Unter dem Motto „Schwende als Staat“ haben Jugendliche zwischen 13 und 16 Jahren im Zeltlager des Bunds der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ-Ferienwelt der Diözese Rottenburg-Stuttgart) bei Urnau einen demokratischen Staat aufgebaut. „Ich bin für drei Tage zum Präsidenten unseres Freistaats San Schwendos gewählt worden“, erklärt Herbert Siebricht.

Ein Visum für die Besucher von San Schwendo (von links): Präsident Herbert Siebricht, Finanzminister Aeneas Schulze und Klaus Hoher mit Assistentin Julia Schewenbrand.
Ein Visum für die Besucher von San Schwendo (von links): Präsident Herbert Siebricht, Finanzminister Aeneas Schulze und Klaus Hoher mit Assistentin Julia Schewenbrand. | Bild: Wolf-Dieter Guip

Zu seinen Aufgaben gehört die Ausstellung von Visa, er bestimmt die Gehälter und löst Probleme im Camp. Er selbst hat auf ein Gehalt verzichtet, weil er einen gut gehenden Kiosk hat. Weil er jedoch ein Wahlversprechen nicht eingelöst hatte, sollte er abgewählt werden. Allerdings hätten sechs Stimmen für die notwendige Zweidrittel-Mehrheit gefehlt.

Auch die Bürger von San Schwendos müssen Dienste wie Spülen erbringen, was jedoch durchaus Spaß machen kann.
Auch die Bürger von San Schwendos müssen Dienste wie Spülen erbringen, was jedoch durchaus Spaß machen kann. | Bild: Wolf-Dieter Guip

Wie kam es zu San Schwendos? „Beim Start des Zeltlagers war es noch eine Monarchie um König Benno. Er wurde gestürzt und die Demokratie mit freien Wahlen ausgerufen“, berichtet Finanzminister Aeneas Schulze. Bei ihrem Projekt „Schwende als Staat“ war es für die jungen Leute spannend, als die Landtagsabgeordneten Martin Hahn (Grüne) und Klaus Hoher (FDP) ins Lager kamen.

Teamleiter Jonathan Müller (links) erklärt Martin Hahn (Mitte) und Klaus Hoher den Aufbau des Staates San Schwendos.
Teamleiter Jonathan Müller (links) erklärt Martin Hahn (Mitte) und Klaus Hoher den Aufbau des Staates San Schwendos. | Bild: Wolf-Dieter Guip

Nach einem Rundgang der Politiker trafen sich die Jugendlichen mit den Landtagsabgeordneten, um über Themen rund um Politik und Demokratie zu diskutieren. Eine grundlegende Frage hatte Elvira: „Wie kommen Sie eigentlich nach Schwende und was wollen Sie hier?“ Sie seien eingeladen worden zu einem vergleichenden Staatsbesuch entgegneten die Abgeordneten. Und auf die Fragen, wie die Politiker die Idee vom Staat San Schwendo finden, meinte Martin Hahn: „Ich finde es spannend, wie euer Staat demokratisch wird und vor allem, dass die Politik und die Gerichtsbarkeit getrennt sind.“ Klaus Hoher findet es toll, dass „ihr jetzt schon weiter seid, als ich es in eurem Alter war.“

Am Waffelstand (von links): Jana, Lena, Angelina, Keanu und Anna-Lena. Der Ertrag wird in eine Schaumparty investiert.
Am Waffelstand (von links): Jana, Lena, Angelina, Keanu und Anna-Lena. Der Ertrag wird in eine Schaumparty investiert. | Bild: Wolf-Dieter Guip

Neben Themen, wie „Welche Haustiere haben Sie“, „Wie viele Kinder haben Sie“ und „Welche Auswirkungen hat das frühe Ausscheiden der Nationalmannschaft bei der WM auf die Politik“, interessierte die jungen Leute auch, was die Gäste beruflich gelernt haben – beide sind Landwirte – und wie sie zur Politik gekommen sind. Zum Demokratieverständnis und Protesten trotz Mehrheitsentscheidungen sagte Klaus Hoher: „Demokratie ist eine gute Sache und wenn es einen Bürgerentscheid gab und eine Mehrheitsentscheidung, dann muss auch mal Schluss mit Demonstrationen sein.“

Die Versteigerer Lup und Otto (rechts) mit den Bietern (von links) Lena, Herbert und Yannek. Der Ertrag der Versteigerung kommt einer Stiftung zugute, die ein Dreu-Gänge-Menü am Abschlussabend garantiert.
Die Versteigerer Lup und Otto (rechts) mit den Bietern (von links) Lena, Herbert und Yannek. Der Ertrag der Versteigerung kommt einer Stiftung zugute, die ein Dreu-Gänge-Menü am Abschlussabend garantiert. | Bild: Wolf-Dieter Guip

Da hatte Sophie aus Stuttgart eine ganz andere Meinung, die sie sehr konsequent vertrat. Sie bezog sich dabei insbesondere auf das Thema Stuttgart 21. Auch wenn eine Mehrheitsentscheidung für den neuen Bahnhof gefallen sei, hätten diejenigen, die nicht dafür waren, weiterhin das Recht, gegen das Projekt zu protestieren. Auch Themen wie Lobbyismus, Bestechungen und Stimmenkauf oder Deutschland als Vorbild in Sachen Umweltbewusstsein wurden diskutiert.

Die Gruppe Flower Power beim Chillen. Es gibt noch eine Gruppe Calvin-Family und die Bad Bays mit Lydia, die morgens stets als Erste auf sind, erklärt Emily.
Die Gruppe Flower Power beim Chillen. Es gibt noch eine Gruppe Calvin-Family und die Bad Bays mit Lydia, die morgens stets als Erste auf sind, erklärt Emily. | Bild: Wolf-Dieter Guip