Was braucht man wirklich im Leben? Um diese Frage für sich zu beantworten, ist Thorsten Kirsch von der Gemeinschaft Haslachhof in Deggenhausertal für ein halbes Jahr mit der Nichtregierungsorganisation (NGO) Cap Anamur nach Somaliland im Osten des afrikanischen Kontinents gegangen. "Ich wollte noch einmal etwas Sinnvolles in meinem Leben machen und etwas über den Tellerrand hinausschauen, weil vieles so unfair verteilt ist", erzählt er.

Geduldiges Warten: Wenn der Tankwagen mit Trinkwasser kommt, stehen die Nomaden im östlichen Gebiet von Somaliland an, um ihre Kanister zu füllen.
Geduldiges Warten: Wenn der Tankwagen mit Trinkwasser kommt, stehen die Nomaden im östlichen Gebiet von Somaliland an, um ihre Kanister zu füllen. | Bild: Privat

Seminar bewegte Kirsch dazu, sich zu bewerben

Eine von vielen wichtigen Erkenntnissen aus seiner Zeit in Somaliland sei die Entscheidung, sich voll in die Gemeinschaft Haslachhof in Deggenhausertal einzubringen und dafür zu engagieren, sagt Thorsten Kirsch. Doch wie ist es zu der Entscheidung gekommen, nach Somaliland zu reisen? "Ich war auf einem Seminar, das mich sehr bewegt und dazu veranlasst hat, mich bei Cap Anamur zu bewerben", erzählt er. Auch sei er bereits in Sierra Leone und im Sudan gewesen, was seine Entscheidung erleichtert und die Bewerbung erfolgreich gemacht habe.

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Krankenhausstation soll aufgebaut werden

Angekommen in Somaliland, ging es für den ausgebildeten Krankenpfleger Thorsten Kirsch vom Flughafen nahe der Stadt Hargeysa zunächst gut acht Stunden mit dem Geländewagen über hloprige Pisten in östliche Richtung zu dem entlegenen Ort Caynabo. Dort gibt es ein Wasserloch, in dem die Nomaden ihre Kamele tränken, erzählt Kirsch. Dort hatte ein Scheich ein Krankenhaus erbaut, das jedoch verlassen und völlig leer war. Nach einer Dürre von gut drei Jahren hatte Cap Anamur das Krankenhaus übernommen, um es wieder aufzubauen. Nachdem es zunächst darum ging, eine Wasser- und Lebensmittelversorgung aufzubauen, sollte im Anschluss eine Station für die Behandlung von Masern, Cholera, Lungenentzündung und unterernährten Kinder geschaffen werden. Dazu wurde das leere Krankenhaus zunächst mit allen erforderlichen Geräten und Möbeln eingerichtet. Auch Ärzte und einheimisches Pflegepersonal wurden verpflichtet.

Die Spezialisten vom Labor Kahdar und Sadam, Thorsten Kirsch, Pfleger Achmed, Dr. Suleyman sowie Dr. Hamzel (von links) bei der Teambesprechung.
Die Spezialisten vom Labor Kahdar und Sadam, Thorsten Kirsch, Pfleger Achmed, Dr. Suleyman sowie Dr. Hamzel (von links) bei der Teambesprechung. | Bild: Privat

Brücken bauen zwischen unterschiedlichen Kulturen

Die Aufgabe von Thorsten Kirsch war die Supervision, also die Beratung insbesondere des Pflegepersonals, damit das Krankenhaus nach dem Ende des Hilfseinsatzes von Cap Anamur erfolgreich weiterbetrieben werden kann. Er schulte die Pflegekräfte im Anlegen von Verbänden ebenso wie im Umgang mit medizinischem Material und Medikamenten, erzählt er. Pünktlichkeit bei der Arbeit sei ebenfalls ein wichtiges Thema gewesen. "Es gilt ganz besonders Brücken zu bauen zwischen völlig unterschiedlichen Kulturen, zwischen Schwarz und Weiß, zwischen Moslems und Christen", beschreibt Kirsch die außergewöhnliche und nicht immer leichte Aufgabe, die jedoch mit Empathie durchaus gelingen könne. Man müsse sehr viel Geduld mitbringen, ganz kleine Schritte gehen und eine Vertrauensbasis aufbauen. "Denn die denken doch, wir sind alle verrückt mit unseren deutschen Tugenden wie Ordnung, Pünktlichkeit, Pflichtbewusstsein und ähnliches mehr", erzählt Kirsch.

Trinkwasser ist wichtig: Für Mitarbeiter und Patienten des Krankenhauses wird das Wasser in einem speziellen Aufbereiter behandelt. Thorsten Kirsch füllt die Anlage auf.
Trinkwasser ist wichtig: Für Mitarbeiter und Patienten des Krankenhauses wird das Wasser in einem speziellen Aufbereiter behandelt. Thorsten Kirsch füllt die Anlage auf. | Bild: Privat

Cap Anamur

Der mittlerweile verstorbene Rupert Neudeck hatte 1979 mit dem Frachter Cap Anamur mehr als 10 000 vietnamesische Flüchtlinge gerettet und die Hilfsorganisation Cap Anamur gegründet. Sie hat heute ihren Sitz in Köln und betreibt weltweit Projekte, die nach einiger Zeit an Einheimische übergeben werden.