Begeistert beobachtet eine Familie aus Bredenbek bei Kiel die Jonglage von Gaukler Lampyridae mit den großen scharfen Messern. Der Gaukler erklärt seinen Namen als lateinische Bezeichnung für Glühwürmchen, weil er auch viel mit Feuer arbeitet. Michael Grembowski aus Kiel hat von dem Peter-und-Paul-Fest zufällig erfahren und ist mit der Familie nach Obersiggingen gefahren: "Wir sind das erste Mal im Deggenhausertal und machen Urlaub auf dem Bauernhof in Mennwangen. Dort gibt es viele Tiere für die Kinder Mats und Piet." Seine Frau Kristina Bülk ergänzt: "Es gefällt uns sehr gut hier und gerade die tollen Ausblicke mit den Bergen sind für uns Küstenkinder aus dem Flachland mal was anderes."

Engelbert Schmitz, genannt Engel, von der Station "Handwerk zum Anfassen" lässt auch Simon und Adrian ein Kettenhemd probieren, damit sie einen Eindruck davon bekommen, wie schwer die Rüstung der Landsknechte war.
Engelbert Schmitz, genannt Engel, von der Station "Handwerk zum Anfassen" lässt auch Simon und Adrian ein Kettenhemd probieren, damit sie einen Eindruck davon bekommen, wie schwer die Rüstung der Landsknechte war. | Bild: Wolf-Dieter Guip

Beim Peter-und-Paul-Fest, veranstaltet vom Seehaufen bei der Peter-und-Paul-Kapelle in Obersiggingen, gibt es neben dem Gaukler auch Wappenschnitzer, Zinngießer sowie Kettenhemdmacher. Hin und wieder wird mit der großen Kanone geschossen. Natürliche gibt es Getränke und besondere Speisen. Da ist es ganz praktisch, dass das Lager des Seehaufens direkt neben der Kapelle in der Scheune ist. Hier steht der Hauptmann des Seehaufens, Thomas Pawlowski – Koch und Raumausstatter – an der Teigrührmaschine: "Wir wollen ein kleines Fest machen, aber mit Spezialitäten." So gibt es Dinnele mit Speck und Lauch oder vegetarisch sowie österreichische Pizokel, eine Teigwarenspezialität, die an Spätzle erinnert, in einer vegetarischen Tunke.

Gleich neben der Peter-und-Paul-Kapelle in Obersiggingen hat der Seehaufen in einer Scheune sein Lager und eine schöne Küche; die fleißigen Helfer (von links): Martina Pap, Thomas Pawlowski mit Ben und Jan sowie Willi Kiesle.
Gleich neben der Peter-und-Paul-Kapelle in Obersiggingen hat der Seehaufen in einer Scheune sein Lager und eine schöne Küche; die fleißigen Helfer (von links): Martina Pap, Thomas Pawlowski mit Ben und Jan sowie Willi Kiesle. | Bild: Wolf-Dieter Guip

Pawlowski ist jetzt im zweiten Jahr Hauptmann, nachdem Hubert Zachert – zuvor 20 Jahre Chef der Truppe – festgestellt hatte: "Mit 70 möchte ich kein Hauptmann mehr sein." Die Verbindung des Seehaufens zu Peter und Paul erklärt Zachert so: "Es war am Peter-und-Paul-Tag, als der Herzog Ulrich von Württemberg im Jahre 1504 die Stadt Bretten bei Bruchsal angreifen wollte. Da jedoch die Stadt alarmiert worden war, musste der Herzog wieder abziehen." Im Zusammenhang mit den Bauernkriegen um 1525 sei dann auch der Seehaufen entstanden mit den Landsknechten, die sehr gut bewaffnet waren. Am Bodensee hätte es 12.000 Mann gegeben. Jedoch: Die Uneinigkeit unter den Bauern verhinderte den Sieg.