Heftige Bautätigkeit gibt es derzeit beim Baugebiet "Neue Mitte Wittenhofen". Auf dem ehemaligen Sägewerk der Firma Holz Knisel sollen auf rund 9000 Quadratmetern zwei viergeschossige Mehrfamilienhäuser und sieben Einfamilienhäuser entstehen.

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Da die neue Brücke über die Deggenhauser Aach noch nicht ganz fertiggestellt wurde, läuft – seit Beginn der Bauarbeiten – der komplette Baustellenverkehr von der Abzweigung an der Landesstraße 204 bei der Bäckerscheune Baader vorbei an Busbahnhof und Rathaus durch den Schulweg und die neue Straße "Säge" zur Großbaustelle. Daraus ergeben sich fast zwangsläufig gewisse Probleme für die Anwohner, insbesondere in den "Lebensräumen für Jung und Alt" sowie der Pflegegemeinschaft St. Sebastian.

Gelegentlich blockieren mehrere Lastwagen die Straße Säge, was auch die Zufahrt zu den Lebensräumen und der Pflegegemeinschaft St. Sebastian erschwert.
Gelegentlich blockieren mehrere Lastwagen die Straße Säge, was auch die Zufahrt zu den Lebensräumen und der Pflegegemeinschaft St. Sebastian erschwert. | Bild: Wolf-Dieter Guip

Lastwagenfahrer sagt: "Wenn Sie sonst keine Sorgen haben"

Bärbel Borgwardt wohnt in den "Lebensräumen" im Erdgeschoss, ihre Terrasse sowie eine kleine Grünfläche grenzen direkt an die "Baustraße" an. "Dass es bei einer so großen Baustelle für die Anwohner Beeinträchtigungen gibt, ist ganz klar und auch normal. Und es ist auch gut, dass mehr Wohnraum in Wittenhofen geschaffen wird", sagt sie. Gleich nebenan wohnt Holger Neurohr, der als Rollstuhlfahrer seine speziellen Probleme mit dem Baustellenverkehr hat. Zum Gespräch mit dem SÜDKURIER stieß auch Volker Kreidewolf, der in einem der oberen Stockwerke wohnt. Was die drei Anwohner ärgert, ist die Ignoranz, mit denen man ihrer Ansicht nach ihrer Kritik begegnet. Bärbel Borgwardt schildert ein Beispiel: Einmal sei ein schwerer Lastwagen mit laufendem Motor vor ihrer Terrasse gestanden. "Ich habe den Fahrer schon etwas angemotzt, er solle doch wenigstens den Motor abstellen", berichtet sie. "Der Fahrer meinte, er könne nicht weiterfahren, weil zwei Autos den Weg verstellen." Dann habe er noch gesagt: "Wenn Sie sonst keine Sorgen haben." Das ärgert Bärbel Borgwardt.

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Eine Wohnung weiter in Richtung Baustelle wohnt Holger Neurohr. Er ist Rollstuhlfahrer und für ihn ist die Baustellensituation teilweise eine erhebliche Belastung, wie er berichtet: "Ich muss morgens zur Arbeit nach Friedrichshafen fahren. Wenn ich mit dem Auto vom Carport bei den 'Lebensräumen' nicht rauskomme, komme ich zu spät zur Arbeit." Gelegentlich müsste er aktuell – noch sind Schulferien – auf den Lehrerparkplätzen bei der Schule parken und es sei schon schwierig, mit Einkäufen auf dem Rollstuhl seine Wohnung zu erreichen. Es gibt zwei weitere Rollstuhlfahrer in den 'Lebensräumen" und auch mit Rollatoren sei die Strecke an wartenden Lastwagen vorbei kein Kinderspiel, beschreibt er weiter. Neurohr befürchtet erhebliche Probleme, wenn zum Herbst oder Winter hin möglicherweise die Zufahrt zu den Carports zeitweise komplett geschlossen werden muss, um die Straße "Säge" baulich neu zu gestalten.

Für mehrere Stunden blockierten Lastwagen die Zufahrt zu den "Lebensräumen für Jung und Alt" und der Pflegegemeinschaft, als große Betonfertigteile angeliefert wurden.
Für mehrere Stunden blockierten Lastwagen die Zufahrt zu den "Lebensräumen für Jung und Alt" und der Pflegegemeinschaft, als große Betonfertigteile angeliefert wurden. | Bild: Bärbel Borgwardt

Volker Kreidewolf wohnt im Obergeschoss der "Lebensräume": "Durch die Bautätigkeit und Baufahrzeuge ist für mich die Nacht um 6 Uhr zu ende." Man könne während der Bauzeit keine Fenster öffnen oder Wäsche draußen trocknen. Überall sei Schmutz und auch die Fassade des Gebäudes sei verdreckt.

Die Bauherren Hermann und Markus Knisel nehmen Stellung: "Gemeinsam mit der Gemeinde Deggenhausertal haben wir sämtliche Möglichkeiten zum Entzerren des Verkehrsaufkommens bereits im Vorfeld geprüft und umgesetzt. Ein Beispiel ist hier die Straße 'Im Fricken', welche für einen großen Teil der Erschließung als Zu- und Abfahrt genutzt wurde." Beim Bau der Retentionsmulde und dem parallelen Bau der Brücke sei es kurzfristig leider nur möglich gewesen, die alte Schulstraße zu befahren, heißt es in der Stellungnahme weiter. "Dass dies temporär zu einer höheren Belastung der Anwohner geführt hat, ist nachvollziehbar. Darüber hinaus waren wir als Bauherren im Dialog mit den Anwohnern und haben die Wünsche und Sorgen an die ausführenden Unternehmen und deren Mitarbeiter weitergegeben."

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"Ich glaube, manche in den 'Lebensräumen' übertreiben"

Knut Simon wohnt in der Straße "Im Fricken", relativ nahe an der Baustelle, wo die Lastwagen recht dicht an seinem Haus vorbeifahren: "Gerade als die Armierungen für die Fundamente gebohrt wurden, war es schon heftig, aber es ist halt eine Baustelle und insgesamt ist die Belastung durchaus erträglich", findet er. Sascha Rilli wohnt in den "Lebensräumen" mit direktem Blick auf die Baustelle: "Ab und an kommt man mit dem Auto nicht raus, da die Zufahrt zugestellt ist. Der Lärm und Staub sind natürlich auch nicht schön, aber so ist es halt, wenn gebaut wird." Unmittelbar gegenüber den Lebensräumen wohnt Helma Hassebrauk in einem alten Bauernhaus: "Ich glaube, manche in den 'Lebensräumen' übertreiben ein wenig. Man sollte aufhören, sich über Dinge aufzuregen, die man sowieso nicht ändern kann und das ist halt ganz normaler Baulärm." Sie wohne schon mindestens 30 Jahre hier und auch als das Pflegeheim und die Lebensräume gebaut wurden, habe es Baulärm gegeben. "Und heute regen sich eben die Leute auf, die dort wohnen."