Deggenhausertal – Schon jahrelang ist die Lehenstraße, die Hauptanbindung zum Lehenhof, Thema in der Gemeinde, wie auch in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats. Das Gremium beschloss nun einstimmig deren Sanierung, die 2023 erfolgen soll.

Etliche Male wurde über die schmale Straße diskutiert, die Gefahren beim Begegnungsverkehr birgt, da ein Ausweichen sehr schwierig ist. Zudem ist der Straßenunterbau durch die mangelnde Entwässerung permanent durchfeuchtet, was zu verstärkten Setzungsschäden in der Fahrbahn führt. Die Versuche der Verwaltung, für die Sanierung der Gemeindeverbindungsstraße Fördermittel zu erhalten, verliefen jedes Mal erfolglos. Ausbesserungen reichen nun nicht mehr.

Planung vorgestellt

Was tun? Jürgen Rapp vom beauftragten Ingenieurbüro Rapp+Schmid aus Ummendorf, stellte den Gemeinderäten die Planung sowie die mögliche weitere Vorgehensweise vor. „Busse und Personenwagen kommen aneinander vorbei, aber nicht in der Kurve“, so Rapp. Begegnen sich zwei Lastwagen, werde es sehr problematisch. Auch Spiegel nützten nur wenig, da sie regelmäßig beschlügen. So müssten die Fahrzeuge regelmäßig das Bankett befahren, insbesondere bei Schnee eine gefährliche Angelegenheit. Hinzu komme der schlechte Zustand der Straße.

Die Fahrbahnränder der Lehenstraße bröckeln an zahlreichen Stellen ab.
Die Fahrbahnränder der Lehenstraße bröckeln an zahlreichen Stellen ab. | Bild: Christiane Keutner

Bohrungen brachten zutage, dass es nur wenig Unterbau gibt. „Man hat irgendwann mal gebastelt und es gibt zu wenig Feinkornanteil“, so der Ingenieur. Der Unterbau sei durchfeuchtet und in einer Frostperiode friere alles auf, der Asphalt bewege sich. Eine Entwässerung sei zwar in Form von Graben und Rohren vorhanden, doch letztere seien in schlechtem Zustand, sodass das Wasser den Unterbau zusätzlich durchnässe – mit entsprechenden Folgen.

Herausforderung beim Bau

Zwei Probleme, Begegnungsverkehr und Entwässerung, müssten aus der Sicht des Planungsbüros gelöst werden: Zum einen die offenen Gräben und desolaten Rohre erneuern, sodass der Unterbau wieder trockener werde; gänzlich werde man es nicht bewerkstelligen können. Die Verkehrssicherheit könnte man klassisch mit einem kompletten Ausbau lösen.

Dabei müsste man in dem Hang mit Stützmauern arbeiten, ein massiver Eingriff. Ausweichstellen seien nicht praktikabel. Deshalb würde er vorschlagen, bestimmte Kurvenbereiche auszuweiten, das wäre ohne Stützmauern möglich. Hier müsse man nur einmal in den Hang eingreifen und einige Bäume fällen, um die Straße um maximal zwei Meter zu verbreitern. 95 Prozent der komplett vermessenen Strecke könne man ohne Hangausweitung verbessern.

Der Lehenhof der Camphill Dorfgemeinschaft.
Der Lehenhof der Camphill Dorfgemeinschaft. | Bild: Christiane Keutner

Um künftig zu verhindern, dass weiter Sickerwaser eindringt, empfahl Jürgen Rapp die Fahrbahn abzufräsen und eine vier Zentimeter hohe Deckschicht aufzubringen. Die ausführenden Firmen würden keine Gewährleistung bieten, aber würde man alles richtig machen, käme das fast einem Vollausbau gleich. „Es wird immer mal Risse geben, die muss man regelmäßig ausfugen, um die Lebensdauer der Straße zu verlängern.“

Ein Vollausbau würde etwa 2,5 bis drei Millionen Euro kosten. Die Hälfte würde das Land übernehmen, wobei der Gemeinde zwischen 1,2 bis 1,5 Millionen Euro Kosten verblieben. Sein Vorschlag würde 560 000 Euro, mit Erneuerung der Deckschicht 630 000 Euro kosten und sei eine eine gute und wirtschaftliche Lösung, um die Nutzbarkeit und Sicherheit zu erhöhen. „Wenn man die Straße so belässt, werden die Schäden immer schlimmer.“

Die Ausweitungen wären auch zu 98 oder 99 Prozent auf Gemeindebesitz, ergänzte Bürgermeister Fabian Meschenmoser. Man habe die Planungen bereits einmal besprochen und mit dem Lehenhof geklärt, der eine Verbesserung der Straße sehe, auf welche Busverbindungen man während der Baustellenzeit verzichten könne. Sie dauere vermutlich drei Monate. Im optimalen Fall könne man die drei Wochen, in denen der Lehenhof geschlossen sei, einbeziehen. Wenn die Deckschicht aufgetragen werde, werde die Straße überhaupt nicht befahrbahr sein.

Straußenbaufirmen verfügbar

Gemeinderat Wolfgang Rößler (Freie Wähler) sah das Gute im Schlechten: „Die Sanierung der Straße ziehen wir schon über zehn Jahre im Haushalt mit. Hätten wir sie schon damals saniert, wäre sie jetzt wieder sanierungsbedürftig.“ Rapp empfahl auch, die Tragschicht dort zu erneuern, wo sie komplett kaputt sei. Die Befürchtung Rößlers, die Straßenbaufirmen seien ausgebucht, entkräftete Rapp. Dieses Jahr seien die Tiefbauer komplett ausgelastet gewesen und die Kosten um 20 bis 30 Prozent höher; 2023 könne man jedoch mit Abschlägen bis zu 20 Prozent rechnen.

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„Momentan suchen Tiefbauer alle Arbeit.“ Er sei sich sicher, wenn man im Januar die Arbeiten ausschreibe, bekäme man gute Preise. Man solle den Firmen jedoch einen großzügigen Ausführungszeitraum einräumen. Elmar Reisch (Freie Wähler) bestätigte die Vorgehensweise: „Es gibt immer wieder Rutschungen im Wald an der Stelle, wo nun die weiteste Ausweitung geplant ist.“ Hier müsse man besonders auf eine funktionierende Entwässerung achten, so Rapp.

Letztendlich sei es eine wirtschaftliche Entscheidung, resümierte der Bürgermeister. „Nur flicken bringt bei der Straße nichts mehr.“ Das sahen auch die Gemeinderäte so. Sie stimmten der Aufnahme der geschätzten Kosten in den Haushaltsplan 2023 zu und beauftragten das Planungsbüro, die Arbeiten Anfang 2023 auszuschreiben.