Bei der Aufstellung des Managementplans "Natura 2000 – Deggenhauser Tal" geht es im Wesentlichen um die Festlegung von Schutzgebieten, um die biologische Vielfalt des Naturerbes für nachfolgende Generationen zu erhalten. Als eines der letzten Gebiete in Baden-Württemberg, für das die Richtlinien der Europäischen Union zum Vogelschutz und FFH-Gebiete (Fauna, Flora, Habitat – Tiere, Pflanzen, Lebensraum) umgesetzt werden sollen, gilt das Deggenhauser Tal.

"Es geht hier um 23 Teilflächen mit 812 Hektar, überwiegend auf der Gemarkung der Gemeinde Deggenhausertal sowie Teilstücke in Heiligenberg und Salem", erklärte Carsten Wagner von Regierungspräsidium (RP) Tübingen. Die Behörde hatte zu einer Informationsveranstaltung ins Feuerwehrgerätehaus in Wittenhofen eingeladen. Ziel ist es, einen Managementplan zu erstellen. Mehr als 60 Besucher, darunter viele Landwirte und Grundstücksbesitzer, waren gekommen.

Das Podium bei der Auftaktveranstaltung zum Managementplan Natura 2000 in Wittenhofen (von links): Carsten Wagner, René Szymkowiak, Urs Hanke, Jochen Kübler und Silke Jäger.
Das Podium bei der Auftaktveranstaltung zum Managementplan Natura 2000 in Wittenhofen (von links): Carsten Wagner, René Szymkowiak, Urs Hanke, Jochen Kübler und Silke Jäger. | Bild: Wolf-Dieter Guip

Umsetzung im Jahr 2020

Zum Ablauf der Entwicklung des Managementplans sagte Wagner: "Nach dieser Informationsveranstaltung wird das beauftragte Büro – "365 Grad – Freiraum und Umwelt" – aus Überlingen die betreffenden Flächen begehen, bewerten und die Basis für den Managementplan schaffen." 2019 wird ein Beirat mit Orts- und Fachkundigen den Plan diskutieren und er wird öffentlich ausgelegt. Dann wird die Endfassung erstellt und ab dem Jahr 2020 erfolgt die Umsetzung, die zeitlich nicht limitiert ist.

Carsten Wagner, Urs Hanke und Silke Jäger vom Regierungspräsidium sowie Jochen Kübler vom Büro 365 Grad erläuterten im Detail das Verfahren. Die Bewirtschaftung der betroffenen Flächen werde weiter wie bisher möglich sein, aber nicht zu Lasten von Tiere, Pflanzen und natürlichen Lebensräumen, so die Experten. Ein Landwirt bemängelte, dass seine Hofstelle gewissermaßen vom FFH-Gebiet umzingelt ist – ob denn dann bauliche Erweiterungen noch möglich seien? Silke Jäger dazu: "Der Plan soll ein zusammenhängendes Gebiet darstellen. Da bauliche Erweiterungen einen Eingriff in das FFH-Gebiet bedeuten, muss im konkreten Fall das Landratsamt entscheiden." Jochen Kübler ergänzte: "Ich bin mir ganz sicher, dass es in diesem Fall eine Lösungsmöglichkeit gibt."

Experten machen Landwirten Hoffnung

Ein anderer Landwirt reklamierte, dass eine Grundstückzunge bei ihm als FFH-Gebiet ausgewiesen sei, die er intensiv als Grünland genutzt hat. Jäger betonte, dass die Festlegung der Gebiete eine politische Entscheidung gewesen sei. Kübler sagte: "Wenn Sie die Fläche bisher intensiv genutzt haben, können Sie das auch in Zukunft." Auch Heiligenbergs Bürgermeister Frank Amann wandte sich an die Experten: "Ist dann ein Ausbau der Landesstraße 207 zwischen Echbeck und Deggenhausen parallel der Deggenhauser Aach künftig nicht mehr möglich?" "Das FFH-Gebiet ist da kein Ausschlusskriterium. Ausschlaggebend ist hier die Umweltverträglichkeitsprüfung des Regierungspräsidiums", meinte Jochen Kübler. Und auf die Frage eines Bauern, dass sein Acker im Entwurf als Mähwiese kartiert wurde und ob man dies ändern könne, sagte Kübler: "Wenn das ein Acker ist, bleibt das auch ein Acker."

Die Deggenhauser Aach

Im Bodenseehinterland fließt die Deggenhauser Aach durch ein rund 25 Kilometer langes Tal. Hier ist die Landschaft kleinbäuerlich und kleinteilig geprägt und sehr abwechslungsreich. Die Talhänge sind mit Waldmeister-Buchen- und Mischwäldern bedeckt. Im Tal selbst gibt es magere Flachland-Mähwiesen oder Magerkalkrasen. In den Seitenbächen der Deggenhauser Aach, teils in engen Tobeln, gibt es Lebensräume für Groppe und Steinkrebs.

Norbert Steidle, Ortsvorsitzender des Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverbands, Land- und Gastwirt: "Ich sehe das kritisch, weil es ein Eingriff in privates Gelände ist." Er könne das Gebiet nicht mehr nutzen, wie er es will. "Das eine Enteignung – das muss man mal klarstellen", sagt Steidle. Er dürfe das FFH-Gelände nicht verändern und wenn er eine schlechte Fläche in Wald umwandeln will, gehe das nicht. Die Landwirtschaft wandle sich, die Flächen müssten anders genutzt werden – das gehe dann nicht mehr. Landwirte könnten nicht mehr flexibel reagieren.
Norbert Steidle, Ortsvorsitzender des Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverbands, Land- und Gastwirt: "Ich sehe das kritisch, weil es ein Eingriff in privates Gelände ist." Er könne das Gebiet nicht mehr nutzen, wie er es will. "Das eine Enteignung – das muss man mal klarstellen", sagt Steidle. Er dürfe das FFH-Gelände nicht verändern und wenn er eine schlechte Fläche in Wald umwandeln will, gehe das nicht. Die Landwirtschaft wandle sich, die Flächen müssten anders genutzt werden – das gehe dann nicht mehr. Landwirte könnten nicht mehr flexibel reagieren. | Bild: Wolf-Dieteer Guip
Rolf Servos, Ortsvorsitzender des Bundes für Umwelt und Naturschutz, Deggenhausertal: "Ich finde Natura 2000 sehr gut, weil Experten die Natur im Tal exakt untersuchen." Es gehe jetzt vorwiegend um die Deggenhauser Aach und das Tal. Hier gebe es sehr schützenswerte Pflanzen und Tiere. Dazu gehörten interessante Vogelarten, Fluss- und Edelkrebse; außerdem gebe es mehrere Orchideen-Standorte im Tal. Wenn es Schwierigkeiten mit Landwirten und Grundstückseignern gebe, müsse man miteinander und nicht übereinander reden, damit die Natur davon profitiere.
Rolf Servos, Ortsvorsitzender des Bundes für Umwelt und Naturschutz, Deggenhausertal: "Ich finde Natura 2000 sehr gut, weil Experten die Natur im Tal exakt untersuchen." Es gehe jetzt vorwiegend um die Deggenhauser Aach und das Tal. Hier gebe es sehr schützenswerte Pflanzen und Tiere. Dazu gehörten interessante Vogelarten, Fluss- und Edelkrebse; außerdem gebe es mehrere Orchideen-Standorte im Tal. Wenn es Schwierigkeiten mit Landwirten und Grundstückseignern gebe, müsse man miteinander und nicht übereinander reden, damit die Natur davon profitiere. | Bild: Wolf-Dieter Guip
Elmar Reisch, Revierförster und Naturschutzbeauftragter des Regierungspräsidiums Tübingen: "Die ausgewiesenen FFH-Gebiete müssen dann in ihrem Zustand nicht verändert werden." Deshalb werde der Managementplan erstellt, damit man wisse, was in dem Gebiet besonders ist und was geschützt werden muss. Beim Artenschutz gehe es eher um kleine Flächen und bei den Lebensräumen um größere Gebiete. "In der Diskussion muss man berücksichtigen, dass nichts so heiß gegessen wird, wie es gekocht wird", ist sich Elmar Reisch sicher.
Elmar Reisch, Revierförster und Naturschutzbeauftragter des Regierungspräsidiums Tübingen: "Die ausgewiesenen FFH-Gebiete müssen dann in ihrem Zustand nicht verändert werden." Deshalb werde der Managementplan erstellt, damit man wisse, was in dem Gebiet besonders ist und was geschützt werden muss. Beim Artenschutz gehe es eher um kleine Flächen und bei den Lebensräumen um größere Gebiete. "In der Diskussion muss man berücksichtigen, dass nichts so heiß gegessen wird, wie es gekocht wird", ist sich Elmar Reisch sicher. | Bild: Wolf-Dieter Guip
Matthäus Sturm, Landwirt, bei dem der Managementplan Rotach-Bodensee bereits abgeschlossen ist: "Die Umsetzung des Plans erfolgt von oben, die Landwirte werden nicht gefragt." Er sei für den BLHV im Beirat gewesen und man habe da keinen Einfluss, keine Einspruchsmöglichkeit. "Ich habe im Moment noch keine Probleme, aber wenn ich auf meinem Hof bauen möchte, geht das nur über die Behörden und es müssen Gutachten erstellt werden – und die kosten Geld." Die Landwirtschaft ändere sich laufend. Wenn etwas verpachten werden soll, gebe es auch Probleme.
Matthäus Sturm, Landwirt, bei dem der Managementplan Rotach-Bodensee bereits abgeschlossen ist: "Die Umsetzung des Plans erfolgt von oben, die Landwirte werden nicht gefragt." Er sei für den BLHV im Beirat gewesen und man habe da keinen Einfluss, keine Einspruchsmöglichkeit. "Ich habe im Moment noch keine Probleme, aber wenn ich auf meinem Hof bauen möchte, geht das nur über die Behörden und es müssen Gutachten erstellt werden – und die kosten Geld." Die Landwirtschaft ändere sich laufend. Wenn etwas verpachten werden soll, gebe es auch Probleme. | Bild: Wolf-Dieter Guip
"Es geht hier um 23 Teilflächen mit 812 Hektar, überwiegend auf der Gemarkung der Gemeinde Deggenhausertal sowie Teilstücke in Heiligenberg und Salem", sagt Carsten Wagner von Regierungspräsidium Tübingen.
"Es geht hier um 23 Teilflächen mit 812 Hektar, überwiegend auf der Gemarkung der Gemeinde Deggenhausertal sowie Teilstücke in Heiligenberg und Salem", sagt Carsten Wagner von Regierungspräsidium Tübingen. | Bild: Wolf-Dieter Guip
Landwirt Hubert Felix (links) diskutiert an einer Landkarte mit Carsten Wagner (Mitte) vom Regierungspräsidium.
Landwirt Hubert Felix (links) diskutiert an einer Landkarte mit Carsten Wagner (Mitte) vom Regierungspräsidium. | Bild: Wolf-Dieter Guip