Wer vergangene Woche ins Daisendorfer Rathaus musste, stand vor verschlossenen Türen. "Achtung! Auf Grund Erkrankung aller Mitarbeiterinnen muss das Rathaus leider geschlossen bleiben", stand auf einem Aushang an der Tür. Beide Sachbearbeiterinnen und die Hauptamtsleiterin waren arbeitsunfähig, der Schultes allein im Rathaus. Zunächst hoffte Bürgermeister Frank Lemke, dass eine der Mitarbeiterinnen am Mittwoch käme, aber es blieb ein Wunsch. "So eine außergewöhnliche Notsituation habe ich in acht Jahren Amtszeit nicht erlebt", sagte Lemke, der den Aushang um eine weitere Information ergänzen musste. "Voraussichtlich ab 31.07.2017 sind wir wieder für Sie da." Die Bürgerarbeit im Rathaus konnte zum Wochenanfang wieder aufgenommen werden.

Ganz allein vor der Tür stehen ließ Lemke seine Bürger allerdings nicht. "Ich sitze im Eckbüro und jeder konnte sehen, dass ich im Haus bin. Einigen der Bürger konnte ich auch helfen". So lief der Notbetrieb direkt über den Bürgermeister, obwohl er einige längere Gespräche und Termine parallel hatte.

Ein Aushang an der Daisendorfer Rathaustür informierte die Bürger, dass das Rathaus die ganze Woche geschlossen bleibt. Bild: Thomas Kimmerl
Ein Aushang an der Daisendorfer Rathaustür informierte die Bürger, dass das Rathaus die ganze Woche geschlossen bleibt. Bild: Thomas Kimmerl

Reisepass trotzdem erhalten

Ob der Zugang zum Kontoauszugsdrucker oder ein paar zusätzliche Rollen gelber Säcke gewünscht waren, der Schultes konnte helfen. Auch dem Bürger, der für seinen Urlaub den nötigen Reisepass abholte, konnte Lemke das Reisedokument aushändigen. "Aber wenn jemand einen Pass beantragt hätte, dann wäre auch bei mir Schluss gewesen", gibt Bürgermeister Lemke zu. "Die Systeme greifen auf zentrale Datenbanken zurück und sind für Fachkräfte programmiert, da kenne ich mich nicht mehr aus."

Dass die Personaldecke so dünn ist, sei das Los der Kleinstgemeinden. "Der Personalbedarf ist auf Kante genäht, und das ist auch gut so. Ich könnte einem Bürger nicht erklären, warum wir im Regelbetrieb Personal für Notsituationen vorhalten sollten. Das würde die Ausgaben unnötig in die Höhe treiben". In großen Gemeinden würde sich so eine Notsituation nicht ergeben, denn in deren Verwaltungen gäbe es genug Mitarbeiter. Ohne Hauptamt wäre das Risiko einer zeitweiligen Rathausschließung noch höher.

Personal für Notsituation nicht vertretbar

So blieb dem Bürgermeister nichts anderes übrig, als auf das Verständnis der Bürger zu setzen. "Ein Bürger hatte vor der verschlossenen Rathaustür kein Verständnis, aber nachdem ich ihm die Situation erläutert habe, hat er eingesehen, dass mehr Personal nicht im Verhältnis zum Nutzen stehen würde." Weitere Beschwerden seien ihm im Nachgang nicht zu Ohren gekommen, so Lemke.

Der Bauhof war in der vergangenen Woche besetzt. Somit hätte es in Notfällen, zum Beispiel bei einem Rohrbruch, eine zuständige Person gegeben. "Wir sind es gewohnt, dass 365 Tage im Jahr alles wie selbstverständlich funktioniert", sagte Lemke, "so eine außergewöhnliche Situation kann aber auch vorkommen." Alle Veranstaltungen, die im Bürgersaal des Rathaus stattfanden, konnten regulär und ohne Einschränkungen durchgeführt werden.

Rathaus Daisendorf

Etatmäßig ist das Daisendorfer Rathaus mit vier Personen besetzt. Zwei Mitarbeiterinnen sind mit dem Bürgerbüro und dem Sekretariat des Bürgermeisters beschäftigt. Daneben gibt es eine Hauptamtsleiterin und den Bürgermeister. Der Bauhof ist mit einem Angestellten besetzt.

Das Daisendorfer Rathaus hat im Regelfall folgende Öffnungszeiten: Montag bis Freitag, 8.30 bis 12 Uhr, Montag und Dienstag, 14 bis 16.30 Uhr sowie Donnerstag, 14 bis 18 Uhr.

Zu diesen Öffnungszeiten sind die Mitarbeiterinnen auch telefonisch unter der Nummer 0 75 32/54 64 erreichbar. Unabhängig von den Öffnungszeiten können Anfragen an das Rathaus auch elektronisch an die Email-Adresse info@daisendorf.de gestellt werden.