Der Schreck darüber, aus dem Probelokal ausziehen zu müssen, ist bei Daniela Kümmerli immer noch herauszuhören, wenn sie davon erzählt. Kurz vor Weihnachten erfuhr die Vorsitzende des Musikvereins Daisendorf/Stetten von Bürgermeister Frank Lemke, dass das Kinderhaus zeitweilig erweitert werden müsse, und ihr Musikverein während dieser Zeit in den Bürgersaal ausgelagert wird. In der Januarsitzung beschloss der Gemeinderat die ersten Maßnahmen. Zusätzlich einigten sich Musikverein, Bürgermeister und Gemeinderat auf eine baldige Begehung der sonstigen Möglichkeiten. Daniel Heß, Bürgermeister der zweiten Patengemeinde des Musikvereins Stetten, und einige seiner Gemeinderatsmitglieder schlossen sich dem Treffen an. Auch Architekt Manfred Oberschelp war dabei.

Gemeinderat Otto Köhler, lange Jahre im Vorstand des Daisendorfer Schützenvereins, hatte eine weitere Option ins Spiel gebracht. Die Bogenhalle des Schützenvereins wurde selten genutzt, war groß und eventuell im Sinne des Musikvereins ausbaufähig. Doch die Besichtigung machte schnell deutlich, dass die Bogenhalle ungeeignet ist. Ein zusätzlicher Eingang, sanitäre Anlagen, Isolierung und Heizung würden die Kosten schnell auf 100 000 Euro heben. Für eine Zwischenlösung für eineinhalb bis vier Jahre wollte niemand diese Summe ausgeben. Blieb weiterhin das Rathaus mit seinen Möglichkeiten.

Abschließbarer trockener Lagerraum und die Möglichkeit, mit dem Gesamtorchester von bis zu 40 Musikern freitags proben zu können, waren die Hauptanliegen der Musiker. So zeigte die Besichtigung vor Ort, dass vielen von ihren Wünschen entsprochen werden konnte. Die Empore als Lager ist abschließbar. Das Stuhllager im Bürgersaal soll für das Schlagzeug geräumt werden. Auch in den Kellerräumen kann der Musikverein Anteile bekommen. Im Eingangsbereich können in die Nische Schränke gebaut werden. Die Garage am Vereinsheim müssen sie nicht ausräumen. Und solange die Musiker im Bürgersaal sind, haben sie Vorrang, der Freitag wird für sie freigehalten. Mit Ausnahme der Fasnet und für die Aufführung der Bänklehocker.

Alle Beteiligten scheinen nun einen gemeinsamen Weg gefunden zu haben. Von allen Seiten hört man, dass es konstruktive Gespräche waren. Kümmerli ist froh, dass nun mit ihrem Musikverein gesprochen wird und nicht über sie. Auch wenn ihr nicht gesagt werden kann, ob das Provisorium eineinhalb oder vier Jahr Bestand hat, nennt sie das Besprochene "machbar". Architekt Oberschelp plant alle Änderungen im Vereinsheim so, dass eine Nachnutzung gesichert ist. Die Erneuerung der Elektroinstallation hätte sowieso angestanden. Auch könne man die Akustik verbessern. Oberschelp hat zusätzlich den Auftrag bekommen, eine Aufstockung des Probelokals zu prüfen und zu kalkulieren. Wahrscheinlich wird er die Ergebnisse in der kommenden Februarsitzung des Gemeinderats vorstellen.

In Stetten hatte Bürgermeister Heß nach Möglichkeiten für den Musikverein gesucht. Von Anfang an hatte er das Rathaus für Registerproben zur Verfügung gestellt. Seine Idee, sich im Traktormuseum einzumieten, war erfolglos. Die Räumlichkeiten, an die er gedacht hatte, stehen nicht mehr zur Verfügung. Daisendorfs Bürgermeister Lemke gibt immer zu bedenken, dass eine Zwischenlösung gesucht wird. Denn das U3-Angebot wird jetzt zwar von zehn auf 20 Kleinkinder verdoppelt, aber 2016 gab es nur sechs Geburten in der Gemeinde. In zwei Jahren ist der Bedarf an den U3-Krippenplätzen somit nicht mehr gegeben. Wo sollen die Kinder herkommen? Es gibt keine weiteren Baugebiete in der Gemeinde.

Die nächsten Schritte

Auf der Tagesordnung der Daisendorfer Gemeinderatssitzung am heutigen Dienstag, 21. Februar, steht unter Punkt 5.5: Bauantrag: Nutzungsänderung Musikvereinsgebäude in Gebäude mit Bewegungsraum und Personalräume Kindergarten, Schulstr. 3, Flst.Nr. 33/1. Damit macht der kontrovers diskutierte Umbau seinen nächsten Schritt. Einen fixen Zeitplan kann aber niemand nennen. Nach dem Einvernehmen am 21. Februar geht die Mitteilung an das Landratsamt. Danach haben die Angrenzer vier Wochen Zeit, ihre Bedenken vorzutragen. Nach Prüfung und Abschluss durch das Landratsamt erfolgt die Baugenehmigung. Geprüft werden Art der Nutzung, Maß und Größe der Maßnahme.

Da auf dem Gelände schon ein Kinderhaus gibt und die Größe des Vereinsheimsgebäudes nicht verändert wird, sieht der Bürgermeister keine Probleme für die Baugenehmigung, die dann im April vorliegen soll. Parallel werden Handwerker angefragt. Wann genau der Umbau beginnt und mit der Fertigstellung gerechnet werden kann, ist noch ungewiss. So weiß der Musikverein auch noch nicht, wann ihr Auszug ansteht. Als Ziel für die Fertigstellung aller Arbeiten hat man sich den Beginn des Kindergartenjahres, also September, gesetzt. Noch gibt es viele Faktoren, die die Zeitplanung über den Haufen werfen können. Die Auftragslage bei den Handwerkern, die Handwerkerferien, die Sommerferien. "Ein sportliches Unterfangen, aber machbar," sagt Architekt Oberschelp und bleibt optimistisch. Noch eine Frage bleibt bis jetzt unbeantwortet. In welchem Umfang die Gemeinde Stetten, die zweite Patengemeinde des Musikvereins, sich an den Kosten beteiligt. (mt)