Herr Müller, was hat Sie während Ihrer Tour auf der Donau am meisten überrascht?

Das Überraschendste war, dass die Donau wegen der Staustufen kaum Strömung hat. Es war, als ob man über Seen paddelt und brachte natürlich kräftemäßig eine ganz andere Herausforderung, weil wir uns nicht treiben lassen konnten. Wenn Gegenwind dazukam, gingen wir sogar zu Fuß und zogen das Kajak. Oder wir paddelten nachts, wenn der Wind nachließ. Bei Vollmond ist das ein unvergessliches Erlebnis!

Das könnte Sie auch interessieren

Wie war das Wetter?

Zwischen drei und 35 Grad warm und mit relativ wenig Stechmücken. Der nasseste Tag war in Ungarn, als wir morgens bereits in die feuchten, kalten Kleider des Vortages schlüpfen mussten. Das ist nicht gut für die Motivation.

Insgesamt 2800 Kilometer haben Sarah Leberer aus Deggenhausertal und Martin Müller aus Frickingen im Kajak zurückgelegt.
Insgesamt 2800 Kilometer haben Sarah Leberer aus Deggenhausertal und Martin Müller aus Frickingen im Kajak zurückgelegt. | Bild: Privat

Gab es bei diesen Zehn-Stunden-Tagen besonders zähe Etappen?

Regensburg mit seinem Gegenwind. Wir haben immer auf die Walhalla gestarrt und kamen irgendwie nicht dran vorbei – genau wie bei einer acht Kilometer langen Strecke in Serbien. Gegenwind ist das Undankbarste der Welt!

Was war das großartigste Erlebnis?

Die serbische Gastfreundschaft ist unvergleichlich! Wir mussten Einladungen ablehnen, weil wir sonst den Zeitplan nicht geschafft hätten. In einer Gewitternacht wurden wir dort mit leckerstem Donaufisch verwöhnt.

Welche Begegnungen haben Sie außerdem gemacht?

Eisvögel, Biber, Pelikane, Rehe und Füchse waren kurzzeitig Weggenossen. Leider war der Müll nicht nur kurze Zeit, sondern ab Budapest ein ständiger Begleiter. Dort gibt es scheinbar kein Bewusstsein für Naturschutz. Man lässt einfach alles fallen oder wirft es in die Donau.

Was war Ihr aufregendstes Erlebnis in der Nacht?

Gewehrschüsse, ein Hubschrauber mit Suchscheinwerfer und ein unbeleuchtetes Fahrzeug in der Nähe des Zeltes. Aber das war eine Ausnahme. Sonst haben wir uns sicher gefühlt.

Flacher Ausstieg aus dem Wasser: Für das Paar ein optimaler Platz zum Zelten.
Flacher Ausstieg aus dem Wasser: Für das Paar ein optimaler Platz zum Zelten. | Bild: Privat

Hatten Sie Schmerzen beim Paddeln?

Bis zum Mittagessen klappte es mit dem Sitzen ganz gut, danach ging es bergab. Aber das sind Schmerzen, über die man hinwegsehen kann. Die Schmerzen in den Fingergelenken waren schlimmer.

Wie schwierig ist es, mit dem Kanu durch die Länder Europas zu reisen?

Ab Ungarn muss man Grenzformalitäten beachten. Schwierig war, überhaupt die Grenze und die Polizei zu finden. Bis wir ein gestempeltes Formular hatten, dauerte das oft Stunden. Aber die Menschen waren überwiegend freundlich und hilfsbereit.

Haben Sie Pläne für ein neues Projekt?

Nicht konkret, aber wir haben weiterhin Lust, auf diese Art zu reisen. Von Tag zu Tag leben, sich gelassen auf das Kommende einlassen. Wenn man so den Weg aus eigener Kraft schafft, bekommt man einen ganz anderen Einblick in Kulturen und einen anderen Kontakt zu Menschen.

Die beiden Paddler brachten viele Bilder mit. Hier die Donauquelle in Donaueschingen.
Die beiden Paddler brachten viele Bilder mit. Hier die Donauquelle in Donaueschingen. | Bild: Privat

Wo ist das Kajak jetzt?

Es reist mit Katamaran, Transportschiff und Spedition bis Regensburg. Dort holen wir es ab. Wir haben einige Kaufangebote bekommen, aber das alles haben wir für die gelähmten kenianischen Waisenkinder getan. Wir haben uns wie sie nur mit den Armen fortbewegt – von diesem Kajak können wir uns doch nicht mehr trennen!