Um sich nicht von den Entscheidungen anderer an dem Thema beteiligter Kommunen und Gemeinderäte beeinflussen zu lassen, hatten die Gemeinderäte von Deggenhausertal darauf bestanden, das Thema Seeallianz in der ersten Sitzung nach der Sommerpause zu behandeln. Und das Ergebnis der Sitzung, die Ablehnung des Beitritts von Deggenhausertal zur Seeallianz, ist ein ganz schlechtes Omen für die Zukunft dieser Initiative.

Seit mehr als zehn Jahren beschäftigen sich die Räte aus dem Tal mit diesem Thema und hatten sich zuvor in einer rund dreistündigen, vorbereitenden Besprechung mit den Chancen und Risiken der Gründung einer Netzgesellschaft auseinandergesetzt.

Sicher sind auch Unternehmer im Gemeinderat vertreten, die durchaus wissen, dass Unternehmertum wie die Seeallianz immer mit Risiken verbunden ist. Aber im Rat sitzen sie nicht als Unternehmer, sondern als gewählte Volksvertreter. Derzeit läuft die Konjunktur blendend und die Einnahmen der Gemeinde sprudeln. Was passiert jedoch, wenn die Konjunktur kippt, die Haushaltsmittel knapp werden, hohe Investitionen in die Netzinfrastruktur notwendig sind und über mögliche Bankkredite hinaus die Kommune nachschießen muss? Hier liegen wohl die Gründe für die Ablehnung des Beitritts, für die neun Gemeinderäte votiert hatten: Wenn man dann zwar ein kommuneeigenes Stromnetz hat, aber möglicherweise die Mittel für andere dringend notwendige Investitionen in der Gemeinde fehlen und/oder die Verschuldung steigt. Egal, wie man zu der Entscheidung steht, sie ist ein schlechtes Omen für die Seeallianz, aber sie ist auch das Resultat eines demokratischen Entscheidungsprozesses.

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