„Schon als Teenager hatte ich eine Leidenschaft für alte Häuser und mit dem Kauf des Kleinbauernhauses in Untersiggingen habe ich mir einen Lebenstraum erfüllt“, sagt Stefanie Moog, die geduldig und mit vielen Erklärungen über die Restaurierungsbaustelle führt.

Ein einzigartiges Kulturdenkmal

Das Haus sei einzigartig und man könne so etwas heute gar nicht mehr bauen, sagt Moog und verweist auf die vielen zeitgenössischen Details: Das Bauernhaus zeigt die Handwerkskunst von vor rund 200 Jahren und wie das Leben seinerzeit war. Es war ein klassischer Bauernhof mit Schweinen, Kühen, Hühnern und anderen Tieren sowie Obstbau, Garten und Wald.

Rechts das ursprüngliche Bauernhaus aus dem Jahre 1829 und links der 1884 entstandene Anbau. Was mit der alten Brennerei in der ...
Rechts das ursprüngliche Bauernhaus aus dem Jahre 1829 und links der 1884 entstandene Anbau. Was mit der alten Brennerei in der Bildmitte geschehen soll, ist noch nicht geklärt. | Bild: Wolf-Dieter Guip

Moog hat das Haus vor zwei Jahren von Johann Reis gekauft, dessen Geburtshaus es ist und dessen Familie über drei Generationen hinweg in dem Haus gelebt hatte. Die Familien Reis und Moog sind lange schon befreundet und Stefanie Moog kennt das Haus seit ihrer Kindheit.

Ein Jahr lang planen für die Sanierung

Nach einem Jahr Planung hat sie nun mit der Sanierung begonnen. „Es ist schon eine echte Herausforderung, so ein Gebäudeensemble zu sanieren, aber ich habe noch keinen Tag bereut, dass ich das Haus gekauft habe“, betont Moog. Es ist ihr Wunsch, die Renovierung und Restaurierung bis zum Tag des Denkmals im September dieses Jahres abzuschließen. Beim Kauf sei das Haus, seinem Alter entsprechend, in einem recht guten Zustand gewesen, weil die Vorbesitzer es gut gepflegt hätten und es nicht hineingeregnet habe. Es sei außergewöhnlich, dass vieles noch so sei wie zu seiner Bauzeit. Auch deshalb gibt es eine hohe Förderung vom Land Baden-Württemberg.

Eine künftige ungewöhnliche und schöne Atmosphäre lässt sich jetzt schon erkennen: In einem Anbau von 1910, der als Küche und Essbereich ...
Eine künftige ungewöhnliche und schöne Atmosphäre lässt sich jetzt schon erkennen: In einem Anbau von 1910, der als Küche und Essbereich dienen wird, bleibt die Außenfassade des alten Anbaus erhalten. | Bild: Wolf-Dieter Guip

So sei es einzigartig, dass sämtliche Fenster noch Originalfenster sind, sagt Moog. Alles, was möglich sei, will sie erhalten: jeden Fußboden, jede Klinke, jede Tür und selbst das doppelgeschossige Plumpsklo, das jedoch nicht mehr benutzt werden kann.

Das zweigeschossige Plumpsklo im Innern des Hauses bleibt ebenfalls erhalten, aber wird nicht mehr nutzbar sein.
Das zweigeschossige Plumpsklo im Innern des Hauses bleibt ebenfalls erhalten, aber wird nicht mehr nutzbar sein. | Bild: Wolf-Dieter Guip
Vor die alte Tür zum Plumpsklo montiert Schreiner Benjamin Wolf von Holzbau Schmäh in Meersburg zusätzlich eine neue Tür zur Wärmedämmung.
Vor die alte Tür zum Plumpsklo montiert Schreiner Benjamin Wolf von Holzbau Schmäh in Meersburg zusätzlich eine neue Tür zur Wärmedämmung. | Bild: Wolf-Dieter Guip

Erhalten werden auch der alte Brotbackofen, die Holzvertäfelungen, Wandschränke, altes Mobiliar und Futtertröge im Kuh- und Schweinestall.

Selbst die kleine Glocke, die mit einem Seilzug von draußen bedient werden kann, wird auch künftig Besucher ankündigen.
Selbst die kleine Glocke, die mit einem Seilzug von draußen bedient werden kann, wird auch künftig Besucher ankündigen. | Bild: Wolf-Dieter Guip

Und selbst die alte Türglocke, die über einen Seilzug von außen bedient werden kann, wird der Sanierung nicht weichen. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts hatten die Eigentümer wohl genug Geld, um das Wohnhaus zu verputzen, weil es dann die Wärme besser hält. Verschiedene Stellen werden deshalb jetzt mit dem originalen Besenwurf wieder verputzt.

Die Bodendielen wurden an vielen Stellen herausgenommen, überarbeitet und wieder mit Holznägeln eingesetzt und befestigt.
Die Bodendielen wurden an vielen Stellen herausgenommen, überarbeitet und wieder mit Holznägeln eingesetzt und befestigt. | Bild: Wolf-Dieter Guip

Wo es geht, setzt Moog auf ökologische Bauweise

Während die Dachziegel auf dem Wohnhaus erhalten werden konnten, wurden für den Anbau Ziegel nach dem alten Rezept hergestellt. Alle Renovierungen sollen, sofern möglich, in ökologischer Bauweise vorgenommen werden. „Sämtliche Arbeiten werden von Handwerksbetrieben aus dem Deggenhausertal und der näheren Region ausgeführt“, betont Stefanie Moog und ist voll des Lobes für die vertrauensvolle Zusammenarbeit: „Ohne das würde es nicht funktionieren.“

Noch verdeckt von der Baustelle: Der funktionsfähige Brotbackofen bleibt erhalten und bildet künftig einen Blickfang im Wohnzimmer.
Noch verdeckt von der Baustelle: Der funktionsfähige Brotbackofen bleibt erhalten und bildet künftig einen Blickfang im Wohnzimmer. | Bild: Wolf-Dieter Guip

Und wie sieht die Zukunft des Hauses aus? „Es soll Leben im Haus sein, es soll ergänzt mit modernen Komponenten ins 21. Jahrhundert führen und vielleicht noch einmal für 200 Jahre stehen“, sagt Moog, die das Haus auch als geschichtlich bedeutend für das Deggenhausertal und Untersiggingen betrachtet.

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Zwei Mietwohnungen und ein Ferienhaus sollen entstehen

Deshalb ist geplant, drei große Wohneinheiten zu bilden: zwei Mietwohnungen und das alte Bauernhaus als Ferienhaus für einen „Urlaub in der Geschichte“. Stefanie Moog freut sich, dass es vom Land Förderprogramme wie den Topf zur Entwicklung des ländlichen Raumes (ELR) gibt. Kürzlich habe sie den Förderbescheid des Landes erhalten, sagt sie.

Wohnbauministerin Nicole Razavi überreicht der Denkmaleigentümerin Stefanie Moog virtuell einen symbolischen Scheck.
Wohnbauministerin Nicole Razavi überreicht der Denkmaleigentümerin Stefanie Moog virtuell einen symbolischen Scheck. | Bild: Ministerium für Landesentwicklung und Wohnen Baden-Württemberg

„Kulturdenkmale wie dieses Kleinbauernhaus sind sichtbare Zeichen unserer Vergangenheit. Sie sind es, die unser Land prägen und damit Identität stiften“, würdigte Nicole Razavi, Ministerin für Landesentwicklung und Wohnen in Stuttgart, bei der virtuellen symbolischen Scheckübergabe an Stefanie Moog das Vorhaben. Und sie ergänzte: „Der Schutz der Kulturdenkmale ist Ausdruck unserer Wertschätzung gegenüber unserer Herkunft und unserer Geschichte. Hier am Kleinbauernhaus in Deggenhausertal-Untersiggingen lassen sich die Wohnverhältnisse bäuerlicher Familien in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts noch heute ablesen.“

Auf dem Dachboden, der zunächst nicht weiter genutzt werden soll, stehen noch Ackergeräte und die Getreideschütten.
Auf dem Dachboden, der zunächst nicht weiter genutzt werden soll, stehen noch Ackergeräte und die Getreideschütten. | Bild: Wolf-Dieter Guip

Bei dem Kleinbauernhaus aus dem Jahr 1829 handelt es sich um ein sogenanntes Einhaus mitsamt Ökonomie-Anbau, wie er für die wirtschaftliche Entwicklung im Deggenhausertal charakteristisch war. Der Anbau wurde mit der Rückkehr zur Lagerhaltung 1884 an der rückwärtigen Traufseite als langgestreckter Fachwerkanbau errichtet. Das Ensemble gilt als guterhaltenes Beispiel für ein Gehöft der damaligen Zeit.