In seiner Sitzung am Dienstagabend entschied der Gemeinderat, den Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan für das Gewerbegebiet "Ziegelei IV" und die Einleitung der frühzeitigen Beteiligung der Öffentlichkeit auf die Februarsitzung des Gremiums zu verschieben. Es geht hier um die Erweiterung des bestehenden Gewerbegebiets in Deggenhausen, das in nördlicher Richtung um knapp vier Hektar wachsen soll. Die reine Baugrundstücksfläche wird allerdings nur rund 2,5 Hektar groß sein, weil die Fläche für Oberflächenwasserbewirtschaftung recht viel Platz einnimmt.

Bereits im Jahr 2008 hatte der Gemeinderat eine Erweiterung dieses Gewerbegebiets beschlossen, jedoch war in Ermangelung von Nachfrage seitens Gewerbetreibender das Verfahren nicht weiterverfolgt worden. Nachdem Gewerbetreibende jetzt Interesse an Erweiterungen angemeldet haben und der letzte Aufstellungsbeschluss bereits zwei Jahre zurückliegt, war jetzt aus formalen Gründen eine erneute Aufstellung sinnvoll. Dies, zumal sich die Umstände geändert haben. So möchte ein bereits ansässiger Betrieb die Erschließung der Erweiterung über den bestehenden Gemeindesverbindungsweg vornehmen, um sein Grundstück nicht zu zerschneiden.

Während der aktuellen Sitzung erläuterte Landschaftsarchitekt Helmut Hornstein aus Überlingen drei Planalternativen. Die dritte Alternative berücksichtigte die Wünsche des bereits ansässigen Betriebs. Grundsätzlich plädierten mehrere Räte für eine Erschließung direkt über die Landestraße 207, weil eine Parzellierung des neuen Gebiets so wohl am besten möglich wäre. Bürgermeister Fabian Meschenmoser gab zu bedenken: "Eine Prüfung dieser Lösung hat ergeben, dass das Regierungspräsidium die Erschließung über die L 207 ablehnt und demnach ein hierzu notwendiges Verfahren sehr lange dauert und kaum Aussicht auf Erfolg hat." Die vom ansässigen Gewerbebetrieb favorisierte dritte Variante kristallisierte sich im Rahmen der Diskussion als die am ehesten akzeptable Lösung heraus. Gemeinderat Herbert Kopp sagte: "Nachdem die ersten beiden Varianten nicht durchführbar sind, bleibt nur die dritte Variante." Allerdings sei die damit verbundene Sackgassen-Situation mit Wendeplatte unzureichend, zumal die meisten Lastwagen heute mit Sattelauflieger fahren würden und diese Situation für ein Gewerbegebiet unhaltbar sei, wie man im Gewerbegebiet Untersiggingen sehen könne. Kopp schlug vor, eine Ringstraße einzurichten und diese über den Gemeindeverbindungsweg zu führen.

Nachdem sich mehrere Gemeinderäte dieser Idee anschlossen, wurde Hornstein beauftragt, für die nächste Sitzung eine vierte Variante auszuarbeiten. Wobei sowohl Bürgermeister Fabian Meschenmoser als auch mehrere Räte anmahnten, zu einer baldigen Entscheidung zu kommen, um den interessierten Gewerbetreibenden die Möglichkeit zur Erweiterung beziehungsweise zur Neuansiedlung zu ermöglichen.

 

Gewerbegebiete in Deggenhausertal

Das Wirtschaftsleben in Deggenhausertal wird im Wesentlichen durch Handel, Handwerk und Gewerbe, die Landwirtschaft und den Tourismus bestimmt. Neben der Gewerbeeinheit der Firmen Rößler und Mutter am Ortseingang von Untersiggingen gibt es großzügige Gewerbegebiete in Untersiggingen, Mennwangen und Deggenhausen.

Das Gewerbegebiet in Untersiggingen (hier die Einfahrt) umfasst rund sechs Hektar. Hier sind 20 Gewerbebetriebe ansässig. Die Internet-Infrastruktur ist nicht optimal, ist nur langsame Vectoring-Technik verfügbar.
Das Gewerbegebiet in Untersiggingen (hier die Einfahrt) umfasst rund sechs Hektar. Hier sind 20 Gewerbebetriebe ansässig. Die Internet-Infrastruktur ist nicht optimal, ist nur langsame Vectoring-Technik verfügbar. | Bild: Wolf-Dieter Guip

Sofern Grundstücke vorhanden sind – Grundstückeigentümer sind derzeit eher weniger an einem Verkauf interessiert – und Gewerbebetriebe Interesse zeigen, sieht Hauptamtsleiter Peter Nothelfer derzeit keine großen Probleme, zusätzliche Gewerbeflächen auszuweisen. Allerdings seien die Nachfragen von Betrieben, die von außerhalb kommen, eher an kleinen Flächen zwischen 1000 und 1500 Quadratmetern interessiert.

Das Gewerbegebiet in Mennwangen umfasst rund vier Hektar. Sieben Gewerbetriebe haben sich hier niedergelassen. Es ist geplant, hier in absehbarer Zeit Glasfaser bis ins Haus ("FTTB") zu verlegen.
Das Gewerbegebiet in Mennwangen umfasst rund vier Hektar. Sieben Gewerbetriebe haben sich hier niedergelassen. Es ist geplant, hier in absehbarer Zeit Glasfaser bis ins Haus ("FTTB") zu verlegen. | Bild: Wolf-Dieter Guip

Eine Gemeinde überlegt sich die Ausweisung von Gewerbegebieten auch sehr genau, weil die Grundstückspreise für Gewerbe stark subventioniert sind. Auch seien Behörden heute eher regressiver, auch Umweltauflagen erschwerten die Ausweisung. Und was hat die Gemeinde, was haben die Einwohner von den Gewerbegebieten beziehungsweise von den Betrieben, die dort ansiedeln? Die Unternehmen bieten Arbeitsplätze und zahlen Gewerbesteuer. Mit dem Anteil, den die Gemeinde erhält, werden Investitionen vor Ort finanziert, die allen Bürgern zugutekommen: Unterhalt von Schule und Kindergärten, Sanierung der Alfons-Schmidmeister-Halle und vieles mehr. Die Gewerbesteuereinnahmen beliefen sich 2016 auf 2,0 Millionen Euro, für 2017 wird mit 1,4 Millionen Euro gerechnet, 2018 mit 1,6 Millionen Euro.

Das Gewerbegebiet in Deggenhausertal ist sechs Hektar groß und soll um vier Hektar, davon 2,5 Hektar bebaubar, erweitert werden. Zwei der neun Firmen möchten erweitern. Mit Unternehmen von außerhalb werden Gespräche geführt.
Das Gewerbegebiet in Deggenhausertal ist sechs Hektar groß und soll um vier Hektar, davon 2,5 Hektar bebaubar, erweitert werden. Zwei der neun Firmen möchten erweitern. Mit Unternehmen von außerhalb werden Gespräche geführt. | Bild: Wolf-Dieter Guip

 

Entwicklung der Gewerbesteuer in Deggenhausertal

2009 1,1 Millionen Euro

2010 1,0 Millionen Euro

2011 1,7 Millionen Euro

2012 1,3 Millionen Euro

2013 1,0 Millionen Euro

2014 1,3 Millionen Euro

2015 1,7 Millionen Euro

2016 2,0 Millionen Euro

2017 1,4 Millionen Euro*

2018 1,6 Millionen Euro*

* Planwerte. Anmerkungen: Die Gemeinde erhält nur einen Teil der Gewerbesteuereinnahmen und in der Folge hoher Einnahmen sinken auch der Finanzausgleich sowie die Schlüsselzuweisungen des Landes. Auf der anderen Seite erhält sie noch einen Anteil an der Einkommensteuer von allen Steuerpflichtigen der Gemeinde.