Als schwalbenfreundliches Haus hat der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) den landwirtschaftlichen Hof der Familie Karrer in Unterhomberg ausgezeichnet. Die Schwalbenpopulation im Süden der Republik ist seit 1980, als die Zählung begann, bis zum Jahr 2000 auf ein Viertel gesunken und allein von 2000 bis heute erneut auf ein Viertel der ursprünglichen Anzahl an Tieren. "Das ist ein gewaltiger Einbruch", sorgt sich Hartmut Walter, Vorsitzender des Nabu Überlingen, der die Auszeichnung überreichte.

Völlig anderes stellt sich die Situation auf dem Hof Karrer dar. "Mit 20 Brutpaaren auf unserer Hofstelle, die in diesem Jahr zwei Mal gebrütet und ihre Jungen aufgezogen haben, hatten wir so viele Schwalben wie nie zuvor", freut sich Andreas Karrer. Er betreibt die Landwirtschaft mit 30 Kühen und zehn Schweinen im Nebenerwerb. In den Jahren zuvor hätten etwa 10 bis 15 Schwalbenpaare im Stall gebrütet, erklärt Karrer. Über diesen deutlichen Zuwachs kann er nur spekulieren. Grundsätzlich habe es schon immer viele Schwalben gegeben, weiß Karrer. Bei einem Brand auf dem Hof im Jahr 2011 – die Schwalben hatten nach den Löscharbeiten ihre Jungen weiter großgezogen – war das Wirtschaftsgebäude zerstört worden. Der Stall wurde als geschlossener Stall wieder aufgebaut. "Wir sind der einzige Milchviehbetrieb im Ort geblieben, im Deggenhausertal gibt es nicht mehr viele", erklärt Karrer.

Andreas Karrer zeigt einige der 20 Schwalbennester in seinem Stall.
Andreas Karrer zeigt einige der 20 Schwalbennester in seinem Stall. | Bild: Wolf-Dieter Guip

Neue, große Ställe sind meist Offenställe, die sich für Schwalben nicht eignen. So gibt es für die Vögel weniger Brutstellen. Außerdem werde Fläche versiegelt und alles werde sehr sauber gehalten, berichtet Karrer. Die Schwalben benötigten jedoch Lehm und Sand sowie Heu und Halme, um Mergel zum Bau ihrer Nester zu haben. "Es ist schön, die Tiere hier zu haben und zu beobachten", erklärt Andreas Karrer, der um die Schwalben kümmert. So sei es wichtig, dass es Zugangsmöglichkeiten im Stall für die Vögel gibt. Auf der anderen Seite gilt es – gerade wenn die Jungen da sind – Zugluft zu vermeiden. Wenn es kalt wird, werden abends die Fenster und Türen geschlossen und am Morgen wieder geöffnet, "damit sich die Schwalben wohl fühlen und sich die Jungen entwickeln können". Die Schwalben haben die Aufgabe, die Insekten im Stall von den Tieren fernzuhalten.

Wenn die Schwalben über den Winter von Ende September bis etwa März in Afrika seien, habe man weitaus mehr Insekten im Stall. Den Schwalbendreck entferne er beim Stallmisten einfach mit, erzählt Andreas Karrer.

Albrecht Haas lobt: "Es ist vorbildlich, wie die Schwalbenpflege hier betrieben wird." Haas ist seit 1980 im Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) Deggenhausertal aktiv und hatte Familie Karrer für die Auszeichnung vorgeschlagen. Damit gehört der Hof Karrer zu den 500 Höfen in Baden-Württemberg, die ausgezeichnet wurden. Künftig sollen es 600 Höfe sein, um die Schwalbenpopulation zu fördern.

Die Auszeichnung

Die Lebensbedingungen für die Schwalben haben sich stark verschlechtert. Um auf dieses Problem aufmerksam zu machen, hat der Naturschutzbund (Nabu) die bundesweite Aktion "schwalbenfreundliches Haus" ins Leben gerufen. Schwalben und ihre Niststätten stehen unter Schutz. Sie zu beschädigen oder zu zerstören, ist laut Bundesnaturschutzgesetz verboten.