Herr Hassan, nachdem Sie im vergangenen Jahr in einer AGH-Maßnahme (Arbeitsgelegenheit mit Mehraufwandsentschädigung) im Bauhof beschäftigt waren, arbeiten Sie seit Januar als Mini-Jobber dort einen Tag in der Woche. Was sind Ihre Aufgaben?

Ich mache hier gerne alle Arbeiten, die anfallen und für die ich gebraucht werde, das ist für mich kein Problem. Ich erledige gerne Malerarbeiten und helfe auch beim Schneiden von Bäumen und Sträuchern.

Macht Ihnen die Arbeit Spaß?

Ich liebe die Arbeit und es macht mir wirklich sehr viel Freude. In Syrien habe ich bis zu 18 Stunden am Tag gearbeitet. Und da war ich zusätzlich auch noch als Fußballtrainer tätig. Ich arbeite gerne und es ist mir lieber, eine richtige Aufgabe zu haben, als zuhause zu sitzen.

Wie kommen Sie mit Ihren Kollegen zurecht?

Mit den Kollegen hier im Bauhof komme ich sehr gut zurecht und sie sind alle sehr nett zu mir. Ich mag die Kollegen. Und alle helfen mir, wenn ich etwas noch nicht kann und sie zeigen mir, wie die Maschinen funktionieren. Da kann ich auch noch was lernen.

Wie ist es dazu gekommen, dass Sie eine Arbeit beim Bauhof angenommen haben?

Ich habe vom Jobcenter eine Nachricht erhalten, dass ich auf dem Bauhof arbeiten kann. Eine Frau vom Helferkreis hier in Deggenhausertal hat mir das erklärt und dann war ich im Rathaus und wir haben vereinbart, dass ich dort arbeiten kann.

Sie arbeiten einen Tag in der Woche. Was machen Sie an den anderen Tagen? Würden Sie gerne mehr arbeiten?

Ich arbeite derzeit jeweils nur am Mittwochnachmittag, weil ich jeden Tag zur Schule in Markdorf gehe, um Deutsch zu lernen. Es war nicht möglich, dass ich den ganzen Tag auf dem Bauhof arbeite wegen des Deutschkurses. Wenn beim Kurs Ferien sind, werde ich dann mehr auf dem Bauhof arbeiten können.

Welchen Beruf haben Sie in Ihrer Heimat ausgeübt?

In Syrien habe ich bei der dortigen Telekom gearbeitet und war in der Telefonie Chef von mehreren Mitarbeitern, die Kabel verlegt haben.

Sie machen gerade einen Sprachkurs in Deutsch. Hilft Ihnen das beim Weiterkommen?

Für mich ist es sehr wichtig, Deutsch zu lernen. Wenn ich arbeiten will, muss ich auch deutsch sprechen können. Ich habe kürzlich einen Test A1 gemacht und habe 76 Punkte erreicht. Jetzt mache ich den Kurs A2. Ich bin durchschnittlich gut, aber es ist auch nicht so einfach, die deutsche Sprache zu erlernen. Ich verstehe schon sehr viel, aber das mit dem Sprechen muss noch besser werden.

Woher stammen Sie und warum haben Sie Ihre Heimat verlassen?

Wir stammen aus der Stadt Aleppo in Nordsyrien. Ich bin mit meiner Familie aus dem Kriegsgebiet geflüchtet, weil es gerade für meine Kinder, aber auch für die ganze Familie nicht gut ist, im Krieg zu leben. Außerdem ist auch das Haus, in dem wir gewohnt haben, von Bomben zerstört worden.

Wie sind Sie nach Deutschland gekommen?

Das ist eine sehr lange und traurige Geschichte. Wir mussten viel laufen und sind über ganz viele Länder dann schließlich nach Deutschland gekommen. Mit einem Schlauchboot sind wir von der Türkei nach Griechenland übergesetzt. Und bis Deutschland dann zu Fuß, mit dem Bus und mit dem Zug gekommen. Wir sind dann am 25. Oktober 2015 in Erding bei München angekommen.

Wie kamen Sie ins Deggenhausertal und wie gefällt es Ihnen hier?

Zunächst sind wir über Karlsruhe und Mannheim nach Eriskirch gekommen. Dann nach Markdorf und jetzt sind wir seit September 2016 in Deggenhausertal. Es ist hier sehr schön, wir fühlen uns wohl und möchten gerne hierbleiben. Gerade unsere Kinder schlagen hier schon Wurzeln, haben Freundinnen und kommen sehr gut zurecht. Die größeren haben schon Ziele und strengen sich sehr an, vorwärtszukommen.

Ist Ihre weitere Familie auch geflüchtet oder befinden sich noch Angehörige in der Heimat?

Ich habe noch einen Bruder und eine Schwester, die in Syrien bleiben wollen. Ein weiterer Bruder von mir ist gestorben.

Wie ist der Stand bei Ihrem Asylantrag?

Ich habe in Mannheim einen Asylantrag gestellt. Und der ist jetzt durch. („Redwan Hassan hat eine Aufenthaltsgenehmigung, die jeweils für ein Jahr Gültigkeit hat“, erklärte die Ordnungsamtsleiterin der Gemeinde Deggenhausertal, Sabrina Schorer, auf Nachfrage).

Wie ist die Betreuung hier in Deggenhausertal?

Alles ist gut, sehr gut. Alle helfen und ich bin sehr zufrieden. Alle Menschen in Deggenhausertal sind für mich gute Menschen und die Leute vom Helferkreise setzen sich sehr für uns ein. Dafür bin ich sehr dankbar.

Möchten Sie in Deutschland bleiben und was sind hier ihre Ziele?

Unsere ganze Familie möchte sehr gerne in Deggenhausertal bleiben. Wichtig ist es, dass ich mit meinen Deutschkenntnissen weiter Fortschritte mache, das ist entscheidend für meine Zukunft. Ich habe schon mal ein Praktikum in einem Restaurant gemacht und möchte gerne noch ein Praktikum machen. Ich würde gerne in der Gastronomie arbeiten. Das geht auch, wenn ich auf dem Bauhof Feierabend habe. Und in welchem Bereich ich in der Gastronomie arbeite, ist nicht so wichtig. Ich bin da sehr flexibel. Ich habe eine Fußballtrainer-Lizenz aus Syrien. Die möchte ich in Deutschland übertragen lassen. Vielleicht kann ich ja auch als Trainer aktiv werden. Ein ganz großer Wunsch von mir ist es, in Deggenhausertal eine größere Wohnung für meine siebenköpfige Familie zu finden. Außer meiner Familie wohnen in der Anschlussunterkunft in Untersiggingen nur alleinstehende Männer und das ist nicht sehr ideal. Recht schwierig ist auch die Busverbindung nach Markdorf, wenn meine älteren Kinder mal am Wochenende nach Markdorf fahren wollen. (Zur Wohnungssuche erläuterte Sabrina Schorer: „Wenn sich eine Wohnung in Deggenhausertal finden würde, übernimmt das Sozialamt auf Antrag und entsprechend der geltenden Bestimmungen die Mietkosten.“)

FRAGEN: WOLF-DIETER GUIPAlle Kaffeegespräche im ­Internet: www.suedkurier.de/kaffee

Zur Person und Familie

Redwan Hassan ist 50 Jahre alt, stammt aus Aleppo im Norden Syriens und ist verheiratet. Er lebt mit seiner Frau und fünf Töchtern seit September 2016 in der Anschlussunterkunft in Untersiggingen im Deggenhausertal. Die jüngste Tochter Rita kam am 26. Juni 2017 in Deutschland zur Welt. Eine weitere Tochter ist im Kindergarten in Untersiggingen, zwei Mädchen gehen in die Grundschule in Deggenhausertal und die Älteste ist am Bildungszentrum in Markdorf. Hassan war in Syrien seit 1997 bei der dortigen Telekom beschäftigt.

Die Wohnung in Untersiggingen hat Redwan Hassan selbst gestrichen. Und auch für die Gemeinde Deggenhausertal hat er schon im Kindergarten in Deggenhausen einige Sachen gestrichen. In seiner Freizeit spielt er bei den Alten Herren (AH) des Sportvereins Deggenhausertal (SVD) Fußball und hilft gerne im Verein, wenn es etwas zu tun gibt.