Was fällt Ihnen spontan ein, wenn Sie Musikverein Roggenbeuren hören?

Dass er das Herz der Kultur im Dorf und bei allen schönen und traurigen Anlässen im Dorf zur Stelle ist. Das war nicht immer so: In jungen Jahren konnte sich mein Herz nicht für die Blasmusik erwärmen, obwohl der Vater Musiker war. Ich habe das damalige Repertoire einer Musikkapelle eher mit Militärmusik in Verbindung gebracht. Das Repertoire ist heute breit gefächert und ich bin zu einem ganz begeisterten Blasmusikfan geworden und bedauere, dass echte Volks- und Blasmusik im Südwestrundfunk nur noch einen geringen Stellenwert hat. Inzwischen höre/schaue ich Bayerischen Rundfunk und Fernsehen.

Welches Ereignis war für Sie in fast 28 Jahren das prägendste?

Die Jahrhundertfeier. Viele Jahre vorher haben wir uns schon überlegt, wie man sie gestalten kann und muss. Herausragend waren aber auch der Besuch der „Grünen Woche“ in Berlin und die großen Weinfeste, auch in Südtirol, denn wir sind mit vielen Kapellen freundschaftlich verbunden. Auch an das Hafenkonzert mit dem gemeinsamen Auftritt der Geschwister Hofmann denke ich gerne.

Was gefiel Ihnen an Ihrer Tätigkeit als Vorsitzender am besten?

Die Begegnungen mit Menschen. Mit Jugendlichen und Älteren zusammen zu sein, mit ihnen etwas auf die Beine zu stellen und auch eine gewisse Geselligkeit zu erleben. Ich freute und freue mich, dass so viele junge und talentierte Leute dabei sind, besonders über die Frauen, die die Hälfte der Musiker ausmachen und auch zur Hälfte in Führungspositionen sind; das macht es so hoffnungsvoll. Und mir gefiel und gefällt, dass ganze Familien im Musikverein aktiv sind.

Was werden Sie vermissen?

Wahrscheinlich die Verantwortung zu tragen – obwohl das zwei Seiten hat: Als die Wahlen und Ehrungen vorbei waren und ich nur noch Zuschauer war, habe ich gespürt, das tut auch gut und ist erleichternd. Wenn ich da nur an meine Dankesworte denke, in denen ich nicht alle Namen nennen konnte, das beschäftigte einen vorher und danach.

Bedauern Sie, nie ein Instrument gespielt zu haben?

Manchmal schon, wenn ich sehe, wie 70- und 80-Jährige spielen und wie das Musizieren geistig fit hält. Aber dafür habe ich in der Kommunal- und Kreispolitik viel gemacht. 25 Jahre lang war ich im Kreistag und 25 Jahre im Ortsverband.

Welches Instrument hätten Sie gewählt, wenn Sie das Bedürfnis gehabt hätten, eines lernen zu wollen?

Das ist schwierig. In der damaligen Volksschule habe ich Blockflöte gespielt. Im Anschluss daran hätte vielleicht die Klarinette gepasst. Aber ich mag auch alle anderen Instrumente.

Glauben Sie, dass Blasmusik auch in 50 Jahren noch Bestand hat?

Mit Sicherheit. Ich sehe das bei uns: So viele junge Leute sind von Blasmusik begeistert. Ich höre auch gerne klassische Musik. Früher, in meiner Jugend, waren es Schlager, Peter Kraus, Peter Alexander und andere. Erst später gab es Rock und Pop.

Ein paar Worte an Ihren Nachfolger?

Er hat das nach seiner Wahl sehr gut gemacht. Wenn er diesen Stil weiterfährt, in Zusammenarbeit mit der stellvertretenden Vorsitzenden, habe ich überhaupt keine Bedenken.

Fürchten Sie Langeweile, nachdem Sie Ihr Amt aufgegeben haben?

Nein, es wird anders, aber nicht langweilig. Alles hat immer zwei Seiten, aber wenn eine Tür zugeht, geht eine andere auf. Mich hat das bewegt mit meiner Armbanduhr. Genau am Tag meines Abschieds ist sie stehengeblieben. Fügung oder Zufall? Solche Erfahrungen habe ich öfter gemacht.

Berichte, Wahlen und Ehrungen bei der Hauptversammlung

Was haben die Mitglieder an ihrem Vorsitzenden geschätzt?

Markus Rief, Mitglied und Vorsitzender des MV-Fördervereins: „Seine ruhige Art. Er findet immer die richtigen Worte zu jeder Gelegenheit, ob traurige oder freudige Anlässe. Zudem hat er sich wahnsinnig für den Verein eingesetzt und es gab immer ein gutes Miteinander. Schade, dass die Ära endet, aber wir haben wieder einen guten Mann als Nachfolger in den Startlöchern.“

Regina Keßler: „Seine besonnene Art. Er ist einfach ein lieber Mensch. Ich bedaure, dass er aufhört, aber nach über 25 Jahren darf man das auch!“

Lena Maric: „Seine offene Art und dass er trotz seines Alters immer überall dabei ist. Seine Reden sind immer sehr schön gewesen, er redet sehr offen, sagt, was er denkt und findet immer die passenden Worte. Er zeigt immer Interesse an anderen, ist mitfühlend und anteilnehmend. Kameradschaft ist ihm wichtig.“

Markus Heber: „Seine Menschlichkeit. Er hat immer gute und gläubige Sprüche gehabt, das ganze Zwischenmenschliche stimmte, er ist einfach ein sehr feiner Mensch!