Das Jubiläum ging nicht ohne Blutvergießen über die Bühne: Beim jüngsten Spendentermin überreichte der Blutspendedienst Ulm dem Ortsverein Deggenhausertal eine Urkunde für 50 Jahre Blutspendetermine. Alle Helfer und Spendenwillige erhielten Jubiläumsbecher.

13 Ehrenamtliche helfen bei den Terminen

Mehr wurde und wird nicht gefeiert. „Wir haben genug andere Arbeit“, sagt Bereitschaftsleiter Josef Bentele. Die anderen in der Runde, die zum 14-tägigen Dienstabend gekommen sind, nicken. Das Jubiläum ist aber Anlass für den SÜDKURIER, sich nach den Anfängen, dem Wandel und weiteren Themen rund um die Blutspende zu erkundigen. 13 Ehrenamtlichen sind es derzeit, die durch ihre Mitarbeit bei den Blutspendeterminen helfen, Leben zu retten.

Anfangs fanden die Termine in der Schule statt

Wie Josefine Schlude: Die stellvertretende Bereitschaftsleiterin ist seit 45 Jahren aktiv dabei. Sie erinnert sich noch an die Anfänge der Blutspendetermine in der Schule. „Die Klassenzimmer wurden ausgeräumt, in der Küche wurden Vesperteller hergerichtet und Getränke bereitgestellt. Sogar Bier und Wein“, weiß die 66-Jährige. Letzteres wurde aber zwei Jahre später gestrichen, denn der Alkohol wirkte nach der Blutspende viel schneller und die meisten Spender mussten noch Auto fahren.

Seit 105 Jahren existiert das Deutsche Rote Kreuz Deggenhausertal, seit 50 Jahren werden Blutspendetermine angeboten.
Seit 105 Jahren existiert das Deutsche Rote Kreuz Deggenhausertal, seit 50 Jahren werden Blutspendetermine angeboten. | Bild: Verein

Schüler mussten die Klassenzimmer ausräumen

Da Rektor Eberhard Ritzmann auch Leiter des DRK war, war es ein Leichtes, den Schülern die Aufgabe des Ausräumens zu übertragen. Dennoch war es umständlich und „ein Mordsaufwand“, jeden Spender die Treppen hinauf und hinab zu begleiten und die Vesperteller nach oben zu jonglieren. Das habe viel Personal beansprucht, sodass nach Fertigstellung der Alfons-Schmidmeister-Halle die Termine Anfang der 90er Jahre dorthin verlegt wurden.

Anfang der 90er Umzug in die Alfons-Schmidmeister-Halle

Das führte zu großen Diskussionen in der Gemeinde: „Niemand konnte sich vorstellen, wie das in einem einzigen Raum bewerkstelligt werden sollte“, berichtet Josef Bentele. Vorher gab es einen Ruhe- und Entnahmeraum, eine getrennte Küche und das Labor. Nun mussten spanische Wände als Sichtschutz aufgestellt und alles umorganisiert werden. „Nach dem ersten Termin in der Halle wollte aber niemand mehr zurück in die Schule“, sagt Bentele.

Diskussion um Umstellung auf Buffet

Debattiert wurde auch über die Umstellung der Vesperteller aufs Buffet. Heute wird nur noch darüber gesprochen, wie lecker das Angebot von Pikantem und Kuchen ist, das nicht nur ehemalige Einheimische, sondern auch Spender aus Meersburg, Überlingen, Markdorf und Ailingen nach Wittenhofen zieht. Der Blutspendetermin ist zum geselligen, gemütlichen Treffpunkt geworden und die Verweildauer der Spender übertrifft manchmal das etwa einstündige Prozedere der Spende selbst um einiges.

18 Salate zur Auswahl – "kommt nichts aus dem Kübel"

„Beim Buffet kann sich jeder das schöpfen und nehmen, was er mag. Seit der Umstellung müssen wir fast nichts mehr wegwerfen“, sagt Bereitschaftsleiterin Anita Reger. Das Team macht und kauft alles selbst; letzthin standen 18 Salate zur Auswahl. „Bei uns kommt nichts aus dem Kübel.“ Da bekommt das Wort „Mundpropaganda“, mit der auch Erstspender angeworben werden, eine ganz wörtliche Bedeutung.

Betreuung für Kinder der Spender

Ein Pluspunkt ist außerdem die Kinderbetreuung durch zwei bis drei Helfer, sodass auch Mütter gern zur Blutspende kommen. Mit den Kleinen wird gebastelt und gespielt.

Datenschutz macht Umorganisation nötig

Änderungen gab es immer wieder. Zuletzt forderten die neuen Datenschutzrichtlinien eine Umorganisation; die Abstände zwischen den Liegen mussten vergrößert, die Raumaufteilung musste anders gestaltet werden. Auch der Umgang zwischen der tonangebenden Blutspendezentrale in Ulm und dem Ortsverein änderte sich, vom „Befehlsempfänger“ zum gleichgestellten Miteinander.

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Geld für den Ortsverein, Gesundheitscheck und Vesper für Spender

Eine Win-Win-Situation ist das Blutspenden: Der DRK-Ortsverein erhält eine Pauschale und eine „Kopfprämie“, mit dem er sich teilfinanziert. Die Spender erhalten einen kostenlosen Gesundheitscheck samt Blutspendeausweis und Vesper. Viele berichten davon, dass ihnen die Bluterneuerung nach der Spende gut tut, sie beispielsweise den Blutdruck senkt. „Ich hatte mal einen Mann, der musste gesundheitsbedingt spenden. Wäre er nicht bei uns gewesen, hätte er ins Krankenhaus gemusst“, erzählt Helfer Peter Maric.

Helfer gönnen sich alle zwei Jahre einen Ausflug

Spaß macht es dem vielfältig engagierten Team im DRK, „weil wir eine sehr nette Truppe sind und die Kameradschaft stimmt“. Diese wird auch durch einen alle zwei Jahre stattfindenden eintägigen Ausflug gefestigt.

Jugendrotkreuz soll wiederbelebt werden

Eine kleine Hoffnung auf eine Wiederbelebung des Jugendrotkreuzes und damit Nachwuchs hat die Truppe: Zwei junge Frauen könnten sich vorstellen, eine solche Gruppe zu übernehmen. 75 Prozent der Schüler der Erste-Hilfe-AG, die Josef Bentele betreut, würden sicher mitmachen, meint er. Er und seine Mitstreiter sind jedenfalls „Überzeugungstäter“: „Es macht einfach Spaß, anderen zu helfen.“ Im Zweifelsfall helfen sie in irgendeiner Form, Leben zu retten. Wie mit den Blutspendeterminen.

34.529 Menschen spendeten bereits Blut

  • Der DRK-Ortsverein Deggenhausertal wurde 1913 von 18 Bürgern gegründet. Mitunter hatte der Verein 40 Mitglieder, aktuell sind es 13.
  • Josef Bentele und Anita Reger sind Bereitschaftsleiter, den Vorsitz des Vereins hat Bürgermeister Fabian Meschenmoser. Seit 50 Jahren führt der Verein Blutspenden durch. In den fünf Jahrzehnten wurden 34 529 Menschen zur Ader gelassen. Das entspricht 17 264,5 Litern Blut. 1968/69 gab es einen Blutspendetermin jährlich, ab 1970 zwei, ab 1990 drei, ab 1997 vier und ab 2008 wurden fünf Termine angeboten.
  • Blut spenden darf jeder gesunde Mensch ab 18 Jahren bis zu vollendeten 68 Jahren; nach individueller ärztlicher Entscheidung bis zum 73. Geburtstag. Erstspender dürfen nicht älter als 65 sein. Ist der Blutdruck zu niedrig oder die Karenzzeit vom Urlaub in von Krankheitserregern bedrohten Ländern oder Regionen nicht eingehalten, werden Spendewillige ebenso abgewiesen wie Schwangere, relativ frisch Operierte und Tätowierte.
  • Die Blutspende dauert vom Einchecken bis zum Ende durchschnittlich eine Stunde. Vor jeder Spende wird ein Fragebogen ausgefüllt. Anschließend werden im Labor Puls, Blutdruck und Eisenwerte gemessen und wenn der Arzt sein Okay gibt, geht es zum Spenden. Dieser Vorgang dauert 10 bis 15 Minuten. In Deggenhausertal werden Spender von 15 bis 19.30 Uhr angenommen. (keu)