Frau Reger, seit wann sind Sie Mitglied im Deutschen Roten Kreuz (DRK) Deggenhausertal und wie sind Sie dazu gekommen?

Ich bin jetzt 30 Jahre im Roten Kreuz. Früher hat man Haus- und Straßensammlung fürs Rote Kreuz gemacht. Und als der Sammler bei uns vorbeikam, habe ich gesagt, das wäre doch ein Verein für mich, weil ich Krankenpflegehelferin von Beruf bin. Und schon am nächsten Tag hat Frau Elfriede Dallath, sie war Helferin beim DRK, angerufen und mich gleich zum nächsten Dienstabend mitgenommen. Und es war schon damals eine nette Truppe – ich fand es einfach toll. Da habe ich mir gesagt: Da muss ich bleiben. Bei uns hier auf dem Land braucht man irgendwas, um rauszukommen – und das geht am besten über einen Verein.

Seit wann sind Sie neben Josef Bentele Bereitschaftsleiterin und was ist Ihre Aufgabe?

Ich war ein Jahr im DRK, dann ein Jahr Stellvertreter und seither dann Bereitschaftsleiterin – also seit 28 Jahren. Meine Aufgabe besteht darin, die Blutspende zu organisieren, die Arbeitseinsätze einzuteilen, zum Beispiel Altpapiersammlungen, die Ferienspiele und angeforderte Dienste bei Veranstaltungen und Sportplatzdienste. Und das reicht auch. Die Ausbildung macht hauptsächlich Josef Bentele, der mich bei meinen Aufgaben auch unterstützt. Ich habe das nicht gelernt, aber bin da mit der Zeit reingewachsen und wenn man sich alles aufschreibt, klappt das auch.

Was war und ist Ihre Motivation, sich im DRK zu engagieren?

Neben dem bereits Gesagten ist es mir wichtig, anderen Menschen helfen zu können, für andere da zu sein. Bekanntlich sind die Blutspendetermine in der Alfons-Schmidmeister-Halle sehr erfolgreich.

Wie kommt’s? Und wie war der Blutspendetermin im August?

Wir hatten knapp 200 erschienene Spendenwillige, genauere Zahlen liegen noch nicht vor. Das ist so Mittelmaß. Wir haben immer zwischen 180 bis 250 Spender – es war jetzt nichts Außergewöhnliches. Und das ist bei uns unabhängig von den Ferien – denn wir haben ja immer in den Ferien die Blutspendetermine, weil wir da am besten in die Halle können mit Auf- und Abbau. Der Blutspendedienst des DRK ist sehr froh, dass wir es in den Ferien machen, weil gerade da viel Blut benötigt wird.

Das DRK organisiert seine Blutspendetermine grundsätzlich in der Alfons-Schmidmeister-Halle.
Das DRK organisiert seine Blutspendetermine grundsätzlich in der Alfons-Schmidmeister-Halle. | Bild: Wolf-Dieter Guip

Wie wichtig sind Blutspenden heute?

Es ist immer noch sehr wichtig, weil Blut immer noch nicht im Labor hergestellt werden kann – man braucht es einfach immer noch sehr dringend. Für die Herstellung von Medikamenten, zur Behandlung von Kranken und Verletzten. Das Blut wird ja auch in seine Bestandteile zerlegt und jeder Mensch bekommt dann das, was er gerade benötig.

Wie entwickelt sich das Ergebnis der Blutspendetermine im Deggenhausertal?

Wenn man es übers Jahr sieht, wechselt es zwar von Termin zu Termin aber im Durchschnitt ist das Ergebnis von der Menge her konstant und das seit Jahren – eigentlich, seit ich es mache. Es gibt ja Orte in der Region, wo die Termine zurückgefahren werden (müssen), weil einfach keine Helfer mehr da sind. Wir sind hier im Tal in der glücklichen Situation, dass das ganze DRK im Einsatz ist und dazu noch zirka 12 freiwillige Helfer.

Wie ist die Altersstruktur der Spender im Tal – wie sieht es mit jungen Leuten aus?

Wir hatten jetzt, im August, leider nur relativ wenige Erstspender. Aber im Alter von 20 bis 25 Jahren haben wir wirklich sehr viele Spender, was uns auch für die Zukunft hoffen lässt. Und die Spender kommen ja nicht nur vom Tal, sondern von sämtlichen Ortschaften außen rum.

Warum?

Viele sagen wegen des guten Essens, das die Spender nach der Spende bekommen. Es gibt ja einen Trend zu Salaten und wir bieten ein Büffet mit mehr als 15 Salaten. Und die sind alle selbst gemacht, ebenso wie die Kuchen und Torten. Es gibt Spender, die in die Küche kommen und sich extra bedanken wegen des guten Essens – das ist schon was Besonderes. Natürlich organisieren wir die Spenden in erster Line zur Gewinnung von Blut, aber gleichzeitig finanzieren wir damit das DRK Deggenhausertal – wir bekommen ja sonst von nirgendwoher Geld und müssen uns selbst finanzieren. Auch die Altpapiersammlungen bringen noch einen kleinen Überschuss, aber nicht mehr so viel wie früher.

Wie viele Mitglieder hat das DRK im Tal aktuell?

Wir haben derzeit 13 Aktive DRKler und die sind alle schon sehr lange dabei – Minimum zehn Jahre.

Wie kann Nachwuchs für das DRK gewonnen werden?

Das ist ganz schwierig. Es wäre toll, wenn wir eine Jugendrotkreuzgruppe hätten – wir hätten wahrscheinlich schon recht viele Kinder dafür. Aber wir haben niemanden, der die Gruppe leitet. Wir suchen schon lange händeringend nach einem Jugendleiter, einer Jugendleiterin.

Vor 105 Jahren, am 18. Mai 1913, wurde im Gasthaus Adler in Wittenhofen die Sanitätskolonne als Vorläufer des heutigen DRK gegründet. Was bedeutet diese lange Tradition für Sie?

Dass es immer schon Leute gegeben hat, die anderen Menschen helfen wollten – bei Kriegen, durch Unglücksfälle und Ähnliches. Es ist auch im häuslichen Bereich so, dass der Rettungsdienst nicht so schnell kommt. Und da ist es von Vorteil, wenn das DRK vor Ort ist. Auch bei Einsätzen der Feuerwehr im Tal bleiben wir vom DRK bis zum Schluss – bis der Kommandant sagt, es ist abgearbeitet. Der Rettungsdienst ist ja gewöhnlich schon viel früher wieder weg. Die langjährige Tradition und auch die aktuelle Erfordernis, das DRK weiterhin im Tal zu haben, ist für uns alle Ansporn, alles dafür zu tun, dass es auch künftig das DRK vor Ort im Tal gibt. Die Aufgaben werden vielfältiger und unser überschaubares Team an Aktiven in Deggenhausertal wird ja auch nicht jünger.

FRAGEN: WOLF-DIETER GUIP