"Nach dem Krieg in den 1950er Jahren war die hygienische und sanitäre Situation im Deggenhausertal einfach unzureichend", schreibt Paul Knörle 2014 in einer Dokumentation anlässlich des 50. Jubiläums der Wasserversorgung Deggenhausertal. Viele Haushalte hatten noch Plumpsklos und am Samstag wurde in der Zinkbadewanne nacheinander im gleichen Wasser gebadet. Meist war in der Küche über dem Schüttstein ein Wasserhahn – oftmals die einzige Installation im Haus. Zu der Zeit gab es Einzelhöfe, die bei trockenem Wetter im Sommer und in starken Wintern für ihr Großvieh wochenlang mit Pferdefuhrwerken das Wasser aus dem nächsten Dorf holen mussten. Diese Probleme waren bekannt – und eine Lösung musste gefunden werden.

Nachdem am ersten Brunnen in Wittenhofen zunächst ein Provisorium installiert worden war, folgte wenige Jahre später die professionelle Ausstattung der Entnahmestelle zur sicheren Versorgung der – damals noch – Einzelgemeinden der heutigen Gemeinde Deggenhausertal.
Nachdem am ersten Brunnen in Wittenhofen zunächst ein Provisorium installiert worden war, folgte wenige Jahre später die professionelle Ausstattung der Entnahmestelle zur sicheren Versorgung der – damals noch – Einzelgemeinden der heutigen Gemeinde Deggenhausertal. | Bild: Gemeinde Deggenhausertal

Alfons Schmidmeister, der damalige Bürgermeister von Wittenhofen – die Gemeindereform erfolgte ja erst 1972 – war mit dem Wasserwirtschaftsamt Konstanz im Gespräch. Nach dem Motto "Gemeinsam sind wir stark" wurde am 13. Oktober 1964 der Zweckverband Wasserversorgungsgruppe Deggenhausertal gegründet. Mitglieder waren die damals selbständigen Gemeinden Deggenhausen, Homberg, Roggenbeuren, Untersiggingen, Wittenhofen sowie die Gemeinde Bermatingen. "Meiner Meinung nach war das ein erster, aber wichtiger Schritt für die so erfolgreiche Entwicklung der Gemeinde Deggenhausertal", sagt Knörle.

1968 wurde der Hochbehälter Azenweiler gebaut und an das Wassernetz in Deggenhausertal angeschlossen. Der Behälter liegt auf eine Höhe von 718 Meter über Normalnull.
1968 wurde der Hochbehälter Azenweiler gebaut und an das Wassernetz in Deggenhausertal angeschlossen. Der Behälter liegt auf eine Höhe von 718 Meter über Normalnull. | Bild: Gemeinde Deggenhausertall/Helmuth Häberlin

Der Roggenbeurer Paul Knörle hat Flaschner und Installateur gelernt. Nach zehn Jahren Arbeit im Aluminiumbehälterbau in Friedrichshafen kam er 1968 als Wassermeister nach Deggenhausertal und bekleidete diese Position bis zum Ruhestand 2000. "Mir ist sehr wichtig festzuhalten, dass die Wasserabnehmer für mich und für uns immer im Mittelpunkt standen", betont Knörle. In diesen Zusammenhang passt die Tatsache, dass die Hygiene stets Grundlage für das Handeln war und es bei gut 500 Wasserproben in seiner Zeit nicht eine Beanstandung gab. Es ging und geht immer darum, den Wasserabnehmern jeden Tag über 24 Stunden das wichtigste Lebensmittel Trinkwasser in bester Qualität und mit dem nötigen Druck bereitzustellen.

Gewaltiges Projekt mit Planungen, Grundstücksverhandlungen und Ausschreibungen

Mit Gründung des Zweckverbands begann ein gewaltiges Projekt mit Planungen, Grundstücksverhandlungen und Ausschreibungen. Zu den grundlegenden Baumaßnahmen gehörten zunächst die erfolgreichen Probebohrungen für den Brunnen Eins in Wittenhofen. Er wurde auf 30 Meter Tiefe gebohrt und darüber ein Behelfspumpwerk errichtet. So konnte der parallel errichtete Hochbehälter Oberweiler befüllt werden. Weitere Hochbehälter entstanden bei Haloch, Sturzhof, Azenweiler und Rubacker. Und nach und nach wurden die Druck- und Fallleitungen sowie die Ortsnetze mit Hausanschlüssen verlegt. Interessant: Beim Bau der Leitung von Höge zum Weiler Burg wurde 1968 zum ersten Mal ein Hydraulikbagger eingesetzt.

Bürgermeister Fabian Meschenmoser im Wasserwerk der Gemeinde in Wittenhofen ist es wichtig, dass die Wasserversorgung als Grundbedürfnis im Entscheidungsbereich der Gemeinde verbleibt. Hier soll als nächste Investition eine UV-Anlage installiert werden.
Bürgermeister Fabian Meschenmoser im Wasserwerk der Gemeinde in Wittenhofen ist es wichtig, dass die Wasserversorgung als Grundbedürfnis im Entscheidungsbereich der Gemeinde verbleibt. Hier soll als nächste Investition eine UV-Anlage installiert werden. | Bild: Wolf-Dieter Guip

Erste Korrosionsschäden an Rohren 1972

Während zunächst auch die Hausanschlüsse in Guss verlegt wurden, wurden später neuartige Kunststoffrohre verwendet. Man setzte also auf neue Technologien. So auch bei den neuartigen Gussrohren, die unempfindlich für Druckstellen sind und Verkehrsbelastungen gut überstehen. Allerdings erwiesen sich diese Rohre 1972 als großes Problem, weil die ersten Korrosionsschäden auftraten, die enorme Ausmaße annahmen, sodass sich die Wasserverluste bis 1984 auf mehr als 30 Prozent erhöhten und die Lecksuche und Rohrbrüche an der Tagesordnung waren.

So gehörte zu den ersten Amtshandlungen des damals neuen Bürgermeisters Knut Simon die Sanierung der desolaten Wasserversorgung in Deggenhausertal. Gleichzeitig wurde die zunächst umstrittene Abwasserentsorgung eingeleitet, was teilweise mit der Wasserleitung koordiniert wurde. Interessante Zahlen: Die Einrichtung der Wasserversorgung in Deggenhausertal in der Zeit von 1964 bis zur Einweihungsfeier am 23. Mai 1970 kostete 4,5 Millionen Mark. Die Kosten für die Neukonzeption und Sanierung zwischen 1985 und 1999 summierte sich auf mehr als 22 Millionen Mark.

Erinnerungsschild am Hauptpumpwerk der Wasserversorgung in Wittenhofen, das im Jahre 1969 erbaut wurde und eine Leistung von 30 Litern Wasser pro Sekunde hat.
Erinnerungsschild am Hauptpumpwerk der Wasserversorgung in Wittenhofen, das im Jahre 1969 erbaut wurde und eine Leistung von 30 Litern Wasser pro Sekunde hat. | Bild: Gemeinde Deggenhausertal/Helmuth Häberlin

Im Hauptpumpwerk in Wittenhofen gibt es zwei Brunnen mit 30 beziehungsweise 36 Metern Tiefe. Im Tal gibt es neuen Hochbehälter mit einem gesamten Fassungsvermögen von 2250 Kubikmeter. In 14 Versorgungszonen sind rund 120 Kilometer Leitungsnetz verlegt. Und mehr als 1000 Hausanschlüsse werden versorgt. Nach mehr als 50 Jahren begann vor zwei Jahren Schritt für Schritt die Sanierung der Hochbehälter und Ende vergangenen Jahres wurde die Wasserleitung in Limpach grundlegend erneuert.

Schwierigkeiten bei Wasserrohrbrüchen

In Limpach waren die Wasserrohre seinerzeit weitgehend auf Privatgrundstücken verlegt worden, wodurch es auch immer wieder Schwierigkeiten bei Wasserrohrbrüchen gab. Nachdem die Wasserverluste jüngst zunahmen, wurde beschlossen, die Wasserleitungen im Teilort zu erneuern und in die öffentliche Straße zu verlegen. Gleichzeitig wurden Gas und Glasfaser verlegt.

"Auch heute noch übernimmt die Gemeinde Deggenhausertal Wasser von der Wassergenossenschaft Lellwangen", sagt Paul Knörle. Es wird in einem Sektor dem Wasser aus dem Tal beigemischt. Weil das Wasser aus Lellwangen nur 14 Härtegrade hat und das aus Deggenhausertal 22 Härtegrade, wirkt sich die Beimischung positiv aus.