen im Deggenhausertal durch Sponsoren neu konzipieren und aufbauen zu lassen, erklärt Hecht eine Absage: „Wir möchten einfach nach 15 erfolgreichen Jahren Schluss machen.“

Das Häuschen, in dem sich die technischen Installationen des Stoppomats auf dem Höchsten befanden, war durch die Witterung durchgefault und musste aus Sicherheitsgründen entfernt werden.
Das Häuschen, in dem sich die technischen Installationen des Stoppomats auf dem Höchsten befanden, war durch die Witterung durchgefault und musste aus Sicherheitsgründen entfernt werden. | Bild: Privat

Eine besondere Erfolgsgeschichte

  • Das Starthaus an der Stoppomat-Strecke in Urnau-Schönemühle stand auf 499 Metern über Normalnull, das Zielhaus auf dem Höchsten auf 833 Metern. Jedermann konnte kostenlos mit Stempelungen an Start und Ziel jederzeit die Herausforderungen der Strecke annehmen. Als die Anlage 2006 eingeweiht wurde, begann gerade erst der Siegeszug des Internets. Und mittendrin der Stoppomat mit seiner dynamischen Datenbank. Aus der Zeitmessstation wurde eine Erfolgsgeschichte, die ihresgleichen suchte. Aus einem einmalig zur Einweihung geplanten Rennen wurde sieben Mal Deutschlands größtes Bergzeitfahren mit 1000 Teilnehmern. Gleich zweimal trug man dabei die Deutsche Meisterschaft aus. Die Saisoneröffnung am 1. Januar jeden Jahres entwickelte sich zu Deutschlands größtem Wintertreffen für Radsportler.
  • „Der Erfolg fiel bei dem Stoppomat-Team allerdings nicht so einfach vom Himmel. Es waren rund 3000 ehrenamtliche Stunden und rund 500 000 Euro zu initiierenden Sponsorengelder erforderlich“, berichtet Entwickler und Erbauer aller Anlagen, Roland Hecht. Zwölf Jahre kletterte der Ingenieur Dirk Huhn wöchentlich mit dem Rennrad auf den Höchsten, um Stempelkarten abzuholen und die Daten in die Webseite einzupflegen. Ganz im Stillen wirkte über Jahre nicht minder arbeitsam der zweite Ingenieur im Team, Thomas Bischof. In ebenfalls fast 1000 Stunden gestaltete er die Auswerteseite und die dynamische Datenbank. Inzwischen wurden 97 316 Karten an allen Stoppomat-Anlagen offiziell gestempelt.
  • Die Macher hinter dem Stoppomat: Lutz Geisler, der Ideengeber einer Messstation, ist inzwischen Pensionist. Dirk Huhn, der Supporter, pflegte über 13 Jahre den Kartendienst vor Ort. 512 Mal bestieg er dabei den Höchsten. Der ZF-Entwicklungsingenieur leitet heute die Zentrale Forschung und Entwicklung Friedrichshafen. Thomas Bischof, Datenbankprofi und ZF-Entwicklungsingenieur, programmiert erfolgreich Datenbanken für ZF-Entwicklungsabteilungen. Roland Hecht, Entwickler des Stoppomats, ist heute Vorsitzender des Freundeskreises Uphill.