Konzentrierte Übungen am Einschießstand, sorgfältige Auswahl von Bogen und Pfeilen sowie zahlreiche gut gelaunte Menschen bestimmen die Situation auf dem Bogenparcours Lellwangen, der sich schon seit geraumer Zeit in Magetsweiler im Deggenhausertal befindet. Auf dem Parcours in zwei Gruppen aufgeteilt unterwegs ist auch die Familie Stiller aus Bavendorf beziehungsweise Schlier. „Wir machen einen Familienausflug auf den Bogenparcours, das ist das Geburtstagsgeschenk für meinen Vater“, erklärt Bernhard Stiller, der gemeinsam mit Nadja, Sascha und Elias gerade auf eine wilde Tierattrappe zielt. Er sei schon mal auf dem alten Parcours in Lellwangen gewesen und für die anderen Familienmitglieder sei es das erste Bogenschießen. Alle sind recht ernsthaft bei der Sache und es mache viel Spaß, zumal der Parcours wunderschön gelegen sei – mitten in der Natur und mit teilweise traumhaften Ausblicken auf Bodensee und Alpen. Das der Bogenparcours in Magetsweiler noch betrieben werden kann, ist auf ein Stillhalteabkommen zurückzuführen.

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Petitionsausschuss nahm Gelände in Magetsweiler unter die Lupe

Im August 2018 hatte der Petitionsausschuss der Landes Baden-Württemberg in Deggenhausertal getagt und das Gelände in Magetsweiler unter die Lupe genommen. Es ging darum, dass das Baurechtsamt eine Änderung des Flächennutzungsplans und die Aufstellung eines Bebauungsplans forderte. Dagegen hatte die Betreiberfamilie Allgaier eine Petition eingereicht. Solange die Petition nicht entschieden ist, kann der Parcours weiter betrieben werden. 

Albert Allgaier (links) erklärte dem Berichterstatter des Pettitionsausschusses, Jürgen Keck (rechts im Vordergund) das Vorgehen am Bogenparcours. Beim Ortstermin 2018 waren sehr viele Interessierte mit dabei.
Albert Allgaier (links) erklärte dem Berichterstatter des Pettitionsausschusses, Jürgen Keck (rechts im Vordergund) das Vorgehen am Bogenparcours. Beim Ortstermin 2018 waren sehr viele Interessierte mit dabei. | Bild: Wolf-Dieter Guip

Seinerzeit war in Aussicht gestellt worden, dass über die Petition wohl bis Frühjahr dieses Jahres entschieden wird. „Der Petitionsausschuss hat das Thema Bogenparcours noch vor der Sommerpause debattiert und das Thema kommt wohl im Oktober in den Landtag, der drüber entscheidet“, sagt Cornelia Allgaier. Man führe jetzt Gespräche mit dem Bürgermeister von Deggenhausertal und dem Gemeinderat und werde auch auf das Baurechtsamt zugehen.

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Betreiber wollen Umweg über Bebauungsplan vermeiden

„Unser Ziel ist es, über einen Bauantrag die Genehmigung für den Parcours zu erreichen, um den Umweg über einen Bebauungsplan zu vermeiden, der mindestens zwei Jahre in Anspruch nehmen würde“, erklärt Allgaier. „Es könnten Kosten zwischen 2000 und 50000 Euro entstehen.“ Außerdem könne der Parcours während dieser Zeit nicht betrieben werden und das Ergebnis sei offen.

Im Oktober 2018: Riesiges Interesse bei der Beratung der Petition um den Bogenparcours in Magetsweiler im Rathaus in Deggenhausertal. Ganz links der Berichterstatter des Ausschusses, Jürgen Keck.
Im Oktober 2018: Riesiges Interesse bei der Beratung der Petition um den Bogenparcours in Magetsweiler im Rathaus in Deggenhausertal. Ganz links der Berichterstatter des Ausschusses, Jürgen Keck. | Bild: Wolf-Dieter Guip

Allen Widrigkeiten zum Trotz gibt es den Bogenparcours Lellwangen – an den Standorten zunächst in Lellwangen und jetzt in Magetsweiler – demnächst schon seit zehn Jahren. „Wir werden vom 23. bis zum 25. August das ‚Jubiläum‘ mit einem kleinen Fest für Bogenfreunde begehen – allerdings wissen wir noch nicht, wie es weitergehen wird“, zeigt sich Cornelia Allgaier zurückhaltend.

Magetsweiler habe Vorteile im Vergleich zu Lellwangen. Hier seien es fünf Stationen mehr und das Gebiet sei in zwei Schleifen aufgeteilt, die die Möglichkeit böten, eine Pause zu machen oder den Parcours bei der Teilnahme von Kindern abzukürzen. Der Panoramapfad mit 14 Stationen biete tolle Aussichten über Bodensee und Alpen und der Waldpfad mit zwölf Stationen sei eher wildromantisch.

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Hintergrund zum Bogenparcours

Der Gemeindeverwaltungsverband Markdorf (GVV) hatte im August 2009 zunächst die Baugenehmigung für den Bogenparcours in Lellwangen erteilt. Auf Widerspruch eines Nachbarn und einem Bedenkenerlass des Regierungspräsidiums hatte der GVV im April 2011 dem Nachbarn mit einem Abhilfebescheid Recht gegeben. Daraufhin hatte die Betreiberfamilie Allgaier Mitte des Jahres 2017 die Sportanlage von Lellwangen nach Magetsweiler verlegt. Nur kurze Zeit später monierte das Baurechtsamt im GVV Markdorf die baulichen Anlagen in Magestweiler. Bevor eine mögliche Schließung auch dieses Bogenparcours‘ erfolgte, hatten die Betreiber den Petitionsausschuss im Landtag von Baden-Württemberg angerufen. Aufgabe des Petitionsausschusses ist es, sich mit Eingaben von Bürgern zu befassen, die sich durch eine Landesbehörde ungerecht behandelt fühlen. Der Petitionsausschuss darf – im Unterschied zu den Gerichten – nicht nur die Rechtmäßigkeit einer behördlichen Entscheidung überprüfen, sondern auch deren Zweckmäßigkeit.

Kürzlich war die Familie Allgaier zur Eröffnung eines Bogenparcours ins Kinzigtal in den Schwarzwald gereist. Dieser Parcours wurde auf Basis einer Baugenehmigung zugelassen und sogar von der Europäische Union und dem Land Baden-Württemberg mit Fördergeldern aus dem Leader-Programm unterstützt. Dieses Programm soll den Lebens- und Wirtschaftsräumen im ländlichen Raum neue Impulse geben und dazu beitragen, diese Region weiterzuentwickeln und zukunftsfähig zu gestalten.