Frau Baumann, seit wann sind sie aktive Musikerin im Musikverein und welches Instrument spielen Sie?

Ich spiele seit 2011 in der aktiven Kapelle. Ich habe mit Klarinette angefangen und seit gut einem Jahr spiele ich jetzt Saxofon. Wir haben im Register Saxofon-Spieler gesucht und ich hatte mich schon immer für dieses Instrument interessiert. Und unser neuer Dirigenten Milan Nemec fördert das und ich nehme auch Unterricht bei ihm. Ich komme aus der Jugendkapelle Deggenhausertal und bin dort auch noch aktiv.

Was waren Ihre Gründe, dem Verein beizutreten und sich der Blasmusik zu verschreiben?

Eigentlich war es so, dass der Fritz Stotz – ehemals stellvertretender Vositzender im Musikverein – mich dazu motiviert hat und es war irgendwie ganz klar, dass ich dem Musikverein beitrete. Auch mein Vater und meine Oma sind passive Mitglieder. Es war für mich eine Selbstverständlichkeit. Zunächst hatte ich Blockflöte gelernt und dann habe ich mit meiner Schwester Unterricht bei Doris Leberer auf der Klarinette genommen. Dann entwickelte sich der klassische Werdegang in unserer Kapelle: Juka, Proben im MV und schlussendlich die Aufnahme bei den aktiven Musikern. Das erste große Konzert war dann das Kirchenkonzert in der Pfarrkirche Maria Königin in Untersiggingen. Das werde ich nicht vergessen, das war das Abschiedskonzert von unserem Dirigenten Wilfried Kessler – es war ein großartiges Konzert.

Haben Sie bisher schon Aufgaben im Musikverein wahrgenommen, die über das reine Musizieren hinausgingen?

Ja, ich war die letzten vier Jahre aktiver Beisitzer im der Vorstand. Und ich mache seit zwei Jahren die Ansagen bei Festen, Bühnenaufritten und weiteren Anlässen – gewissermaßen die Umrahmung der Auftritte. Außerdem war ich immer das Sprachrohr zwischen Jugendkapelle, Jugendleitern und Musikverein.

Bei der Hauptversammlung im März wurden Sie zur stellvertretenden Vorsitzenden gewählt. Wie ist es dazu gekommen?

Die Entscheidung, dass ich dieses Amt annehme, ist schlussendlich auf der Jahressitzung des Vorstands gefallen. Da ist das Thema das erste Mal auf den Tisch gekommen und mein Name ist das erste Mal gefallen. Verschiedene Vereinsmitglieder und Vorstände haben mich persönlich angesprochen und versucht, mich zu motivieren – „komm mach das, du bist die Richtige und wir werden dich unterstützen“. Es waren auch andere Namen im Gespräch, aber die haben abgelehnt. Es wurden auch Zweier- oder Dreier-Spitzen diskutiert. Ich war zu Anfang durchaus skeptisch. Aber Anton Rist und Markus Rief haben mich bestärkt und mir zugesichert: „Wir stehen hinter dir und stärken dir den Rücken.“ Ich habe mir das wirklich gründlich überlegt und dann entschieden, das Amt zu übernehmen. Entscheidend war schon, dass mir alle Vorstände Unterstützung zugesagt haben und auch die anderen Musikerinnen und Musiker haben mich in meiner Entscheidung bestärkt. Es war auch entschieden worden, die Inhalte der Position zu ändern und verschiedene Aufgaben auf mehrere Köpfe zu verteilen, um den zeitlichen Aufwand zu reduzieren.

Es ist kein Geheimnis, dass der Vorsitzende Anton Rist überwiegend repräsentative Aufgaben wahrnimmt. Sind Sie sich bewusst, dass ein erheblicher Arbeitsaufwand auf Sie zukommt?

Ja, das war und ist mir bewusst. Aber durch die Idee, die Aufgaben mehr aufzuteilen und aufzuschlüsseln, was wir geplant haben, gehe ich davon aus, dass es zu schaffen ist.

Welche Unterstützung haben Sie?

Für mich war auch noch sehr wichtig, dass die Ämter im Vorstand gut verteilt sind und ich weiß, dass ich mich auf diese Menschen 100-prozentig verlassen kann. Und alle sind sehr engagiert.

Vorstandstätigkeit ist nicht nur arbeitsintensiv, sondern Auflagen, gesetzliche Bestimmungen und vieles mehr legen Vereinsvorständen ein immer engeres Korsett an. Glauben Sie, dieser enormen Verantwortung gerecht werden zu können?

Ja, das glaube ich. Ich sehe es trotz alledem als sehr große Herausforderung an. Und da bin ich sehr froh, dass ich ganz viel Unterstützung auch von Markus Rief habe, der mir im Moment noch viel abnimmt. Und wenn immer ich Fragen habe, gibt es im Vorstand eine Person, an die ich mich wenden kann und die mit dem jeweiligen Thema vertraut ist – die wissen, wie der Hase läuft.

Ganz aktuell ist die neue EU-Datenschutzrichtlinie DSGVO eine große Herausforderung für alle Vereine. Wie sieht das im Musikverein aus?

Wir sind da mittendrin und nehmen das Thema in Angriff. Zu den ersten Schritten gehört, dass wir unseren Internet-Auftritt entsprechend überarbeiten. Auch überlegen wir, wo wir Einverständnis-Erklärungen nachfordern müssen und vieles mehr. Aber man darf das Thema auch nicht überstrapazieren.

Im musikalischen Bereich ist der Musikverein mit Milan Nemec als engagiertem Dirigenten bestens aufgestellt. Welches sind ihre Ziele zur künftigen Entwicklung des Vereins?

Eines meiner größten Ziele ist die Aufgabenverteilung im Vorstand und damit die Aufschlüsselung unter mehreren Personen. In Bezug auf die Gemeinschaft bin ich nach wie vor für Offenheit und mehr Transparenz zwischen Vorstand und Musikerinnen und Musikern. Was an oberste Stelle steht, ist die gute Kameradschaft und eine gut funktionierende Gemeinschaft – ein echtes Miteinander. Auch hier gelten Offenheit und Ehrlichkeit. Was dazu gehört, sind auch mal ein wenig anstrengendere Proben auf ein Konzert hin. Oder spaßige Dinge für die Gemeinschaft und die Kameradschaft – mal mit dem Bus gemeinsam irgendwohin fahren.

Es ist absehbar, dass Anton Rist sein Amt zur Verfügung stellen wird. Könnten Sie sich vorstellen, Vorsitzende des Musikvereins zu werden?

Darüber habe ich mir jetzt noch keine Gedanken gemacht. Ich habe jetzt gerade so viel in der Einarbeitung zu tun. Das ist aber ein ganz wichtiges Zukunftsthema, mit dem wir uns innerhalb des Vorstands befassen müssen.

Haben Sie eine Strategie, künftig weitere junge Menschen in die Vorstandscrew zu integrieren?

Aktuell haben wir einen sehr junge Vorstand, was mich sehr freut. Wir haben eine bunt gemischte Truppe und sind mit vielen Jungen gut aufgestellt. Das ist toll. Zur Mischung gehört auch, dass erfahrene Vorstandsmitglieder dabei sein müssen, die ihre Erfahrungen an die Jungen weitergeben.

Wie sehen Sie Ihre Position und die Situation des Vereins in zehn Jahren?

Zehn Jahre sind eine lange Zeit. Wir haben sehr viele junge, motivierte Musikerinnen und Musiker im Verein und man merkt, die möchten unbedingt dabei sein und die haben Spaß und das Miteinander ist toll. Der MV ist wie eine große Familie. Vor allem harmonieren Jung und Alt und es entstehen immer wieder Freundschaften. Sicherlich wird die Jugendarbeit schwieriger, aber wir haben gute Jugendleiter. Im Moment mache ich mir keine Sorgen um die Zukunft. Es gibt eine große Motivation im MV, der Vorstand steht hinter mir und es gibt positive Rückmeldungen von den Musikerinnen und Musikern.

FRAGEN: WOLF-DIETER GUIP