Eigentlich solle Landwirtschaft Spaß machen, doch der stetig ausufernde Regulierungs- und Dokumentationszwang vonseiten der Europäischen Union (EU) nehme den Landwirten die Luft zum Atmen. So fasste Norbert Steidle, Vorsitzender des Ortsvereins Deggenhausertal des Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverbands (BLHV), die aktuelle Stimmungslage bei der Jahresversammlung im Gasthaus Zum Ochsen in Roggenbeuren zusammen. Der "unangemessene Durchführungsverordnungswahn" sei für alle Landwirte nur noch enorm belastend. "Es wird Zeit, alles wieder auf eine realistische Ebene zu bringen und wir wieder mehr Zeit draußen auf den Feldern als im Büro verbringen können", sagt Steidle weiter. Bis zu fünf Kontrollen von staatlicher Seite im Jahr seien einfach zu viel, das sei bei keinen anderen Handwerksbetrieben so. Große Hoffnungen setzt er auf die EU-Agrarreform 2020: "Hoffentlich werden, wie angekündigt, wieder viele Aufgaben auf die Bundes- und Landesebene abgegeben."

Ganz anders verhält es sich für ihn bei der Zusammenarbeit mit der Gemeinde, hier habe man eine starke und produktive Kooperation. "Der von der Gemeinde zur Verfügung gestellte Agrartropf ist eine sinnvolle Sache, da dadurch Kosten gespart werden können", so Steidle. Als Beispiel führte er den Feldwegebau an, der von den Landwirten übernommen wird. "So kostete etwa der Feldweg am Lellwanger Zindel-Sinnenberg – wenn er ausgeschrieben worden wäre – statt 2541 nur 364 Euro."

Ein wichtiges Thema ist für Landwirte der Erhalt und die Pflege von sogenannten "Mageren Flachlandmähwiesen im FFH-Gebiet" ("Flora-Fauna-Habitat"). Darüber gaben Jasmin Seif und Daniel Doer vom Landschaftserhaltungsverband Bodenseekreis in einem Vortrag Auskunft. Unter anderem wurde die Frage behandelt, ob man auf einer durch die Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie geschützten Wiese Hochstammbäume anpflanzen darf. Dazu Seif: "Grundsätzlich ja, jedoch sollte man, um einen Rückgang der Artenvielfalt zu vermeiden, einen Abstand von zehn bis 15 Metern einhalten."