Erst nach umfangreicher Diskussion hat der Gemeinderat von Deggenhausertal den Auftrag zum Neubau der Brücke über die Deggenhauser Aach zur Badener Straße mehrheitlich vergeben. Der Grund: Selbst das günstigere der beiden eingegangenen Angebote von Baufirmen lag fast 80 Prozent über der ursprünglichen Kostenberechnung von 160 000 Euro.

Im Februar hatte der Gemeinderat die Maßnahmen zur Gestaltung des Wohnumfelds Neue Mitte und den Neubau der Brücke beschlossen. In der jüngsten Sitzung stellte Jürgen Pietsch vom gleichnamigen Ingenieurbüro den Vorschlag für die Auftragsvergabe vor. Für den Brückenneubau waren zwei Angebote eingegangen. Mit fast 287 000 Euro war die Firma Berenbold aus Zussdorf günstigere Bieterin. Das zweite Angebot belief sich auf mehr als 320 000 Euro.

Das günstigere Angebot überschreitet die ursprüngliche Kostenberechnung von rund 160 000 Euro, die das Ingenieurbüro aufgestellt hatte, um nahezu 80 Prozent. Pietsch erklärte: "Die hohen Kosten sind der Marktsituation geschuldet. Man kann froh sein, dass überhaupt zwei Firmen Angebote abgegeben haben – die Firmen sind voll." Drei Gemeinderäte stimmten am Ende gegen die Auftragsvergabe, zwei enthielten sich. Mit den Ja-Stimmen von acht Räten wurde der Auftrag an die Firma Berenbold vergeben.

Jochen Jehle (SPD) stelle fest: "Ich finde, man sollte das Projekt noch einmal ausschreiben. Ich sehe da keine Eilbedürftigkeit." Mathäus Sturm (FWV) wollte wissen, ob der höhere Preis bei den Zuschussanträgen berücksichtigt werden könne. Auch Wolfgang Rößler (FWV) schlug vor, die Ausschreibung zurückzuziehen und den anbietenden Unternehmen mehr Zeit einzuräumen, um schärfer kalkulieren zu können. Kämmerer Josef Schweizer erklärte: "Die höheren Kosten können bei den Zuschussanträgen nicht mehr berücksichtigt werden." Die gesamte Wohnumfeldmaßnahme sei einschließlich der neuen Brücke mit 380 000 Euro kalkuliert worden. Auf dieser Basis seien Zuschüsse aus dem Entwicklungsprogramm Ländlicher Raum (ELR) von 165 000 Euro zugesagt worden. Bürgermeister Fabian Meschenmoser machte auf ein Zeitproblem aufmerksam: "Die Mittel aus dem ELR-Fonds wurden im vergangenen Jahr beantragt mit der Maßgabe, dass der Baubeginn im ersten Quartal dieses Jahres stattfinden muss." Man habe eine Verlängerung um wenige Tage erreicht, deshalb müsse jetzt der Bauvertrag unterschrieben werden.

Die neue Brücke

Die neue Brücke ist erforderlich, weil auf dem ehemaligen Sägewerksgelände in Wittenhofen auf rund 9000 Quadratmetern ein Wohngebiet entsteht. Die Planungen sehen drei Mehrfamilienhäuser sowie sieben Doppel- oder Einfamilienhäuser für 100 bis 120 Menschen vor. Die neue Brücke sei laut Verwaltung unverzichtbar, weil dem Einmündungsbereich zur Landesstraße 204 beim Kornspeicher der Firma Baader kein weiterer Verkehr zuzumuten sei. Von der neuen Brücke und Maßnahmen zur Gestaltung des Wohnumfelds sollen auch das Pflegeheim und die Lebensräume für Jung und Alt profitieren.