Der "FASH" gilt als einer der bedeutendsten Förderpreise für Modestudenten – dieses Jahr wurde er in Berlin an die Daisendorferin Annika Klaas verliehen. Sie ließ 104 Teilnehmer aus 16 Ländern hinter sich und war schon mal "total erfreut", als sie unter den 20 Finalisten war, dann "sehr überrascht", als ihr in Berlin auch noch der "FASH" (European Fashion Award) überreicht wurde.

Insgesamt vier Jahre Modedesign hat die 24-Jährige bisher an der Fakultät Textil und Design der Hochschule Reutlingen studiert, hat den Bachelor of Arts in Modedesign in der Tasche und ist derzeit im ersten Semester Master. Beworben hat sie sich mit einem Portfolio vier unterschiedlicher Projekte. Beim Award ausgestellt wurde ihre Bachelorkollektion, bestehend aus sechs realisierten Outfits. Bei der Strickkollektion für Frauen, die sie unter dem Namen "Slow Curve" entwarf, ließ sie sich von den flächigen Formspielen und leuchtenden Farben des Künstlers Ellsworth Kellys inspirieren. Der amerikanische Maler und Bildhauer war ein Hauptvertreter der Farbfeldmalerei und des "Hard Edge". Seine Werke zeichnen sich durch geometrische Flächen in leuchtenden Farben aus.

Dies hat Annika Klaas in Strick übersetzt. "Die Hochschule in Reutlingen hat ein sehr gutes Stricklabor, dessen Geräte auch in der Industrie verwendet werden", schwärmt sie von der professionellen Ausstattung, die sie sogar selbst programmierte. Überwiegend verwendete sie warme und weiche Wollgarne, kombinierte sie aber als Kontrast mit glänzenden, glatten Seiden- und Viskosegarnen.

Neben dem Preis hat sie sich auch sehr über die zwei intensiven Workshop-Tage in Berlin gefreut, bei denen die 20 Finalisten Gelegenheit zu Austausch und Vernetzung hatten. Sie hörten Vorträge von Experten, lernten von renommierten Fotografen, wie sie ihre Kollektionen am besten in Szene setzen und wie sie mit den Models am besten umgehen, so dass diese sich am wohlsten fühlen, und welche Perspektiven und Objektive die besten Ergebnisse liefern. Diskutiert wurde über die aktuellen Bedingungen des Modesystems, wie die Frage, welchen Einfluss Designer in einem aus den Fugen geratenen Konsum- und Wertesystem haben. Sie hörten, wie ein Berufseinstieg gelingen kann, sahen, wie das Designteam von Puma arbeitet und wie eine Kollektion bei Akris entsteht.

Dass der Preis bedeutend ist und als Sprungbrett in der hart umkämpften Modedesignszene gilt – Preisträger arbeiten in international renommierten Unternehmen oder als Dozenten und Hochschullehrer -, kann man an der Jury ablesen: So beurteilten Vertreter bekannter Unternehmen wie Strenesse, Deeken HR, Schirrmacher, Dorothee Schumacher und Akris. Das Beste für Annika Klaas: "Ich habe von Andrea Untergerber von Akris ein Praktikum angeboten bekommen."

Wie ihr Faible für Strick entstand? Parallel zu ihrem Studium der Freien Kunst an der Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart hatte sie am Studiengang Bühne und Kostümbild teilgenommen und ihren Spaß am Umgang mit Textilien und am Gestalterischen entdeckt. Den lebt sie am liebsten in Strick aus: "Man kann Textil und Form entwerfen, in der Fläche und dreidimensional arbeiten, das geht mit Webware nicht."

"Mode wieder mehr Wert verleihen"

  • Der European Fashion Award, kurz "FASH", zählt wegen seiner Tradition, der strikt fachlichen Ausrichtung, der anspruchsvollen Aufgabenstellung und einer professionellen Jury zu den international bedeutendsten Förderpreisen für Modestudierende, insbesondere im Bereich Textil- und Modedesign. Er wird seit 2005 jährlich von der 1978 gegründeten Stiftung der Deutschen Bekleidungsindustrie (SDBI) vergeben, die weltweit als älteste Organisation zur Förderung von Modestudenten gilt. Ziel ist auch, die Studenten an die Wirtschaft und Industrie heranzuführen. Der Preis ist mit 2500 Euro und einem individuellen Coaching dotiert. Die Preisträger der drei Kategorien werden dauerhaft auf eigenen Microsites auf der Internetseite der "FASH.Berlin" präsentiert.
  • Auszüge aus dem Jury-Urteil für Annika Klaas: "Eine stringente, stilsichere und sehr reife Kollektion, die selbst mit modernster Stricktechnologie in exzellenter Qualität gefertigt wurde. Die gekonnt reduzierte Silhouette und filigrane Details überzeugen. Ihre kleine Kollektion geht in die Tiefe, vor allem bei der eigenen Konstruktion und Fertigung des Stricks. Eine frische und zugleich sehr ausgereifte, akkurate und ausgewogene Arbeit mit herausragender technischer Umsetzung eigenständiger Kreativität. Sie arbeitet schon jetzt auf hohem Niveau professionell an jedem Detail. So entsteht Mode, die mehr ist als eine kurze Befriedigung nach dem Kauf. Annika Klaas will relevante Innovationen in Produktion und Fertigung, eine ganzheitliche und nachhaltige Gestaltung und damit für eine dringend notwendige Erneuerung der Mode arbeiten. Schon heute gelingt es ihr, den Blick für Qualität, Innovation und Tiefsinn zu schärfen und so Mode wieder mehr Wert und Wertschätzung zu verleihen."