In den vergangenen Jahrzehnten hat sich der Bestand an Bibern, die hervorragende Baumeister sind, durch konsequente Schutzmaßnahmen erhöht. Auch an der Deggenhauser Aach sind die scheuen Nagetiere seit etwa zwei Jahren heimisch, erzählt Rolf Servos, Vorsitzender des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) Deggenhausertal.

Durch das Anlegen von Dämmen wird das Wasser der Deggenhauser Aach aufgestaut und tritt im Randbereich über die Ufer.
Durch das Anlegen von Dämmen wird das Wasser der Deggenhauser Aach aufgestaut und tritt im Randbereich über die Ufer. | Bild: Gabriele Münzer

Heute lebt dort seiner Vermutung nach eine ganze Biberfamilie mit zwei Elterntieren und zwei bis vier Jungen. Zu Gesicht bekommen hat Servos die nachtaktiven, scheuen Tiere noch nicht. Die rege Bautätigkeit am Bach ließe jedoch auf mehrere Biber schließen.

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Gemeinsam mit dem Naturschützer macht sich der SÜDKURIER auf, den Lebensraum der Nagetiere samt Bauwerke zu besichtigen. Der Weg dorthin führt über ausgedehnte Wiesen. Wenige Meter vor der Aach wird es nass – erste sichtbare Folge der Biberdämme. Das Wasser des Bachs tritt hier über die Ufer. Ohne Gummistiefel kommt man nicht weiter.

Biber haben ganze Arbeit geleistet

Ein kleines Stück bachwärts finden sich augenscheinliche Spuren der Bewohner. Neben gefällten Bäumen, deren Stämme an gespitzte Bleistifte erinnern, stauen zwei kleine Dämme die Deggenhauser Aach merklich auf. Einige Schritte weiter am Bachlauf entlang zeigt sich, dass die Biber ganze Arbeit geleistet haben. Neben zwei Bauen, auch Biberburgen genannt, schlängelt sich ein mehrere Meter langer Damm über und neben dem Bach entlang. Aus der Aach mit ursprünglich vielleicht 50 Zentimetern Tiefe ist ein etwa doppelt so tiefes Gewässer entstanden, das am Ufer kleine Seen bildet.

Ein vom Biber gefällter Baum. Für das Abnagen eines Baumstamms dieser Dicke benötigt der Biber laut Aussage von Rolf Servos (BUND) etwa einen Tag.
Ein vom Biber gefällter Baum. Für das Abnagen eines Baumstamms dieser Dicke benötigt der Biber laut Aussage von Rolf Servos (BUND) etwa einen Tag. | Bild: Gabriele Münzer

Aber warum baut der Biber Dämme? Rolf Servos bringt Licht ins Dunkel: "Biber bauen ihre Burgen an der Uferböschung. Damit der Eingang in den Bau unter Wasser liegt und so für Feinde nicht zugänglich ist, werden aus Zweigen, Blättern, Schilf und kleinen Stämmen Dämme gebaut, die das Wasser aufstauen."

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Mithilfe der Dämme seien die Biber bis zu einem gewissen Grad sogar in der Lage, den Wasserstand zu regulieren, erzählt er weiter. Wird der Pegel für die Burg zu hoch, graben sie Löcher in die Absperrung, damit Wasser abfließen kann. "In der Mitte der Burg befindet sich eine trockene Kammer, in der die Biber leben. Diese wird von einer stabilen Außenhülle aus Zweigen, Blättern und Schlamm geschützt", so Servos.

Bauern sind darüber weniger glücklich

Biber würden aktiv die Landschaft gestalten, indem sie durch Dämme den Wasserlauf verändern. Die dabei entstehenden Flachwasserzonen stellten einen wichtigen Lebensraum dar für Tiere, wie kleine Fische, Frösche, Gelbbauchunken und Kleinstlebewesen, so der BUND-Vorsitzende. Glücklich über die Biber scheinen die Bauern, deren Wiesen an die Deggenhauser Aach angrenzen, allerdings nicht. Sie beklagen den Nutzungsausfall der überschwemmten Flächen.

Hinter dem Gestrüpp an der Uferböschung ist die Biberburg, das Zuhause der Biberfamilie, deutlich zu erkennen.
Hinter dem Gestrüpp an der Uferböschung ist die Biberburg, das Zuhause der Biberfamilie, deutlich zu erkennen. | Bild: Gabriele Münzer

Servos sieht das gelassen. Der Biber würde meist nur einen Umkreis von zehn Metern um das Gewässer beeinträchtigen – eine überschaubare Fläche, seiner Ansicht nach, die dazu der ohnehin gesetzlich vorgeschriebenen Randstreifenbreite zu Gewässern hin entspräche.

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Als Kuriosum erweist sich am Ufer ein malträtierter Baum, mit deutlich angenagtem Stamm und abgeschälter Rinde bis in mehrere Meter Höhe. Kann ein Biber klettern oder wie schält er die Rinde in schwindelnder Höhe ab? Servos schmunzelt. Ein Biologe hätte ihm erklärt, das skurrile Gebilde könne ein Gemeinschaftswerk von Biber und Specht sein. Mutmaßlich hat Letzterer die Baumrinde auf der Suche nach Insekten abgelöst. Denn eines sei sicher: Klettern könnten Biber nicht.

Wissenswertes über den Nager

  • Der Biber ist ein rattenähnliches, plump anmutendes Nagetier. Mit einer Kopf-Rumpf-Länge von 80 bis 102 Zentimetern und einer Schwanzlänge von 35 Zentimetern erreicht er ein Gewicht zwischen 23 und 30 Kilo. Biber, die Vegetarier sind und sich rein pflanzlich ernähren, sind semiaquatische Säugetiere, das heißt, sie bewohnen stehende oder fließende Gewässer und deren Uferbereiche und gestalten dort aktiv ihren Lebensraum. Durch die weit oben angeordneten Augen und Nase bleiben diese auch über Wasser, wenn der Körper des Bibers untergetaucht ist. Mithilfe der Schwimmhäute an den Hinterfüßen ist der Biber ein hervorragender Schwimmer. Sein flacher, breiter und schuppenbedeckter Schwanz, auch Kelle genannt, dient als Steuer beim Abtauchen. Biber können bis zu 20 Minuten tauchen und verschließen dabei Nase und Ohren. Wie bei allen anderen Nagetieren auch, besitzt der Biber vergrößerte Schneidezähne, die ständig nachwachsen und mit denen er problemlos Bäume fällen kann, die er für seine Bautätigkeiten und als Nahrung benötigt.
  • Biber sind monogam und gehen mit dem Partner eine lebenslange Bindung ein. Ihre Jungen sind sogenannte Nestflüchter und werden voll behaart und sehend geboren. Nach vier bis sechs Wochen verlassen die Jungtiere erstmals den geschützten Bau. Sie können bereits schwimmen, das Tauchen müssen sie jedoch erst noch lernen. Natürliche Feinde, wie Wolf oder Bär, haben ausgewachsene Biber hierzulande nicht.
  • In Deutschland leben heute wieder mehr als 30 000 Biber. In Baden-Württemberg geht man von etwa 3500 Tieren aus.