Die „Sieben Söhne des Himmels“ bekommen eine Schwester: Sie heißt Topaz, auch Topas geschrieben. „Die Schwester ist etwas kostbares, ein Edelstein“, scherzt Monica Mair. Die „Söhne“ ist ein chinesischer Schattenbaum, Topaz eine Apfelsorte. Und beide wachsen nun einträchtig im Garten von Monica und Wolfgang Mair in Markdorf. Mairs gehören zum Kreis der Kunden, die beim Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) Markdorf Obsthochstämme bestellt haben und sie jetzt auf dem Hubertushof Steidle in Mennwangen abholen.

Ehepaar Mair bestellt alte Apfelsorte Topaz

Dort wird es einem warm ums Herz, wenn man bei den frostigen Temperaturen die vielen Bäumchen sieht, die künftig die Landschaft verschönern und zur Artenvielfalt beitragen werden. Mäuse hatten die Wurzeln ihres alten Apfelbaumes derart abgefressen, dass der Wurzelstock ohne Mühe aus der Erde gezogen werden konnten. „Zwei Stunden zuvor hatten wir noch unter dem Baum gefrühstückt“, erzählt Wolfgang Mair.

Der Topaz wächst nun im Garten von Wolfgang und Monica Mair in Markdorf. In der Mitte Ingrid Hansmann vom BUND Markdorf.
Der Topaz wächst nun im Garten von Wolfgang und Monica Mair in Markdorf. In der Mitte Ingrid Hansmann vom BUND Markdorf. | Bild: Christiane Keutner

Er hatte recherchiert, dass Topaz eine alte, widerstandsfähige Apfelsorte ist, die man nicht spritzen muss. Obendrein schmecken die Früchte sehr gut. In erster Linie soll der Baum jedoch ein Schattenspender sein. „Wir hoffen, dass er schnell wächst, denn wir wollen eine Hängematte daran befestigen“, ergänzt Monica Mair, die die Empfehlung zum Kauf beim BUND von der Nachbarin erhalten hat. Vier bis fünf Jahre alt sind die Baumjünglinge, die, haben sie erst mal richtig Fuß gefasst, karrierebewusst und schnell nach oben streben.

Schmunzeln über Obstsorten mit teils lustigen Namen

Gleich mehrere Bäume hat Karl Hafen aus Ahausen geordert. Einige sollen eine neue Heimat hinter dem Haus der Schwiegermutter finden, andere auf der Wiese zwischen dem Gewerbegebiet und der Wohnbebauung. Auch Hafen gehört zu den Neukunden, findet das Angebot super und schmunzelt über die Sorten mit den teils sehr lustigen Namen.

Geheimrat Oldenburg und Kaiser Wilhelm I. verewigt

„Geheimrat Oldenburg“ wurde laut Wikipedia 1897 aus einer Kreuzung der Sorten Minister von Hammerstein und Baumanns Renette gezüchtet und nach dem damaligen Rat im landwirtschaftlichen Ministerium in Berlin benannt. Ein Volksschullehrer leistete mit der Benennung eines bereits veredelten Baums einen Beitrag zum Kult um Kaiser Wilhelm I. Der Kaiser genehmigte nach einer Geschmacksprobe huldvoll die Verwendung seines Namens für den Baum. Kürzlich wurde der Apfel als Plagiat erkannt; er ist identisch mit der Lokalsorte „Peter Broich“ aus der Region Köln.

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Aktion läuft seit fast 30 Jahren

Echt ist aber die Begeisterung für die Aktion, die der BUND Markorf seit annähernd 30 Jahren organisiert. „Es wurden so viele Hochstämme gefällt, dass der BUND beschlossen hatte, Anregungen für eine Neupflanzung zu geben, denn Streuobstwiesen prägen unsere Landschaft“, berichtet Ingrid Hausmann. „Wir wollten damit die Artenvielfalt fördern und erhalten“, erklärt Albin Ströbele, „eine Streuobstwiese bietet optimale Lebensräume.“

Biobauern dürfen aus rechtlichen Gründen nicht mehr mitbestellen

Wurde die Aktion früher zweimal jährlich angeboten, hat sich herausgestellt, dass es einmal im Jahr reicht. Zwischen 400 und 600 Bäume werden geordert. Dieses Jahr sind es 438 Stück. Das liegt an einer Neuregelung: Biobauern müssen ihre Ernte von Bäumen liefern, die aus biozertifiziertem Saatgut gezogen sind. „Dabei ist ein Baum nach fünf, sechs Jahren, wenn er dann trägt und nicht gespritzt wurde, ein Biobaum“, stellt Ira Broszka fest.

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Viele Neukunden unter den Bestellern

Die meisten Besteller ordern regelmäßig, aber es gibt auch viele Neukunden. Wie Beatus Kopp aus Heiligenberg, der von den Nachbarn von der Aktion gehört hat: „Wir haben einen großen Garten. Ein paar Bäume waren alt und Tannen haben zu sehr verschattet. Jetzt sollen sie von Zwetschgen-, Birnen- und Apfelbäumen ersetzt werden. Meine Frau wollte immer Obstbäume und wir waren beeindruckt von der Riesenauswahl. Auf der Homepage des BUND war alles wunderbar aufgelistet. Ich hatte keine Ahnung von Obstbäumen, aber da wurde alles prima erklärt.“

Die Kinder helfen Papa Andreas Beckert aus Mennwangen beim Verladen der erstandenen Kirsch- und Zwetschgenbäume.
Die Kinder helfen Papa Andreas Beckert aus Mennwangen beim Verladen der erstandenen Kirsch- und Zwetschgenbäume. | Bild: Christiane Keutner

Währenddessen hievt Andreas Beckert aus Mennwangen mithilfe seiner beiden Kinder die Bäume auf den Anhänger. Die Kirsch- und Zwetschgenbäume für den Eigenbedarf sollen auf der Südweide gepflanzt werden, auf der Schafe und Ziegen grasen. Das letzte Mal hatte er günstige Hochstämme übers Landratsamt erworben, „aber hier vor Ort ist das für mich natürlich viel einfacher.“

Zum Angebot des BUND gehören auch Sträucher. Hier ist die Hainbuche am beliebtesten, während bei den Äpfeln der Blauacher vorne liegt, gefolgt von Boskop und Topaz.

BUND gibt Bäume und Sträucher zum Selbstkostenpreis ab

Aufgrund des Großeinkaufs erhält die BUND-Gruppe Markdorf Rabatt, den sie eins zu eins an die Kunden weitergibt. Obendrein verkauft der BUND die Bäume zum Einkaufspreis, um einen Anreiz zu schaffen. Anfangs war das ein Zuschussgeschäft, heute geht die Aktion Null auf Null auf und es profitieren Mensch und Umwelt.