„Sankt Georg, lehr‘ uns streiten im harten Lebenskrieg. Steh‘ deinem Volk zur Seiten und führ uns an zum Sieg“, lauten die ersten Zeilen des St.-Georgs-Lieds, das als Grundlage der traditionellen Reiterprozession im Limpach gilt. Nicht zum Streiten, sondern zum Pilgern und Gedenken sind auch dieses Mal 15 Reitergruppen mit mehr als 260 Reitern sowie neun Musikkapellen und zahlreiche Pilger und Zuschauer in das beschauliche Dorf Limpach gekommen, das hoch über dem Deggenhausertal gelegen ist.

Nach Vorreiter Ingo Jehle bilden die Ministranten und die Erstkommunionskinder der Gemeinde Deggenhausertal die Spitze der Reiterprozession in Limpach.
Nach Vorreiter Ingo Jehle bilden die Ministranten und die Erstkommunionskinder der Gemeinde Deggenhausertal die Spitze der Reiterprozession in Limpach. | Bild: Wolf-Dieter Guip

Ohne dem kirchlichen Hintergrund der Prozession – der vom Festkomitee stets in den Mittelpunkt gestellt wird – Abbruch zu tun, ist schon der Auftritt der Reitergruppen auf dem Kirchplatz ein besonderes Schauspiel und Erlebnis. Das Schnauben der Pferde, gelegentliches Wiehern und das eine oder andere Ross, das etwas nervös hin und her trappelt sowie der typische Pferdeduft vermitteln eine einzigartige Atmosphäre. Nach Willkommensgrüßen und einem kurzen Gebet segnete Pfarrer Jürgen Schmidt Pferde, Reiter und Pilger. Dann formierte sich die eindrucksvolle Prozession und bereits seit mehr als zehn Jahren in Folge setzte sich Ingo Jehle aus Limpach als Vorreiter an die Spitze der schier endlos scheinenden Reiterprozession.

Unter dem Triumphbogen in Limpach hindurch: die Reitergruppe Deggenhausertal, beobachtet von Zuschauern am Straßenrand.
Unter dem Triumphbogen in Limpach hindurch: die Reitergruppe Deggenhausertal, beobachtet von Zuschauern am Straßenrand. | Bild: Wolf-Dieter Guip

Seit Jehle neun Jahre alt ist, reitet er beim Georgiritt mit und hat die Aufgabe als Vorreiter von seinem Vater übernommen. Es schlossen sich an die Ministranten mit Kreuz und Fahnen, die Erstkommunionkinder mit der Agnesfahne und der Muttergottesfahne sowie die Seelsorgeeinheit Deggenhausertal, ebenfalls mit Fahnen und der Georgsfahne sowie schließlich die Pfarr- und Gemeinderäte mit Bürgermeister Fabian Meschenmoser und einer Fahnenabordnung des Deutschen Roten Kreuzes Deggenhausertal.

Larissa (10), Reitergruppe Taldorf: „Ich reite seit zwei Jahren und bin schon etwas aufgeregt, weil ich in diesem Jahr das erste Mal beim Georgiritt dabei bin.“
Larissa (10), Reitergruppe Taldorf: „Ich reite seit zwei Jahren und bin schon etwas aufgeregt, weil ich in diesem Jahr das erste Mal beim Georgiritt dabei bin.“ | Bild: Wolf-Dieter Guip

Hinter diese Spitzengruppe reihten sich jeweils im Wechsel die Reitergruppen und Musikkapellen ein und schlussendlich eine gute Anzahl Pilger, woraus sich eine ansehnliche Prozession ergab. Von Limpach über Höge, die Leustetter Höfe und wieder zurück, bewältigten alle gemeinsam gut vier Kilometer Strecke.

Neben Festorganisatoren, Ordnern, Tierärztin und Polizei gehört das Deutsche Rote Kreuz, Ortsverein Deggenhausertal, zu den wichtigen Nichtreitern der Prozession.
Neben Festorganisatoren, Ordnern, Tierärztin und Polizei gehört das Deutsche Rote Kreuz, Ortsverein Deggenhausertal, zu den wichtigen Nichtreitern der Prozession. | Bild: Wolf-Dieter Guip

Unter den zahlreichen Pilgern und Schaulustigen waren beispielsweise Rosa und Siegfried Roth aus Beckenweiler: „Unsere Tochter, der Schwiegersohn und die Schwiegertochter spielen in der Musikkapelle Horgenzell, deshalb sind wir mit den Enkeln hergekommen.“ Familie Kiefer aus Hasenweiler sei früher selbst mitgeritten, aber nun seien die Jungen an der Reihe. Markus Buck aus Altshausen und Natalie Denz aus Ravensburg erklärten: „Wir kommen jedes Jahr nach Limpach, weil unsere Partner mitreiten... aber in diesem Jahr ist es wirklich sehr kalt.“

Anton Wahl (75), Blutreitergruppe Ravensburg, zum 46. Mal dabei: „Vor über 40 Jahren haben wir Pferde aus dem Deggenhausertal geholt und wurden ‚verpflichtet‘, dafür beim Georgiritt mitzureiten.“
Anton Wahl (75), Blutreitergruppe Ravensburg, zum 46. Mal dabei: „Vor über 40 Jahren haben wir Pferde aus dem Deggenhausertal geholt und wurden ‚verpflichtet‘, dafür beim Georgiritt mitzureiten.“ | Bild: Wolf-Dieter Guip

Etwas enttäuscht war Josef Schädler, seit 15 Jahren Chef der Reitergruppe Schmalegg: „Ich bin bestimmt schon 30 Mal beim Georgiritt in Limpach mitgeritten aber in diesem Jahr geht es nicht, weil mein Pferd krank ist.“ Und so blieb ihm nichts anderes übrig, als die große Reiterschar zu beobachten, die bei gefühlten 5 Grad Celsius teilweise mit Regenschutz an der Prozession teilgenommen haben. Jedoch haben Reiter, Musikkapellen und Pilger großes Glück, denn der befürchtete Regen blieb aus.

Video: Wolf-Dieter Gup