Hat der Angeklagte seine Ex-Freundin um Geld betrogen oder nicht? Diese Sache hatte jüngst das Landgericht Ravensburg zu klären, nachdem der mutmaßliche Täter Berufung gegen das Urteil des Amtsgerichts einlegte.

Wegen gleich mehrerer Delikte ist der Mann aus Weingarten angeklagt. Unter anderem soll er im August 2017 gegen den Willen seiner damaligen Freundin aus dem Deggenhausertal 1000 Euro abgehoben haben, um zusammen mit einem Freund einen Autokauf abzuwickeln und das Fahrzeug dann gewinnbringend weiterzuverkaufen.

Symbolbild
Symbolbild | Bild: Paul Zinken/dpa

„Das ist schon sehr lange her, ich weiß es nicht mehr genau“, antwortet der Angeklagte immer wieder auf Nachfragen der Richterin. Er behauptet, dass ihm seine Ex-Freundin die Geldkarte freiwillig aushändigte und ihm den PIN per Telefon durchgab. „Ich habe mit ihm nie über meine Geldkarte gesprochen und weiß nicht, woher er den PIN hat“, sagt die Geschädigte. „Dummerweise“, so die Endzwanzigerin, habe sie die Ziffern damals auf dem Handy hinterlegt, worauf der Angeklagte Zugriff gehabt hätte. „Die Kreditkarte hat er wohl aus meiner Handtasche, die jeden Tag auf dem Flurschrank liegt. Da ist alles drin“, vermutet das Opfer. Das Geld habe sie bis heute nicht zurückbekommen.

Aussagen unterscheiden sich

Das vom Angeklagten besagte Telefonat habe ihm zufolge seine 16-jährige Schwester mitgehört. „Ich habe fast immer den Lautsprecher an“, sagt er. „Ich kann bezeugen, dass sie ihm den PIN über das Telefon rausgegeben hat“, so die jüngere Schwester des mutmaßlichen Täters. Allerdings stellte sich während der Verhandlung heraus, dass die Aussagen der beiden nicht identisch seien. Während der Angeklagte behauptete, seine Schwester habe das Telefonat bei ihm zuhause in Weingarten mitgehört, sagte sie aus, sie habe es bei der Geschädigten im Deggenhausertal gehört.

Erstes Urteil bleibt bestehen

Während der Verhandlung wirkte der Angeklagte immer wieder nervös und schwammig in seinen Aussagen. Letztendlich wurde seine Berufung verworfen und der Schuldspruch des Amtsgerichts wegen Computerbetrug, Betrug, Diebstahl und Fahren ohne Fahrerlaubnis blieb bestehen. Der Angeklagte wurde zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von einem Jahr, zwei Monaten und zwei Wochen ohne Bewährung verurteilt. Das Urteil ist nicht rechtskräftig, es besteht die Möglichkeit, innerhalb einer Woche Revision einzulegen.