45 neue Arbeitsplätze und ein Invest von 12 Millionen Euro: Der ökologische Wasch- und Reinigungsmittelhersteller Sonett in Deggenhausen hat nach zweijähriger Bauzeit seinen Neubau am Firmensitz in Betrieb genommen. Auf 2500 Quadratmetern und drei Etagen seien sowohl die Produktionsbereiche des Unternehmens erweitert als auch zusätzliche Büroflächen geschaffen worden, heißt es seitens des Unternehmens.

„Unfassbarer Umsatzschub“ in der Pandemie

Mit dem Neubau hatten die Verantwortlichen des Unternehmens offenbar zielgenau vorausgeplant: Denn während Corona in anderen Branchen für herbe Umsatzeinbrüche gesorgt hat, bescherte die Pandemie und deren Auswirkungen den Geschäften von Sonett einen immensen Zuwachs. „Wir haben im Pandemiejahr 2020 einen unfassbaren Umsatzschub erlebt. Insbesondere bei den Desinfektionsmitteln stießen wir an unsere Kapazitätsgrenzen“, wird Geschäftsführerin Beate Oberdorfer in einer Mitteilung des Unternehmens zitiert. Den konkreten Umsatzzuwachs in 2020 gegenüber 2019 beziffert Geschäftsführer Gerhard Heid auf Anfrage des SÜDKURIER mit 52 Prozent. Bereits von 2018 auf 2019 hatte Sonett seinen Umsatz um 23 steigern können.

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In vier Jahren von 60 auf 115 Mitarbeiter

Mit dem Ausbau der Geschäfte – Sonett zählt zu den Weltmarktführern bei ökologisch-nachhaltigen Wasch- und Reinigungsmitteln – geht auch ein deutlicher Aufbau des Mitarbeiterstandes einher. Beschäftigte das Unternehmen, das im Besitz der eigenen gemeinnützigen Stiftung Sonett ist, vor vier Jahren noch rund 60 Mitarbeiter, so sind es heute nach eigenen Angaben 115 Mitarbeiter. So gesehen, dürfte die Inbetriebnahme des Neubaus gerade zur rechten Zeit gekommen sein.

Gerhard Heid (rechts) ist langjähriger Geschäftsführer von Sonett, ebenso wie Beate Oberdorfer. Gemeinsam haben sie Ende 2018 die Geschäftsführung auf vier Personen erweitert. Seither gehört auch Oliver Groß (links) zur Unternehmensleitung.
Gerhard Heid (rechts) ist langjähriger Geschäftsführer von Sonett, ebenso wie Beate Oberdorfer. Gemeinsam haben sie Ende 2018 die Geschäftsführung auf vier Personen erweitert. Seither gehört auch Oliver Groß (links) zur Unternehmensleitung. | Bild: Frank Wiegand

In den Pandemiejahren 2020 und 2021 habe die Belegschaft im Lager, in der Produktion und in der Abfüllung im Zwei- und Drei-Schicht-Betrieb gearbeitet. „Mit der Fertigstellung unseres Neubaus und den neuen Maschinen können wir endlich wieder auf die Nachtschicht verzichten“, so Heid. Für das laufende Geschäftsjahr 2021 erwarte er hingegen ein Umsatzminus von zehn Prozent gegenüber dem Rekordjahr 2020. Dabei sei Sonett seit Jahren auch profitabel: Im vergangenen Jahr erwirtschaftete das Unternehmen eine zweistellige Umsatzrendite, in den Jahren zuvor eine hohe einstellige Umsatzrendite. Auch das Geschäftsjahr 2021 soll laut Heid beim Ergebnis deutlich im Plus abschließen, trotz der großen Investitionen.

Stein, Holz und ökologische Anstriche: Auch bei der Realisierung des Neubaus blieb das Unternehmen seiner nachhaltigen Geschäftsphilosophie treu. Rund 12 Millionen Euro wurden in Deggenhausen investiert.
Stein, Holz und ökologische Anstriche: Auch bei der Realisierung des Neubaus blieb das Unternehmen seiner nachhaltigen Geschäftsphilosophie treu. Rund 12 Millionen Euro wurden in Deggenhausen investiert. | Bild: Frank Wiegand

Umweltschutz auch beim Neubau

Die hätten, zumindest beim Neubau, durchaus auch geringer ausfallen können. Doch auch hier hat man sich an der Unternehmensspitze offenbar der eigenen ökologisch-nachhaltigen Firmenphilosophie verpflichtet gesehen. Nachwachsende Rohstoffe hätten beim Neubau eine „herausragende Rolle“ gespielt. Für die Fassaden und den Innenausbau sei weitgehend Holz verwendet worden, Farben und Anstriche seien öko-zertifiziert, andere Baumaterialien möglichst umweltverträglich. „Selbst wenn solche Maßnahmen meist mit erheblich höheren Kosten verbunden sind“, wie Heid bekennt. Alleine bei der Dämmung habe man nicht auf die favorisierte Holzwolle zurückgreifen können, aus Brandschutzgründen. Nun wird mit Steinwolle gedämmt.

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Auch die Stromversorgung des Neubaus greift auf regenerative Energien zurück. Einen Großteil des Stroms liefert ein Kleinwasserkraftwerk in der Nachbarschaft, der Restbedarf wird über Ökostrom gedeckt. Geheizt wird aus dem Nahwärmenetz mit einer gemeinsamen Holzpellets-Anlage mit den benachbarten Camphill-Werkstätten Lehenhof und Energie wird eingespart mittels Wärmerückgewinnung aus der Druckluftversorgung.

Kunst oder Architektur? Auch die Ästhetik spielte eine große Rolle bei Planung und Umsetzung des Neubaus.
Kunst oder Architektur? Auch die Ästhetik spielte eine große Rolle bei Planung und Umsetzung des Neubaus. | Bild: Frank Wiegand

Absage an das Prinzip der Gewinnmaximierung

Dass man bei Sonett andere Wege gehen möchte, als dies für ein Wirtschaftsunternehmen üblich ist, verdeutlicht Heid. Wolle ein Unternehmen tatsächlich zukunftsfähig sein und vor allem den Herausforderungen klimagerechten Wirtschaftens gewachsen sein, müsse es „um Sinnmaximierung statt Gewinnmaximierung“ gehen, sagt er: „Ein Unternehmen hat die gesellschaftliche Aufgabe, den Bedarf der Kunden und Kundinnen in natur- und menschengemäßer Weise zu erfüllen, anstatt dies als Mittel zur eigenen Bereicherung zu betreiben.“ Dies jedenfalls sei die Leitmaxime bei Sonett. Für Heid gibt es dabei keine Spielräume, denn: „Gewinnmaximierung und persönliche Bereicherung sind der Grund für die Ausbeutung von Menschen und Ressourcen und die Zerstörung des Klimas.“