Kann die Schließung des Bogenparcours in Magetsweiler doch noch abgewendet werden? Der Petitionsausschuss des Landtags Baden-Württemberg ist mit einer Kommission zu einem Anhörungstermin ins Deggenhausertal gekommen, um sich über die Anlage der Familie Allgaier zu informieren. Für den Parcours hat die Familie eine Petition gestellt, um eine Schließung doch noch abzuwenden.

Der Berichterstatter des Petitionsausschusses, Jürgen Keck (FDP), moderierte die Anhörung der Beteiligten und die Ortsbesichtigung. Die Berichterstatterin der Grünen, Petra Krebs, war unterwegs, hatte jedoch den Weg ins Deggenhausertal nicht gefunden. Keck sorgte dafür, dass alle Beteiligten zu Wort kamen, unterband jegliche Aggression und betonte im Namen des Petitionsausschusses: "Wir prüfen das Verwaltungshandeln und sprechen dann eine Empfehlung für die Landesregierung aus, die dann entscheidet."

Das könnte Sie auch interessieren

Weitere 1000 Unterschriften

Der Betreiber des Bogenparcours, Albert Allgaier, übergab weitere 1000 Unterschriften zur Petition, sodass es jetzt 5000 sind. Allgiaer erklärte: "Unser Bestreben ist es, diesen Parcours mit einfachen Möglichkeiten weiter betreiben zu können." Das sei kein Freizeitpark, sondern ein Naturgelände für Bogenschießen. Bürgermeister Fabian Meschenmoser erklärte, dass ein Bogenparcours für die Gemeinde ein touristisches Highlight wäre: "Magetsweiler ist ein gutes Gelände, aber es bedarf einer Genehmigungsplanung."

Beim Vor-Ort-Termin auf dem Bogenparcours in Magetsweiler konnten sich die Mitglieder des Petitionsausschusses und Interessierte ein Bild vom Parkours in Magetsweiler machen.
Beim Vor-Ort-Termin auf dem Bogenparcours in Magetsweiler konnten sich die Mitglieder des Petitionsausschusses und Interessierte ein Bild vom Parkours in Magetsweiler machen. | Bild: Wolf-Dieter Guip

Der Leiter des Baurechtsamts im Gemeindeverwaltungsverband Markdorf, Thorsten Schneider, sagte, dass das Gelände im baurechtlichen Außenbereich liege und der Parcours nicht landwirtschaftlich privilegiert sei. Es gebe keine Baugenehmigung. Baurechtlich müsse der Flächennutzungsplan geändert, ein Bebauungsplan erstellt und dann ein Bauantrag gestellt werden. Auf Nachfrage des SÜDKURIER ergänzte Schneider, dass das Verfahren etwa eineinhalb Jahre in Anspruch nehmen würde und vielleicht Kosten in Höhe von 1500 Euro entstünden – während andere von bis zu 50 000 Euro sprachen. Das nahm der hinzugekommene Landtagsabgeordnete Klaus Hoher (FDP) zum Anlass, sich recht drastisch zu äußern und den Beamtenapparat anzuprangern.

Das könnte Sie auch interessieren

Auf emotionale Äußerungen verzichten

Wolfgang Wörner, Verwaltungswirt und Gesundheitscoach sowie Berater der Familie Allgaier, rief: "Deutschland, Deutschland – deine Ämter." Dafür gab es Beifall von rund 50 Zuhörern im Ratssaal in Wittenhofen. Was Jürgen Keck zum Anlass nahm, darauf zu verweisen, dass auf weitere Beifallskundgebungen und sonstige emotionale Äußerungen zu verzichten sei. Wörner argumentierte, dass der Bogenparcours ein zusätzliches Standbein zur Landwirtschaft der Familie Jehle sei. Ihnen gehören der Hof und das Gelände, auf dem der Parcours in Magetsweiler gelegen ist. Zum zukunftsfähigen Konzept der Familie gehöre neben der Landwirtschaft die Hofvermarktung und eben der Bogenparcours, der deshalb privilegiert sein sollte.

Albert Allgaier (links) erklärt dem Berichterstatter des Pettitionsausschusses, Jürgen Keck (rechts im Vordergund) das Vorgehen am Bogenparcours. Beim Ortstermin waren sehr viele Interessierte mit dabei.
Albert Allgaier (links) erklärt dem Berichterstatter des Pettitionsausschusses, Jürgen Keck (rechts im Vordergund) das Vorgehen am Bogenparcours. Beim Ortstermin waren sehr viele Interessierte mit dabei. | Bild: Wolf-Dieter Guip

Auch einen Bogenschützen ließ Jürgen Keck zu Wort kommen. Herbert Riether aus Pfullendorf sagte: "Ich hatte einen Burn-out und war krank. Mir hat das Bogenschießen als Therapie sehr geholfen." Er habe das Gefühl, es werde alles auf die leichte Schulter genommen und den Betreibern würden Steine in den Weg gelegt. Ein Mitarbeiter der Zieglerschen berichtete, dass er mit Suchtkranken regelmäßig aus therapeutischen Gründen den Bogenparcours nutze.

Albert Allgaier (links) erläutert den Mitgliedern des Petitionsausschusses und Zuhörern das Sicherheitskonzept des Bogenparcours in Magetsweiler.
Albert Allgaier (links) erläutert den Mitgliedern des Petitionsausschusses und Zuhörern das Sicherheitskonzept des Bogenparcours in Magetsweiler. | Bild: Wolf-Dieter Guip

Schlussendlich stellte Jürgen Keck fest, dass der Petitionsausschuss das Thema möglicherweise noch im Dezember diskutieren werde und eine Empfehlung vielleicht Anfang kommenden Jahres im Landtag aussprechen wird.

Das könnte Sie auch interessieren

Was bisher geschah

Der Gemeindeverwaltungsverband Markdorf (GVV) hatte im August 2009 zunächst die Baugenehmigung für den Bogenparcours in Lellwangen erteilt. Nach Beteiligung der Behörden, eines Sachverständigen und Anhörung von Nachbarn war diese Genehmigung erteilt worden, obwohl ein Nachbar Einwendungen wegen Bedenken in Sachen Lärmbelästigung durch Verkehr und Schießbetrieb erhoben hatte.

Auf einen Widerspruch des Nachbarn und einen Bedenkenerlass des Regierungspräsidiums hatte der GVV im April 2011 dem Nachbarn mit einem Abhilfebescheid Recht gegeben. Dagegen hatten die Parcoursbetreiber vor dem Verwaltungsgericht Sigmaringen geklagt – und verloren. Die Zulassung der Berufung zu diesem Urteil wurde vom Verwaltungsgerichtshof in Mannheim nicht zugelassen. Daraufhin hatte die Betreiberfamilie Allgaier Mitte 2017 die Sportanlage von Lellwangen nach Magetsweiler verlegt. Kurze Zeit später monierte das Baurechtsamt im GVV Markdorf die baulichen Anlagen in Magetsweiler. Bevor eine mögliche Schließung auch dieses Bogenparcours erfolgte, hatten die Betreiber den Petitionsausschuss im Landtag von Baden-Württemberg angerufen. Daraufhin konnte im Rahmen eines "Stillhalteabkommens" der Parcours weiterbetrieben werden – bis zum Abschluss des Petitionsverfahrens.