Herr Meschenmoser, sicher haben Sie keine Glaskugel auf Ihrem Schreibtisch, aber wie glauben Sie, wird das neue Jahr 2021 insgesamt?

In die Zukunft zu blicken, ist immer schwierig, aber ich bin ein optimistischer Mensch. Deshalb glaube ich daran, dass wir wieder zu alter Stärke kommen. Das Jahr 2021 wird aus finanzieller Sicht für die Gemeinde herausfordernd, genauso wie die Folgejahre bis 2023. Insgesamt hoffe ich, dass durch den Impfstoff zeitnah wieder etwas ‚Normalität‘ eintritt. Vermutlich wird es erst in der zweiten Jahreshälfte in vielen Bereichen möglich sein, wieder einigermaßen wie gewohnt zu öffnen. Gerade in den Sektoren Gastronomie, Tourismus und ähnlichen wird es recht schwierig sein. Ich habe jedoch die Hoffnung, dass es bei uns einigermaßen glimpflich verläuft, weil wir viele Familienbetriebe haben. Dennoch hat Lockdown mit den Menschen einiges gemacht, was es bisher so nicht gab – wir müssen wohl erst wieder lernen, soziale Kontakte zu pflegen.

So sieht eine mögliche Planung für das ehemalige Campingplatzgelände in Obersiggingen aus: Die geplanten Gebäude mit grauen Dächern. Problematisch ist derzeit noch die Erschließung über den Bachweg.
So sieht eine mögliche Planung für das ehemalige Campingplatzgelände in Obersiggingen aus: Die geplanten Gebäude mit grauen Dächern. Problematisch ist derzeit noch die Erschließung über den Bachweg. | Bild: Betz und Weber Baupartner, Ravensburg

Private und gemeindliche Wohnbaugebiete im Tal gibt es eine ganze Menge. Wie werden – Ihrer Kenntnis nach – die einzelnen Projekte in diesem Jahr voranschreiten?

Beim Baugebiet ‚Im Espen‘ in Grünwangen ist die Erschließung schon recht weit fortgeschritten und wir rechnen damit, in diesem Jahr die ersten Bauplätze auf den Markt zu bringen. Die Erschließung beim Baugebiet ‚Im Hasengrund‘ in Urnau sollte Mitte des Jahres fertig sein, so dass auch hier mit dem Verkauf der Grundstücke begonnen werden kann. Das Bauvorhaben der Firma Straßer in Untersiggingen bietet momentan keinen schönen Anblick und ich hoffe, dass hier bald weitergebaut wird. Das Bauvorhaben von Betz und Weber auf dem ehemaligen Campingplatzgelände in Obersiggingen ist noch in Planung – eine Aussage hierzu ist schwierig. Die Erschließung der Erweiterung des Gewerbegebiets Mennwangen ist für den Herbst dieses Jahres vorgesehen. Ich möchte an dieser Stelle betonen, dass die verschiedenen hier besprochenen Themen, sofern sie noch nicht den Gemeinderat passiert haben, vorbehaltlich der Zustimmung durch das Gremium zu verstehen sind.

Viel Wasser ist für die Bekämpfung von Bränden erforderlich. In der Flächengemeinde Deggenhausertal ist deshalb ein neues Fahrzeug notwendig, das mehr Löschwasser mitführen kann und 2021 in Dienst gestellt werden wird.
Viel Wasser ist für die Bekämpfung von Bränden erforderlich. In der Flächengemeinde Deggenhausertal ist deshalb ein neues Fahrzeug notwendig, das mehr Löschwasser mitführen kann und 2021 in Dienst gestellt werden wird. | Bild: Wolf-Dieter Guip

Welche geplanten Investitionen wie Feuerwehrfahrzeug, Brücke Eschle, Römerwehr et cetera werden in diesem Jahr in Angriff genommen beziehungsweise abgeschlossen?

Das aufgrund des Brandschutzbedarfsplans erforderlich gewordene neue Löschgruppenfahrzeug LF 10 wird in diesem Jahr in Dienst gestellt. Dafür sind, bei einem Zuschuss in Höhe von 172 000 Euro, 230 000 Euro im Haushalt eingestellt. Es ist beabsichtigt, für die Alfons-Schmidmeister-Halle eine Bühne zu beschaffen und wohl erst im nächsten Jahr eine neue Möblierung. Wie bereits erwähnt, werden die Wohnbaugebiete Grünwangen und Urnau vorangetrieben sowie die Erweiterung des Gewerbegebiets Mennwangen.

Das Römerwehr bei Obersiggingen soll abgebrochen werden und damit unter anderem eine ökologische Durchgängigkeit der Deggenhauser Aach an dieser Stelle gewährleistet werden.
Das Römerwehr bei Obersiggingen soll abgebrochen werden und damit unter anderem eine ökologische Durchgängigkeit der Deggenhauser Aach an dieser Stelle gewährleistet werden. | Bild: Wolf-Dieter Guip

Für die Kläranlage werden wir einen Schlammeindicker beschaffen. Nach Befahrungen im Rahmen der Eigenkontrollverordnung werden wir Kanalsanierungen mit Schwerpunkten in Obersiggingen, Urnau und Wittenhofen durchführen. Die Brücke ‚Eschle‘ in Untersiggingen wird erneuert und das Römerwehr in der Deggenhauser Aach bei Obersiggingen wird abgebrochen. Für Urnau ist ein neues Bushaltestellenhäuschen in der Dorfmitte bei der Kirche vorgesehen. Und die Glasfassade am Dorfgemeinschaftshaus in Limpach wird saniert.

Das könnte Sie auch interessieren

Die Gemeinde beteiligt sich am European Energy Award, eea, bei dem es um mehr Energieeffizienz der Gemeinde geht. Welche Schritte werden hier in diesem Jahr erwartet?

Weil es mit der Stadt Markdorf Überschneidungen gibt, machen wir den eea gemeinsam mit der Gehrenbergstadt. Im Frühjahr soll die Ist-Analyse vorgestellt werden. Auf dieser Grundlage wird ein Maßnahmenpaket erarbeitet, was in den einzelnen Themenfeldern getan werden soll, um die Zertifizierung zu erhalten.

Nachdem Gutachten erstellt sind, soll entschieden werden, ob eine gemeindliche oder interkommunale Lösung für das Klärwerk der Gemeinde Deggenhausertal in Untersiggingen in Betracht kommt.
Nachdem Gutachten erstellt sind, soll entschieden werden, ob eine gemeindliche oder interkommunale Lösung für das Klärwerk der Gemeinde Deggenhausertal in Untersiggingen in Betracht kommt. | Bild: Landesvermessungsamt Baden-Württemberg

Wie ist der Stand der Dinge bei der Studie in Zusammenhang mit der Sanierung oder Erneuerung der Kläranlage?

Derzeit werden die Gutachten erstellt. Hierbei geht es einerseits um eine kommunale Lösung nur für die Gemeinde Deggenhausertal und andererseits um eine regionale Machbarkeit mit Nachbargemeinden. Die Planungen werden vermutlich Mitte des Jahres abgeschlossen sein. Dann wird entschieden, welcher Weg eingeschlagen werden soll. Da gibt es dann natürlich eine wirtschaftliche und eine kommunale Sicht der Dinge.

Das könnte Sie auch interessieren

Welche Lücken gibt es noch bei der Versorgung der Bewohner der Gemeinde Deggenhausertal mit schnellem Internet und was ist hier für dieses Jahr geplant?

Lücken gibt es sicherlich noch einige, was auch dran liegt, dass wir eine Flächengemeinde sind mit abgelegenen Einzelhöfen und Weilern. Aber mit der Erschließung der Altgemeinde Homberg, wo die Bürgerinitiative viel bewegt hat, wurde bereits viel erreicht. Der Anschluss von Wattenberg erfolgt jetzt und ebenso von Rubacker, Höchsten und dem Lehenhof. Wir sind im Gespräch mit Betreibern, um weitere Haushalte ans Glasfasernetz zu bekommen und haben entsprechende Mittel im Haushalt eingeplant, um flexibel reagieren zu können.

Ist absehbar, ob in diesem Jahr noch außergewöhnliche Belastungen auf die Gemeinde infolge der Corona-Pandemie zukommen und werden hierfür Rückstellungen gebildet?

Es ist nicht vorhersehbar, was Corona noch mit uns macht und inwieweit sich das auf die Finanzen der Gemeinde auswirken kann. Aber derzeit sind keine Rückstellungen vorgesehen. Wir haben jedoch den Haushalt vorsichtig und solide geplant.

Am Ortsausgang von Urnau aus Richtung Gehrenberg soll ein neues Baugebiet mit voraussichtlich acht Häusern entstehen.
Am Ortsausgang von Urnau aus Richtung Gehrenberg soll ein neues Baugebiet mit voraussichtlich acht Häusern entstehen. | Bild: Wolf-Dieter Guip

Wie werden sich die Corona-Folgen auf den Haushalt des Jahres 2021 auswirken?

Es wird rückläufige Steuereinnahmen geben. Insbesondere beim Finanzausgleich und beim Einkommen- und Umsatzanteil, auf die die Gemeinde angewiesen ist. Dennoch ist nur ein leichtes Defizit geplant. Dazu kommt, dass die verschiedenen Umlagen steigen werden, weil wir 2019 ein gutes Ergebnis hatten.

Das könnte Sie auch interessieren

Was empfiehlt der Bürgermeister den Bewohnern von Deggenhausertal, weil uns Corona wohl noch einige Zeit, in welcher Form auch immer, begleiten wird?

Ich empfehle den Einwohnern und wünsche mir, dass sie sich weiterhin so solidarisch und verständnisvoll verhalten wie bisher. Jeder soll auf sich selbst und auf andere Acht geben und die Situation auch als Chance sehen. Wir sind eine besondere Gemeinde mit großem Zusammenhalt, das hat sich bisher gezeigt, das macht uns aus und das sollte auch in Zukunft so sein.