Am Ende hatte sich Tania Heber bei der Weltmeisterschaft zwei Medaillen um den Hals hängen können: Diese leuchteten neben dem Bundesadler auf der Brust in Silber und Gold. Die goldene Medaille war sichtbares Zeichen für ihren 20. Titel. Das ist möglicherweise ein Rekord, denn wer sonst kann sich 20-malige Weltmeisterin nennen? Und wahrscheinlich wäre sie die beste Olympionikin aller Zeiten, wäre ihr Sport olympisch. Tania Hebers Sportgerät ist das Vorderladergewehr; ein Waffentyp, mit dem einst der amerikanische Bürgerkrieg geführt wurde.

Widriges Wetter und enttäuschende Entscheidung der Trainer

Gold und Silber holte Tania Heber bei der Weltmeisterschaft in Österreich.
Gold und Silber holte Tania Heber bei der Weltmeisterschaft in Österreich. | Bild: Mardiros Tavit

Für gewöhnlich kommt Tania Heber von internationalen Wettkämpfen mit mehr als nur einem Titel zurück. „Dieses Mal war schon außergewöhnlich“, sagt sie. Obwohl sie beste Schützin war, wurde sie jedoch vom Trainerteam nicht für den Mannschaftswettbewerb nominiert. Das nagte an ihr und kostete sie Konzentration. Zusätzlich musste sie mit widrigen Umständen kämpfen. „Es war windig und stürmisch. Es war heiß und es hatte nicht geregnet, sodass die Luft knapp über der Erde flimmerte“, durchlebt sie ein weiteres Mal die Situation bei der Weltmeisterschaft im österreichischen Eisenstadt. Auf 100 Meter Schießstrecke muss vieles zusammenkommen, dass am Ende das selbstgegossene Geschoss ins Schwarze trifft und so der Schützin zehn Ringe gutgeschrieben werden.

Ihr Weltrekord von 13 Zehnern ist unübertrefflich

Tania Heber mit ihrem Vorderlader: Schon zur Zeit des amerikanischen Bürgerkriegs wurden solche Waffen verwendet.
Tania Heber mit ihrem Vorderlader: Schon zur Zeit des amerikanischen Bürgerkriegs wurden solche Waffen verwendet. | Bild: Mardiros Tavit

Die gelernte Konditorin ist eine Perfektionistin. Bei der Weltmeisterschaft im französischen Bordeaux 2006 hatte sie ihrem langjährigen Trainer Erich Illing versprochen, eine 100 zu schießen. Dafür mussten zehn der 13 Schüsse genau in die Mitte treffen. Nach dem letzten Schuss wunderte sie sich, dass ihre Wettstreiter alle zu ihr kamen und ihr gratulierten. „Alle 13 Schuss waren eine Zehn“, erinnert sie sich. Ein Weltrekord, der bis jetzt Bestand hat und nicht übertroffen werden kann. 13 Mal das Gewehr am Tisch laden, sich hinlegen, zielen, Atem kontrollieren, schießen, Schuss kontrollieren, aufstehen, nachladen. 13 Mal einen automatisierten Ablauf perfekt wiederholen, um die perfekte Ringzahl zu schießen. „Auf den Wettkämpfen bin ich nie nervös“, erzählt Heber, aber am Vortag des Wettkampfes sei sie „immer hibbelig“, das seien auch die einzigen Momente, in denen ihr ein Lächeln über das Gesicht huscht.

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Eltern unterstützen sie bei ihrem Sport

Ihre Eltern unterstützen sie bei ihrem Sport. Mutter Elke kann sich an die Anfänge 1976 noch gut erinnern. „Schon an der Schießbude hat sie alles abgeschossen. Dabei musste sie auf einer Weinkiste stehen“, ergänzt Vater Hans-Peter. Da war sie gerade zehn Jahre alt. Das Schießen liege ihr im Blut. Auch die Eltern waren einst Schützen. Hebers Vater schrieb ein Stück Geschichte im Weltverband, besser gesagt sang er sie. Bei der Weltmeisterschaft 2000 in Australien stand seine Tochter wieder einmal ganz oben auf dem Treppchen. Da konnte er nicht an sich halten. Tania Heber erzählt: „Es war das erste Mal, dass bei einer Siegerehrung bei einer WM die deutsche Nationalhymne gesungen wurde.“ Der Vater habe eingesetzt, alle sangen mit. Für die Weltmeisterin ist die Siegerehrung immer wieder besonders. „Ganz oben stehen, die Hymne wird für mich allein gespielt.“

Arbeitgeber räumt Freiräume ein

Heber betont, dass sie ohne Unterstützung nicht solche Leistungen zeigen könnte. Ihre Eltern seien vielleicht die größten Förderer. Aber auch ihr Arbeitgeber Eto Magnetics räume ihr die Freiräume ein, die sie brauche. Nach einer Mehlstauballergie hatte Heber beruflich umsatteln müssen. Im Nachhinein sei dies ein Glücksfall gewesen, denn so könne sie ihre Trainingszeiten in ihrem Schützenverein Daisendorf optimieren.

Gemeinde gibt Finanzspritze für neuen Ofen

Vorderlader-Weltrekordlerin Tania Heber ist Perfektionistin. Sie gießt ihre Minié-Geschosse selbst mit solchen Zangen. Zum Schießen wird das Schwarzpulver aus den Röhrchen (unten rechts) in den Lauf geschüttet.
Vorderlader-Weltrekordlerin Tania Heber ist Perfektionistin. Sie gießt ihre Minié-Geschosse selbst mit solchen Zangen. Zum Schießen wird das Schwarzpulver aus den Röhrchen (unten rechts) in den Lauf geschüttet. | Bild: Mardiros Tavit

Das Testen von Bleigeschossen spielt dabei eine große Rolle. Diese gießt sie nämlich selbst. Da komme die Finanzspritze der Gemeinde für einen neuen Ofen genau richtig. Denn die Rekord-Weltmeisterin muss ihren Sport komplett aus eigener Tasche zahlen. Einen Sponsor hat sie bis heute nicht.