In seiner Enttäuschung echauffiert sich August Markhart vom Franzenhof in Azenweiler: „Das haben Leute entschieden, die noch nie auch nur einen Cent durch Corona verloren haben“, und verweist dabei auch auf den Maskenskandal verschiedener Politiker. „Wir haben im vergangenen Jahr 40 000 Euro verloren und dieses Jahr wird es nicht besser aussehen“, ergänzt er. Die Markharts haben zehn Ferienwohnungen, die für die Osterferien von Stammgästen ausgebucht waren und denen sie, wie im vergangenen Jahr, nun wieder absagen mussten. Neben den Ferienwohnungen gibt es noch eine Landwirtschaft mit 50 Hektar Fläche und zwölf Hektar Wald.

Susanne und August Markhart vom Franzenhof in Azenweiler können ihre 10 Ferienwohnungen, wie im vergangenen Jahr, auch dieses Jahr zu Ostern nicht vermieten und mussten ihren Stammgästen  absagen.
Susanne und August Markhart vom Franzenhof in Azenweiler können ihre 10 Ferienwohnungen, wie im vergangenen Jahr, auch dieses Jahr zu Ostern nicht vermieten und mussten ihren Stammgästen absagen. | Bild: Wolf-Dieter Guip

Inhaber sehen sich als „fünftes Rad am Wagen“

„Im Wesentlichen leben wir jetzt von der Stromerzeugung über unsere Fotovoltaik-Anlagen, deshalb sind wir nicht existenzgefährdet“, so Markwart. Seine Frau, Susanne Markwart, ergänzt: „Für mich war die Nichtöffnung zu Ostern fast klar, als die Infektionszahlen im März angestiegen sind – die Fehler wurden früher gemacht. Das Problem für uns ist die Perspektivlosigkeit, denn ab 18. April werden wir wohl wieder nicht aufmachen dürfen.“ Und Norbert Steidle meint: „Wir sind das fünfte Rad am Wagen, Hotellerie und Gastronomie haben keine Lobby. Wenn die Industrie die Muskeln spielen lässt, kuscht die Regierung“. Er meint damit, dass die Verordnete „Osterruhe“ kurzerhand über Nacht zurückgenommen wurde.

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Norbert Steidle und seine Schwester Christine betreiben unter anderem das Gasthaus Sternen in Obersiggingen mit Fremdenzimmern und vier Bungalows, deren Buchungen über Ostern erneut storniert werden mussten. „Mehr Abstand als in den Bungalows kann man nicht halten“, sagt Steidle, denn dort blieben die Familien unter sich. Einige bereiten sich ihr Essen selbst zu und andere holen sich Essen zum Mitnehmen aus dem Restaurant. Christine Steidle hat einige Zimmer an Monteure vermietet. Sie liefert Essen an die Kindergärten im Tal und an die Schule, wobei schon wieder einige Klassen in Quarantäne seien. Auch biete sie Essen zum Mitnehmen.

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„Aber das ist alles nur ein Tropfen auf den heißen Stein, damit kommen die Kosten nicht rein“, klagt Christine Steidle, die sich eine Öffnungsstrategie wünscht, um planen zu können. Rund 250 Liter Fassbier seien abgelaufen, die jetzt als Bierbrand verwertet werden sollen. Der vierte Öffnungsschritt, dass man bei einem Inzidenzwert unter 100 und mit negativem Corona-Test und Reservierung die Außengastronomie öffnen dürfe sei ja auch schon wieder abgelehnt. „Was müssen wir uns eigentlich noch alles gefallen lassen? Irgendwie blickt man das bei dem ganzen Hin und Her ja nicht mehr, aber wir sind als Wirte dann verantwortlich“, zeigt sich Christine Steidle konsterniert.

Zubrot dank Alternativen zum Gastgewerbe

Die Familie Felix vom Waldhuterhof in Untersiggingen hat bereits im vergangenen Jahr die Konsequenz gezogen und eine ihrer beiden Ferienwohnungen dauerhaft vermietet. „Für Ostern hatten wir Anfragen für die Ferienwohnung aber wir haben keine Buchung angenommen, weil wir sicher waren, dass es keine Möglichkeit gibt“, erklärt Christine Felix und sie möchte nicht entscheiden müssen, was die Regierung jetzt entscheidet.

In weiser Voraussicht hat Christine Felix bereits im vergangenen Jahr eine ihrer beiden Ferienwohnungen auf Dauer vermietet.
In weiser Voraussicht hat Christine Felix bereits im vergangenen Jahr eine ihrer beiden Ferienwohnungen auf Dauer vermietet. | Bild: Wolf-Dieter Guip

Sie hätten ja noch Landwirtschaft und einen landwirtschaftlichen Lohnbetrieb. „Unsere Limousin-Rinderzucht entwickelt sich sehr gut und auch das Rindfleisch verkauft sich bei guten Preisen überraschend gut“, meint Felix. Es zahle sich nun aus, mehrere Standbeine zu haben.

Reservierungen mussten storniert werden

„Wenn man hört, dass die Leute nach Mallorca fliegen dürfen und man in Deutschland nicht mal in Ferienwohnungen Urlaub machen darf, ist das schon sehr frustrierend“, sagt Willi Hummer vom Hummer-Hof in Harresheim. Die Reservierungen der beiden Ferienwohnungen hätten sie wieder stornieren müssen aber „es ist schon blöd, zumal wir die Wohnungen ja finanzieren müssen und ohne Belegung geht das nicht.“ Zum Glück sei die Fotovoltaikanlage abbezahlt, sodass es ein gewisses Zubrot gebe.

Willi Hummer auf dem elterlichen Hof in Harresheim mit den beiden Ferienwohnungen im Hintergrund mit den Balkonen vor dem plastischem „Logo“ der Ferienhofs.
Willi Hummer auf dem elterlichen Hof in Harresheim mit den beiden Ferienwohnungen im Hintergrund mit den Balkonen vor dem plastischem „Logo“ der Ferienhofs. | Bild: Wolf-Dieter Guip